


by ★☆Pixie Led☆★
Klare Worte vorneweg:
Diese Hingabe, die viele Mütter im Umgang mit ihren Babys aufbringen, die geht mir leider völlig ab.
Ich fühle mich deshalb nicht besonders gut, beinahe möchte man sagen, ich fühle mich ziemlich mies damit.
Ich habe aber noch keinen Weg gefunden, diese Einstellung zu modifizieren.
Die für mich einschneidendste Veränderung, nachdem ich Mutter wurde, war, nicht mehr jederzeit tun und lassen zu können, was mir gerade in den unsteten Sinn kam. Nun gut, es gab schon immer Einschränkungen, die es zu beachten galt; gesellschaftliche Normen und Regeln, denen auch ich mich unterwerfe. Während ich es aber völlig mit mir vereinbaren kann, beispielsweise nach 22.00 Uhr niemanden mehr anzurufen, werde ich kribbelig, wenn ich festgetackert auf dem Sofa sitze, weil der Mini gerade auf meinem Bauch eingeschlafen ist. Ich möchte aufspringen, wertvolle Gedanken schriftlich festhalten, ein Buch holen, das außer Reichweite liegt oder wenigstens ohne großen Eiertanz und der Hoffnung auf fünf ungestörte Minuten die Toilette aufsuchen.
Die Suche nach dem Patentrezept für ein dauerzufriedenes Kind zieht sich ins Endlose, und habe ich endlich einen Weg gefunden, den Sohn für den einen Abend zu beruhigen, so funktioniert diese Methode zwei Tage später plötzlich nicht mehr, und ich fühle mich wie Sysiphus und starre meinem hinunterkollerndem Stein hinterher. Also versuche ich es neu, und ich versuche es anders, und während ich es versuche kann ich kein Buch schreiben, nicht die Welt retten und nicht in Ruhe mit einer Freundin telefonieren.
Kinobesuche, Sauna, Schwimmbad, nachts durchschlafen und morgens ausschlafen, mit Freunden essen gehen, ungestört einen Blogeintrag verfassen – nichts geht mehr.
“Aber dafür hast du doch ihn”, erinnert mich die Außenwelt. “So ist das eben mit Kind, mit kleinem zudem. Das hast du doch gewollt.”
Ja, ja, ja, das wollte ich.
Und das will ich immer noch, nur um das mal klarzustellen.
Doch obwohl meine Liebe zu Liam wächst, und ich jeden Tag deutlicher spüre, wie unsere Bindung sich festigt, gibt es auch jeden Tag Momente, da möchte ich zur Haustür hinauslaufen und eine Weltreise beginnen. Oder wenigstens mal ein Wochenende kinderlos sein.
Nicht kinderfrei, das klappt nicht, dann würde ich nur den “Mütter-allein-im-Urlaub”-Song singen, das ist sicher.
In solchen Momenten trauere ich der Tatsache hinterher, dass ich keine Großfamilie um mich herum habe. Großeltern oder eine Schwester, die sich mal eine Stunde um den Mini kümmern, während man selbst sich in dieser Zeit dem katastrophalen Zustand der Wohnung annimmt. Oder sich Wolken anguckt oder was weiß ich.
Eben einfach aufspringen kann, ohne vorher den schlafenden Sohn auf ein weiches Kissen zu eiertanzen und ohne in ständiger Hab-Acht-Stellung sein zu müssen, da nie so ganz klar ist, wie viele Minuten mir vergönnt sein werden, bevor das weiche Kissen nicht mehr genehm ist.
Vielleicht sollte ich eine WG gründen?
Ich werde demnächst auf dem Sofa darüber nachdenken.

by henteaser
Direkt neben uns wird gebaut.
Ach, was sag ich, es wird gehämmert, geklopft und motorgesägt, zentnerschwere Backsteine und gigantische Metallrohre werden aus dem vierten Stock in einen riesigen Stahlcontainer geworfen, der direkt neben unserem Wohnzimmerfenster steht. Staubwolken hindern die ersten Sonnenstrahlen nach der Sintflut in der letzten Woche daran, ihren Weg in unsere Wohnung zu finden, und glückliche Bauarbeiter brüllen sich mit Megafon-Mäulern belanglosen Mist zu.
Gerade eben splittert Glas, und der Mini, der seit gefühlten drei Stunden versucht, sein Vormittagsnickerchen durchzuziehen, schreckt einmal mehr SEHR unleidlich aus den Kissen und schreit natürlich MICH an, weil ich ja immer an allem schuld bin.
WENN DIE DA DRAUSSEN JETZT NICHT SOFORT MIT DIESEM LÄRM AUFHÖREN, DANN BESTELLE ICH HÖCHSTPERSÖNLICH EINE ABRISSKUGEL, JAWOHL!
HAAAAARGH!
(Und wenn ich dann fertig bin wird Stille herrschen, schreckliche Stille.)

by Manik
Die Ampel wird grün und der Kehrwagenfahrer würgt mit einem kleinen Hopser den Motor ab. Er startet erneut, betätigt erst den linken, dann den rechten Blinker, und während letzterer fröhlich vor sich hin blinkert, ruckelt das kleine Fahrzeug geradeaus über die Straße.
“Möp”, macht es noch, als die Hupe ertönt.
Schön, dass der gute Mann keinen Lamborghini fährt.
Oder auch:
Lachend, lachend, lachend, lachend
kommt der Sommer Regen über das Land,
über das Land kommt er lachend,
HAHAHA, lachend über das Land.
(Aus der Reihe: *meckermeckermecker*)

by smcgee
“Könntest du bitte, bitte den Schnuller einfach mal zwischen den Kauleisten lassen?”, bettele ich.
“Grunz – *plupp* – ZeterundMordio”, erwidert der Sohn.
(Dafür hätt’s den Universitätsabschluss nicht gebraucht.)

by zanzibar
Götterfunken-freudetrunken verkünde ich heute:
Hinter uns liegt die erste Nacht, in der Liam ausschließlich gestillt hat!
*Hier kleine Tanz-Smileys hindenken, bitte*
(Ich würde ja jetzt noch schreiben “Nieder mit der elenden Abpumperei!” und “Sterilisator for free!”, aber ich will hier ja nix verschreien, deshalb denke ich das nur sehr leise.)

by Franco Folini
Meine Tochter findet Jungs im allgemeinen doof.
Alle sind wild und laut und ärgern ständig die Mädchen.
Und was tut mein kluges Kind, wenn es geärgert wird?
Sich ärgern. Natürlich.
(Noch ein bisschen klüger wäre “gleichgültig die Achseln zucken”, aber das wäre wohl noch etwas viel verlangt.)
In der U-Bahn neulich wurde ich jedoch Zeugin des weitverbreiteten Balzrituals, welches Jungen und Mädchen zwischen zwölf und sechzehn praktizieren: der Junge ärgert das Mädchen, und das Mädchen kichert geschmeichelt. In diesem Fall rasselte der gesamte Rucksackinhalt einer etwa Dreizehnjährigen auf den klebrigen Boden, und während die Jungs feixend danebenstanden und ab und an auf einen Stift traten, versuchten zwei gackernde Mädchen die Einzelteile wieder aufzuklauben.
Ich fand das derart entwürdigend, dass mir der Mund offenstand, musste allerdings gleichzeitig zugeben, dass ich selbst mich vor gefühlten hundert Jahren auch nicht entblödete, über zusammengeknotete Schnürsenkel zu lachen und fröhlich meiner Jacke hinterher sprang, die zehnmal durch den Schulbus flog, bevor ich sie endlich ziemlich verdreckt wieder an mich bringen konnte.
Nicht zu vergessen die Schmierereien in Schulbüchern, den festgebundenen Anorak am Bus-Sitz (der dazu führte, dass ich erst zwei Stationen später aussteigen konnte) oder den eisharten Schneeball, der meine Nase fast zum Bluten brachte. Noch Tage danach diskutierte ich mit meiner besten Freundin darüber, ob der dämliche Werfer wohl verliebt in mich sei.
Im Nachhinein gesehen solidarisiere ich mich mit meiner fünfjährigen Tochter und finde das alles ziemlich doof.
Ich verließ die U-Bahn und schwor mir, meine Tochter nicht zu einer hysterisch kreischenden Bauchfrei-Rumläuferin zu erziehen, die glücklich grinst, wenn ihr jemand eine aufgeschüttelte Cola überreicht.
Vielleicht wird sie ja statt dessen eine neue Ikone der Frauenbewegung?
So zumindest?
(Und ich würde es natürlich begrüßen, wenn sie mir mit vierzehn als ersten Freund keinen Dreiundzwanzigjährigen präsentieren würde, da sie all die pubertierenden Ärger-Knilche einfach übersprungen hat).
Es wäre aber auch schon schön, wenn sie nur dann kichern würde, wenn’s auch was zu kichern gibt.
(Ich will jetzt übrigens nix über “Kämpfe, die Kinder an Stelle ihrer Eltern ausfechten” hören.)

by Eph Zero
Auf Wunsch von Doktor Vogl.
“Da sitzt sie nun, die Sonne scheint,
doch was macht wohl der Sohn?
“Herr Ober, noch ‘nen Eiskaffee”,
ruft sie im Leidenston.
Die Tochter schlang die Ärmchen zart
um Mutters runden Bauch.
“Tschüs, Mama, ich hab’ Dich so lieb!”,
“Ach, Tochter, ich Dich auch!”
Und jetzt, jetzt sind sie so weit weg,
die Tochter und der Sohn.
“Ihr Kinder, ich vermiss’ euch so!”,
klagt sie im Leidenston.
Der Ober bringt den Eiskaffee
mit hochgezog’nen Brauen.
Ein Gast, der mit sich selber spricht,
dem muss er doch misstrauen.
Die Mutter, die bemerkt das nicht,
es wär’ ihr auch nicht wichtig.
Der Gatte, ohne sie zu Haus -
macht er auch alles richtig?
Missmutig schlürft sie Eiskaffee
und denkt an ihren Sohn
und an die Tochter – sie ruft aus:
“Ach weh!”, im Leidenston.
Versonnen schaut sie auf ihr Glas
und seufzt nach einer Pause.
Dann leert ihren Eiskaffee
und freut sich auf zu Hause.”

by teachastrid
Gerade eben habe ich mich von der Lieblingstochter verabschiedet, die sich heute mit der Kindergartentruppe auf eine dreitägige Reise begibt. Und trotz all der Kühe und Kälbchen und Hasen und Katzen und Pferde und dem Reiten und der Schweine und Hühner und dem Lagerfeuer und dem Schwimmen und dem Eisessen und der Schatzsuche und Karottenmuffins und dem Stockbrot und überhaupt ALLEM, was sie da erwarten wird, frage ich mich, ob eine solche Reise für Vier- bis Sechsjährige nicht doch etwas übertrieben ist.
Muss man so etwas tatsächlich bereits im Kindergarten anbieten?
Derlei Aktivitäten habe ich erstmalig im Schulalter erlebt und zwar nicht in den ersten zwei Klassen.
Eine Übernachtung im Kindergarten hätte es doch auch getan, oder?
Oderoderoder?
Ach Mutterherz, schweig stille.