Archiv für Juli, 2007

Busgeplauder

Juli 29, 2007

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by _MaO_

Das Töchterlein und ich sitzen einträchtig im Bus und lassen uns durch Manhattan schaukeln. Stille allerorten. Alle gucken aus dem Fenster, kein Smalltalk von irgendwo, Atmosphäre: friedlich-gelangweilt.

„Do we have a Callboy, Mama?“
Bitte, was?
Ich hoffe auf eine akustische Täuschung.
„We have a Callboy, oder, Mama?“

Interessiertes Gewisper brandet auf, Hälse werden gereckt.

Ich habe keine Ahnung, wovon gerade die Rede ist und flüstere beherrscht:
„Wir haben keinen Callboy, Nathalie!“
„Aber Callboy Jim mein’ ich“, röhrt das Kind munter weiter.

‚Callboy Jim’ wird per Flüsterpost bis in die hinterste Reihe getragen.

„Nathalie, frag’ mich das draußen noch mal“, insistiere ich vergeblich.
„Aber Mama“, quengelt Nathalie, „du kennst doch Callboy Jim! Der ruft ‚Yippey’!“
Jetzt klingelt’s bei mir.
“COWBOY Jim!”, rufe ich übertrieben laut. “You mean COWBOY Jim, of the song ‘COWBOY Jim of Texas’! Yes, of course, we were singing this song today in the morning.”
Dann wiederhole ich das Ganze freundlicherweise auf deutsch, damit mich auch meine Tochter versteht.

Wir schaukeln weiter. Stille kehrt wieder ein. Alle gucken aus dem Fenster, kein Smalltalk von irgendwo. Atmosphäre: friedlich-gelangweilt. Ab und an kichert einer.

Pre-School

Juli 25, 2007

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by barnabywasson

Will hier jemand wissen, wie viel ein Kindergartenplatz in New York kostet?
Will es jemand wissen?
Ja?
Egal, ich sag’s auch so.
Sonst zerreißt’s mich noch.

Man fängt klein an und zahlt zwischen 35,- und 75,- Dollar als Application Fee. Diese berechtigt die Eltern dazu, sich die Einrichtung anzuschauen und ihr Kind auf die Warteliste zu setzen.
Besteht beidseitiges Interesse, wird man darüber informiert, dass man etwa 500,- Dollar für eine „non-refundable registration fee“ blechen muss, sowie einen Monatsbeitrag als „non-refundable Security Deposit“.

Schluckt man bereits jetzt, so sollte man einfach gehen.
Einfach gehen und nicht fragen, wie hoch denn so ein Monatsbeitrag sei.
Denn schluckt man bereits jetzt, so wird einem Sekunden später kurzzeitig der Herzschlag aussetzen und man wird gramgebeugt nach Hause schleichen und sich fragen, wie sich ALLE anderen das leisten können.

Aber gut, keiner hat hier hörbar geschluckt, deshalb will ich’s mal verraten.
Man zahle bitte als „non-refundable Security Deposit“ den lächerlichen Betrag von etwa 1250,- Dollar.
Und freue man sich, dass man nur nach einem Halbtagsplatz gefragt hat, denn für einen Ganztagsplatz wäre man zwischen 1500,- und 1750,- Dollar dabei.

Jetzt schnell hochrechnen: 50,- Dollar Application Fee…mhmhm… plus 500,- Dollar „non-refundable registration fee“, ja… mhm… plus 1250,- Dollar „non-refundable Security Deposit“, okay… dann… plus zwölf mal Monatsbeitrag von abermals 1250,- Dollar… ja, kommt man auf… mhm… ja, doch: 16.800 Dollar Jahresbeitrag für einen Halbtagsplatz.

Ich meine, das ist ja fast geschenkt. Man bedenke, für einen Ganztagsplatz wäre man im ungünstigsten Fall mit über 23.000 Dollar dabei gewesen.

Jetzt überlegt man, ob das Kind nicht auch glücklich im Park sein kann. Wiese und so, alles da. Ja, sicher, das Gruppengefüge, die Auseinandersetzung mit anderen Kindern und all das. Aber hat es das nicht auch auf einem überfüllten Spielplatz? Nein?
Nein, wohl nicht.

Es folgt ein halber Tag des Auseinanderrechnens, wo man im Jahresbudget mal eben etwa 17.000 Dollar einsparen könnte. Eine Wohnung mit einem Zimmer weniger anmieten? Ein Jahr lang nichts mehr essen?

Mal sehen.
Vielleicht zieht’s uns ja doch in die Heimat zurück, und der Gatte fliegt für das eingesparte Geld ununterbrochen zwischen New York und München hin und her.

(schleicht gramgebeugt von dannen und fragt sich: “Wie können sich ALLE anderen das leisten…?)

Hausfrauliches

Juli 21, 2007

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by fluffballs

Eine amerikanische Waschmaschine sieht aus wie eine Waschmaschine. In der Regel ist sie weiß, verfügt über mehrere Knöpfe oder Schalter und einen Wasseranschluss. Man kann sogar Wäsche hineintun.
Sie wäscht halt nicht.
Nachdem ich mich mehrmals gefragt habe, wieso die Wäsche zwar nass, jedoch irgendwie nicht sauber wirkte, habe ich mir tatsächlich einmal die Mühe gemacht und einen Waschgang beobachtet.
In exakt 31 Minuten bei höchster Stufe gelingt es der Maschine Wasser einlaufen zu lassen, um es nach 30 Minuten während eines kurzen Schleudergangs wieder ablaufen zu lassen. Dazwischen wird etwa dreimal gequirlt.
Man vergleiche dieses faule Gerät nun bitte mit der typischen deutschen Waschmaschine, die über 70 Minuten lang auf Hochtouren arbeitet, schleudert, schwitzt und ackert. Sie präsentiert am Ende duftige, warme und saubere Wäsche.
Die amerikanische Maschine spuckt nach einer halben Stunde unter kleinen Rülpsern einen Wäscheberg aus, der mitunter sogar noch Reste des flüssigen Waschmittels aufweist.
Nur das mit den Rülpsern stimmt nicht.
Und das in dieser technikverliebten Stadt, in der zudem jeder allergrößten Wert auf fleckenfreie, faltenlose und geruchsneutrale Kleidung legt.
Wie machen das die New Yorker? Kaufen statt waschen?
Mittlerweile rubbele ich jeden dämlichen Fleck sofort mit der Hand raus und überlege ernsthaft, mir demnächst ein Waschbrett zuzulegen.

Das kann ich dann gleich der Putzfrau in die Hand drücken, die ich mir ebenfalls irgendwann zulegen werde. Die Nannys hab’ ich ja schon mal erwähnt. Ihre Präsenz in der Stadt wird nur noch durch die der Reinigungskräfte getoppt. Es haben nämlich eindeutig mehr Leute nur Wohnungen, statt Wohnungen mit Kindern drin, und auch die Wohnungen brauchen Fachpersonal. Ich habe hier eine Frau kennen gelernt, die sogar über drei (DREI) Putzkräfte verfügt: eine für das Allgemeine, eine speziell für die Böden und eine, falls eine der beiden anderen ausfallen sollte. Da ich bisher zu denen gehörte, die noch einmal schnell fegen, bevor Gäste anmarschieren, kann man sich vorstellen, wie mich das in Verlegenheit bringt. Zum Glück fällt der Zustand unserer Wohnung nicht direkt auf mich zurück, da jeder davon ausgeht, dass es im Hintergrund eine Putzfrau gibt. Ich hab’ halt eine minder gewissenhafte.

Wenn meine nicht existente Putzfrau gewissenhafter wäre, dann hätten wir sicher auch nicht so viele Ameisen in der Wohnung. Ich vermute ihren Hauptwohnsitz unter den Leisten vor der Brickwall im Wohnzimmer, sie picknicken aber sehr gerne unter unserem Esszimmertisch. Immer, wenn ich etwa 200 Ameisen sehe, die dort geschäftig die heruntergefallenen Croissantkrümel der Lieblingstochter hin und her tragen, nehme ich mir vor, nach jeder Mahlzeit sofort zu kehren. Ich vergesse das aber in schöner Regelmäßigkeit nach einigen Tagen wieder, zur großen Freude der Ameisen.

Wenn jemand mal ernsthaftes Interesse daran haben sollte, dicke Ameisen zu sehen, kann er uns gerne mal besuchen kommen.
Kost und Logis gratis.
Mit dem Feudel sollte man aber umgehen können.

Eggplants? Eggplants!

Juli 18, 2007

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by Rev. Santino

Ich liebe New Yorker Restaurants.
In beinahe allen - und ich schreibe nur deshalb „in beinahe allen“, weil ich noch nicht jedes einzelne besucht habe, leider - wird man mehr als freundlich empfangen, der Kellner ist wenige Sekunden nach Deiner Ankunft Dein bester Freund, und es stört mich überhaupt nicht, dass er bestenfalls ein großzügiges Trinkgeld von mir in Erinnerung behält. Ständig schenkt mir jemand Eiswasser nach, das manchmal sogar kaum nach Chlor schmeckt, und jeder vorbeikommende Waiter versucht sich an einem Plausch mit meinem Kind. Nathalie ist diesbezüglich schon ein alter Hase und beantwortet Fragen wie „What’s your name?“ routiniert mit „Nathalie. I am hungry.“ Dann lachen wir alle, der Kellner eilt die Karte zu holen, und mitunter ruft meine Tochter ihm noch ihr beliebtes „I’m three years old!“ hinterher. Ich bin ja froh, dass sie nicht „Hurry up!“ schreit.

Direkt nach dem Eintreten wird uns oftmals bereits ein Hochstuhl hinterher getragen, und ich habe bereits häufiger mit dem Gedanken gespielt, Nathalie hineinzusetzen, bevor wir den uns zugewiesenen Tisch erreicht haben – nur, um mal zu überprüfen, ob meine 15-20 Prozent Tip auch WIRKLICH gerechtfertigt sind.
Neulich allerdings war eine Kellnerin scheinbar etwas überfordert und übersah, dass mein Kind ständig mit dem Kinn gegen die Tischplatte knallte (und ihren Frust darüber mit Tritten gegen mein Schienbein kompensierte).
„Entschuldigen Sie“, sagte ich, „hätten Sie wohl einen Hochstuhl?“
Die Kellnerin sah mich an und antwortete zögerlich: „Wir haben EINEN Hochstuhl.“ Blieb stehen und rührte sich nicht.
„Äh, ja“, hakte ich nach, „also, sie haben einen Hochstuhl?“
„Ja“, kam es zurück, „einen.“
Wieder einige Sekunden Pause, in der wir beide das Gesagte verarbeiteten.
„Ja, nun“, versuchte ich mein Glück erneut, „könnten wir den wohl haben?“
Nach einem skeptischen Blick verschwand die Frau und kam wenige Sekunden später mit einem formschönen Hochstuhl zurück. Während wir diesen zwischen unseren Tisch und den der Nachbarn quetschten, lauschte ich besorgt ins Innere des Lokals: doch nein, kein Kindergebrüll, keine aufgebrachten Eltern waren zu hören. Meine Befürchtung, dass die Betonung auf nur EINEN Hochstuhl damit zusammenhängen könnte, dass selbiger bereits besetzt gewesen war, schien sich glücklicherweise nicht zu bestätigen.

Vielleicht hat die Gute mich einfach nur nicht verstanden. Mitunter passiert mir so etwas. Ich sage etwas wie „Excuse me, do you have eggplants?“, und mein Gegenüber sieht mich an, als hätte ich nicht nach Auberginen verlangt, sondern mein Begehr mit einer quer im Mund ausgesprochen. „Eggplants?“, insistiere ich dann, „Do you have eggplants?“
Wenn ich das dann vier-, fünfmal wiederhole, lösen sich plötzlich die Gesichtszüge, und der Angesprochene ruft „Eggplants! Of course!“
Wenn ich nach „Squirrels“ verlangt hätte, ja gut, aber was bitte kann man an „Eggplant“ falsch aussprechen?

Obwohl – in diesem Zusammenhang fällt mir ein Erlebnis im „American Museum of Natural History“ ein. Nathalie und ich stehen vor einem Biber. „Schau“, belehre ich mein Kind, „ein Biber. Auf englisch heißt der beaver.“
Bei mir klang das zugegebenermaßen wie „Biva“. Sekunden später ruft’s ein New Yorker: „Look, a beaver!“ Nur, dass er es in etwa wie „bevr“ aussprach.
Und wenn ich mir jetzt vorstelle, ein Amerikaner verlangt in einem deutschen Supermarkt nach „Liba“ – na gut, dann muss man nicht wirklich drauf kommen, dass er Leber will.

Die Gabelflüsterin

Juli 15, 2007

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by Szczur

Ich bin der Bauch meiner Tochter.
Außerdem bin ich grob geschätzt zwölf Stofftiere, zwei Puppen, diverse Hartplastik-Figuren und die Emily Erdbeer auf Nathalies Frühstücksteller. Ich bin das Sprachrohr unzähliger Charaktere aus ihren Kinderbüchern, ich bin die Spinne an der Wand, und ich bin der kleine Tiger auf ihrem Latz.
Die Liste lässt sich beliebig weiterführen.

Meine Tochter liebt es, sich mit unbelebten oder zumindest verbal nicht unbedingt versierten Gegenständen, Tieren oder Abbildungen zu unterhalten, und mein Mann und ich sind diejenigen, die dafür mit Kopf und Stimmbändern herhalten müssen.

„Mama, sprichst du mal für sie“, kommt derzeit direkt nach „Nein!“ und wird notfalls mit vielen „Nur einmal!“ und „Oh, bitte, Mama“ unterlegt, wenn ich mich einmal nicht in der Lage fühle, mich in das Innenleben des unsichtbaren Riesen im Central Park hineinzuversetzen. Direkt nach einem resignierten „Na gut“ meinerseits bin ich dann für meine Tochter als Person ausgeblendet, und sie unterhält sich bestens mit einer imaginären Fantasiegestalt, die ich mir nicht ansatzweise vorzustellen vermag.

Mittlerweile sind wir darauf derart geeicht, dass mein Mann gestern Abend keine Sekunde zögerte, als meine Tochter „Du, Gabel“, sagte und ihren Papa dabei aufmunternd ansah. „Ja“, quiekte mein Mann mit hoher Stimme und sah mich dann entgeistert an. Zu spät. Der Erstkontakt war geknüpft, und Nathalie bestand darauf, die Unterhaltung fortzuführen.

Ich fange an, mich etwas schizophren zu fühlen, wenn ich mehrere Rollen gleichzeitig ausfüllen soll. So unterhielt sich Nathalie vor einigen Tagen bereits mit dem Zebra auf ihrer Tischunterlage (also mit mir), als sie auch noch ihre Puppe Lisbeth ganz gerne in das Gespräch eingebunden hätte. „Auf keinen Fall“, sagte ich, „ich rede jetzt nur für das Zebra.“
Nathalie wendete den Blick von mir ab und dem Zebra zu: „Zebra“, sagte sie, „Zebra, sprichst du mal für die Lisbeth?“

Mitunter bin ich dann sehr froh, dass hier keiner versteht, was ich in meiner Eigenschaft als Johnny-Bär, als Baum oder als Fahrstuhl so von mir gebe. So sieht’s vielleicht ein bisschen seltsam aus, wenn Nathalie den Blick starr auf die Schnecke am Boden gerichtet hält, während wir uns scheinbar unterhalten. Wir tun das natürlich nicht, sondern Nathalie redet ausschließlich mit der Schnecke. Aber wenigstens kann keiner mit anhören, dass ich mich gerade über mein schweres Häuschen beklage.

Assimilation

Juli 11, 2007

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by larryleenyc

Jetzt ist es soweit.
Ich weiß nicht, wann ich die Grenze überschritten habe, doch gestern Abend im Restaurant ist es passiert.
Die sehr, sehr nette Kellnerin fragte mich, wie mir das sehr, sehr gute Essen gemundet hätte.

Und ich wende mich ihr zu und sage folgendes:

„Thank you, it was SO GREAT, really, I have enjoyed EVERY single bite!“

Dabei strahle ich sie an wie ein Honigkuchenpferd, ein irres.

Wo ist mein mir angeborenes europäisches Understatement hin, wo meine Zurückhaltung?
Wenn ich das bis zu meiner Rückkehr nach München nicht in den Griff bekomme, wird man dort beim nächsten Restaurantbesuch aber nicht schlecht gucken.

Independence Day

Juli 8, 2007

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by AxsDeny

Letzten Mittwoch mussten wir unbedingt ganz stilvoll den amerikanischen Unabhängigkeitstag begehen und schoben uns daher mit tausenden Gleichgesinnten in Richtung East River, um das Feuerwerk auf der gegenüberliegenden Flussseite zu sehen.
War schon schön. Also, was man so gesehen hat. Viel war’s nicht. Nachdem in den letzten Wochen quasi ununterbrochen die Sonne schien, war es den ganzen Mittwoch über unheilvoll bedeckt. Drei Minuten vor dem anvisierten Spektakel begann es zu schütten wie aus Eimern. Die New Yorker sind diesbezüglich jedoch ziemlich unerschütterlich. Man formierte sich einfach mittels unzähliger Regenschirme zum geschlossenen Schildkrötenangriff und harrte fröhlich weiter der Dinge, die da noch kommen sollten.

Die dann allerdings erst einmal nicht kamen. Keine Ahnung, ob es am Regen lag, oder ob man den Wolken Zeit geben wollte, sich exakt zwischen die Menge und das Feuerwerk zu schieben. Letzteres verhinderte dann leider doch etwas den vollen Genuss. Es ist ganz erstaunlich, wie undurchdringlich eine Wolke sein kann. Wenn sie sich nicht hin und wieder etwas aufgelockert hätte und man in diesen Sekunden einen Blick auf das wahre, das eigentliche, das orgiastische Feuerwerk hätte erhaschen können, wäre ich der Meinung, mit einer Wunderkerze in jeder Hand wäre man nur geringfügig schlechter bedient gewesen.

Das Mini-Mädchen fand’s entsprechend nicht so toll. Auf das dazugehörige Geboller hatte sie ohnehin keine Lust, und der Blick auf die Wolke mit ab und an herausblitzenden Sternenregen versöhnte sie nicht wirklich.
Obendrein steckten wir dann auf dem Heimweg zwei Stunden zwischen all den anderen fest, die sich auch auf dem Heimweg befanden. Wie gesagt, der New Yorker nimmt’s locker, aber fragt mal mein Kind. Das hing griesgrämig in meinem Arm und erwiderte jedes offenkundige Lächeln mit brüskem Kopfwegdrehen.
Und gelächelt wurde viel. Wolken hin, Regen her, selbst wenn der New Yorker eingekeilt in der Menge zwanzig Minuten auf den nächsten Schritt warten muss: hey, er ist New Yorker! Insofern kann nichts, aber auch gar nichts ihn dazu bringen, auch nur minutenlang etwas vergrätzt zu sein.

Im Bus schlief Nathalie dann, während ich mich von der Dame rechts neben mir berieseln lassen musste. Sie drückte mir ihre Visitenkarte in die Hand, beschrieb sich selbst als Nanny und erklärte unter anderem trotz deutlichem Widerspruch meinerseits, dass der Kindergarten in Deutschland “Pre-Cake” (oder so ähnlich) heiße, mein Kind viel zu warm angezogen sei und ein Sonnenbrand gesund wäre. Nun, ich denke, wir werden sie nicht engagieren.

Freunde erzählten uns am nächsten Tag dann begeistert vom Feuerwerk, von den Farben, den Effekten, dem Glanz!
Sie hatten es im Fernsehen gesehen. Was jetzt die Frage aufwirft: wurde das Feuerwerk des letzten Jahres noch einmal verwurstet? Oder hätte man zweihundert Meter weiter bereits ganz bequem an der Wolke vorbeisehen können?
Werden wir jetzt nicht mehr erfahren. Wäre aber auch egal.
Hey, wir waren dabei, jawohl.
(Wenn die Einstellung der New Yorker mal nicht ansteckend ist)

Shopping

Juli 5, 2007

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by advencap

Vor einigen Tagen wollte ich für den Gatten ein kleines Präsent erwerben. Ein neues Portemonnaie schwebte mir vor, und da ich die kleinen, aber feinen Läden diesbezüglich in der New Yorker Innenstadt noch nicht kenne, beschloss ich, einen Versuch bei Macy’s zu wagen.

Macy’s ist groß, richtig groß. Auf 198.500 Quadratmetern kann man seiner Kauflust frönen, sich selbiger geradezu hemmungslos hingeben. Es dauerte entsprechend ziemlich lange, bis ich, mit Tochter im Buggy vorneweg, in dem Gewirr von Gängen, Rolltreppen, Fahrstühlen und Nebeneingängen eine winzige Nische mit Geldbörsen fand. Im Vergleich zum mich umgebenden Riesenbau schien mir das Angebot lächerlich klein, und so wandte ich mich an einen vorbeischlendernden Angestellten: „Verzeihung, haben sie anderswo noch mehr Brieftaschen?“
Unglücklicherweise verwendete ich in meiner Frage den Begriff „purse“, was den Verkäufer dazu verleitete, mich ob weiterer „purses“ auf das oberste Stockwerk zu verweisen. Ich kämpfte mich durch kilometerlange Gänge, bis ich endlich die Fahrstühle fand und wartete gefühlte drei Stunden, wobei ich mehrere brechend volle Kabinen ungenutzt an mir vorbeiziehen lassen musste. Endlich oben angekommen, fand ich mich in der Kofferabteilung wieder und ahnte erst noch nichts Arges. Als ich jedoch nach mehreren Rundgängen nicht fündig geworden war, sprach ich einen weiteren Verkäufer auf Brieftaschen an. Der führte mich zu Damenhandtaschen.
„No, I am searching for a purse for men…“, setzte ich an. Der Verkäufer warf mir einen Blick zu, grinste blöde und erklärte belustigt, so etwas führten sie nicht. Anschließend begann er einen munteren Plausch mit einem Kollegen, in dem er sich über Herrenhandtaschen tragende Europäer amüsierte.

Ich war, gelinde gesagt, SEHR irritiert und machte mich auf die Reise nach unten. Dort angekommen griff ich mir als erstes Verkäufer Nummer Eins (NICHT im übertragenen Sinne). Wie er darauf käme, mich nach oben zu schicken, wollte ich wissen. Nun, er sei sich nicht sicher gewesen, ob es mir tatsächlich ausschließlich um Brieftaschen gegangen sei.

Natürlich. Ich stehe in der winzigen Abteilung für Brieftaschen, zeige auf Brieftaschen und frage nach mehr Brieftaschen.
Da kann ein solches Missverständnis schon einmal aufkommen.
Jedenfalls, wenn man sich mit einem Mitarbeiter von Macy’s unterhält.

Immerhin erklärte er sich bereit, mir weitere Geldbörsen in einer von mir noch nicht gesichteten Vitrine zu zeigen, und ich nahm das Sortiment in Augenschein. Dunkelbraun reihte sich an schwarz, schwarz an dunkelbraun, und ganz hinten entdeckte ich ein schwarzes Exemplar, das sich bei näherer Betrachtung als vorwitziges dunkelblau entpuppte.
„Haben Sie keine anderen Farben?“, fragte ich.
Der Verkäufer schaute mich verwirrt an: „Was denn für andere Farben?“
„Na, grün zum Beispiel.“ Ich mag grün.
„Nun, vielleicht kaufen sie in Europa GRÜNE Brieftaschen“, antwortete der Verkäufer, und seine Stimme hatte einen etwas verächtlichen Klang angenommen. „Hier würde man eine SOLCHE Farbe niemals verkaufen können.“
Angewidert starrten wir uns an.
„Wie langweilig.“, entgegnete ich.
Zwei Feinde waren geboren.

Auf dem Weg nach draußen machte ich mich noch unbeliebter, da ich die angebotenen kostenlosen Parfumeinnebelungen konsequent verweigerte und krönte meinen Besuch bei Macy’s durch eine kurze, aber heftige Diskussion mit einem Türsteher, der nicht einsehen wollte, warum ich mit meiner Tochter im Kinderwagen durch die normale Tür hinauswollte, während ich wiederum nicht gewillt war, für die Nutzung der Drehtüren das Kind aus dem Buggy zu nehmen, um selbigen zusammenfalten zu können. Der beleidigte Bedienstete ließ mich zur Strafe überhaupt nicht der-Kunde-ist-König-like allein mit dem schweren Türmechanismus kämpfen. Freundliche Kunden übernahmen dann seinen Job. Und weil ich denen beim Hinausgehen dann zulächelte, übersah ich einen New Yorker von links, der sich nun wiederum wegen dieser groben Fahrlässigkeit zu einem winzigen Schlenker gezwungen sah.
Noch bevor ich zu einer Entschuldigung ansetzen konnte, blickte er mich finster an: „Asshole.“

Wie bitte? Ich meine, WIE BITTE? So was musste ich mir das letzte Mal ungefähr in der zweiten Klasse meiner Grundschuljahre anhören, und der unhöfliche Passant war eindeutig zu alt, um noch zu diesem Kreis gezählt zu werden.
You make my day? Definitiv nicht. Vielen Dank.

Das Motto des Kaufhauses lautet übrigens:
„If you haven’t seen Macy’s you haven’t seen New York!“
Ich plädiere für den Zusatz: „… außerdem werden sie nicht von oben herab behandelt, sinnlos durch die Wüste geschickt und beim Verlassen des Gebäudes nicht angepöbelt.“
Denken Sie noch einmal drüber nach.

No go

Juli 4, 2007

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by Valerie Reneé

„Oh nein!“, ruft die Oberaufpasserin im Kindermuseum heute.
„Oh nein, sie müssen dem Kind wieder Schuhe anziehen! Barfusslaufen ist hier nicht erlaubt!“
„Wieso?“, frage ich.
„Sie könnte irgendwo drauftreten.“
Wir werfen beide einen Blick auf den quasi geleckt sauberen Betonboden des Außenbereichs, wo die Kinder sich fröhlich mit diversem Wasserspielzeug vergnügen.
„Nun“, sage ich, „sie tritt ununterbrochen irgendwo drauf. Sie ist ja kein Vogel.“
Hargn, nein, ich muss bei der Wahrheit bleiben. Das HÄTTE ich gerne gesagt, es ist mir aber leider erst Stunden später eingefallen. Wie’s halt so ist.

Bitte, was?

Juli 1, 2007

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by Broken Piggy Bank

Wie bringe ich einen New Yorker dazu, die Augenbrauen hochzuziehen?

„Thank you, I don’t need a bag.“
Wie, keine Tüte? Wieso denn keine Tüte? Schließlich stehen auf dem Laufband drei Joghurts, eine Tüte Milch und eine Gallone Wasser. Und da möchte man doch ganz gerne als Kassiererin dem antrainierten Impuls nachgeben und gleich fünf Tüten zur Verfügung stellen. Eine für die Joghurtbecher. Die brauchen eine Tüte für sich, sonst werden sie zerdrückt. Und jeweils zwei für Milch und Wasser. Schließlich sind die schwer. Ungläubigen Blickes wird man dabei beäugt, wie man die Sachen in einer mitgebrachten Stofftasche verstaut, und mitunter kann man, bevor der Ausgang erreicht ist, aus den Augenwinkeln sehen, wie die Kassiererin den Kopf zu einer Kollegin hinüberneigt. Wenn man dann auch noch im Lippenlesen bewandert ist, wird man vermutlich das englische Äquivalent zu „total durchgeknallt“ zu sehen bekommen.

„Do you have cornflakes without sugar?“
Man hat sich durch zehn Regalmeter Cornflakes gewühlt und ist nicht fündig geworden. Bevor eine Antwort kommt, sagt der Blick der Verkäuferin folgendes:
Hä? Cornflakes OHNE Zucker? Also… also, das ist ja… WIDERLICH! Cornflakes ohne Zucker! Wer will denn so was essen? Setzt sie das etwa dem armen Kind vor? Armes Kind! Armes, armes Kind. Cornflakes ohne Zucker… buah! (schauder)
Antwort:: „Of COURSE not.“

„I think I don’t need this medication.“
Sprich diese Worte gegenüber einem New Yorker Arzt aus und dir vermag auch kaum noch der Bonus der irren Europäerin helfen. Er hat dich schließlich nicht gefragt, ob du dieses Medikament nehmen willst, er hat dir gesagt, dass du dieses Medikament nehmen sollst. Und ob du keinen Wert darauf legst, eine Grippe von etwa sieben Tagen auf etwa fünf Tage zu verkürzen, steht überhaupt nicht zur Debatte.
Und wenn dein Arzt dir sagt, du sollst das Antibiotikum nehmen, obwohl er eben noch kundtat, dass keine Bakterien feststellbar seien, dann hat das auch seinen Grund. Irgendwie. Nimm es halt prophylaktisch. Aber widersprich niemals dem Arzt.
Der nächste, bitte.

„It’s nice.“
Möchte man damit ausdrücken: „Das ist ja ganz nett, aber weiß Gott nicht der Rede wert“, dann ist dieser Satz vollkommen angebracht. Möchte man jedoch andeuten, dass man etwas schön findet, dann steht man gerade im Fettnapf. Zumal wenn man dabei nicht lächelt wie verrückt und Kiekstöne von sich gibt. „It’s nice“ ist mein Hund, wie ein guter Bekannter von mir sagen würde. Hier heißt es „This is great!“ Und zwar mindestens.
Besser noch: „WOW! This is GREAT!“
Noch besser: „WOW, this is SO GREAT! I LOVE it!“

„Thank you, we are all insane.“
Wenn man das auf die hier übliche Floskel „How are you?“ antwortet, dann hat man jede einzelne in die Höhe schnellende Augenbraue absolut verdient und sollte sich zu Recht fragen, warum man gerade einen derartigen Blödsinn von sich gegeben hat.
(Wie mir das passieren konnte, weiß ich bis heute nicht.)