
by advencap
Vor einigen Tagen wollte ich für den Gatten ein kleines Präsent erwerben. Ein neues Portemonnaie schwebte mir vor, und da ich die kleinen, aber feinen Läden diesbezüglich in der New Yorker Innenstadt noch nicht kenne, beschloss ich, einen Versuch bei Macy’s zu wagen.
Macy’s ist groß, richtig groß. Auf 198.500 Quadratmetern kann man seiner Kauflust frönen, sich selbiger geradezu hemmungslos hingeben. Es dauerte entsprechend ziemlich lange, bis ich, mit Tochter im Buggy vorneweg, in dem Gewirr von Gängen, Rolltreppen, Fahrstühlen und Nebeneingängen eine winzige Nische mit Geldbörsen fand. Im Vergleich zum mich umgebenden Riesenbau schien mir das Angebot lächerlich klein, und so wandte ich mich an einen vorbeischlendernden Angestellten: „Verzeihung, haben sie anderswo noch mehr Brieftaschen?“
Unglücklicherweise verwendete ich in meiner Frage den Begriff „purse“, was den Verkäufer dazu verleitete, mich ob weiterer „purses“ auf das oberste Stockwerk zu verweisen. Ich kämpfte mich durch kilometerlange Gänge, bis ich endlich die Fahrstühle fand und wartete gefühlte drei Stunden, wobei ich mehrere brechend volle Kabinen ungenutzt an mir vorbeiziehen lassen musste. Endlich oben angekommen, fand ich mich in der Kofferabteilung wieder und ahnte erst noch nichts Arges. Als ich jedoch nach mehreren Rundgängen nicht fündig geworden war, sprach ich einen weiteren Verkäufer auf Brieftaschen an. Der führte mich zu Damenhandtaschen.
„No, I am searching for a purse for men…“, setzte ich an. Der Verkäufer warf mir einen Blick zu, grinste blöde und erklärte belustigt, so etwas führten sie nicht. Anschließend begann er einen munteren Plausch mit einem Kollegen, in dem er sich über Herrenhandtaschen tragende Europäer amüsierte.
Ich war, gelinde gesagt, SEHR irritiert und machte mich auf die Reise nach unten. Dort angekommen griff ich mir als erstes Verkäufer Nummer Eins (NICHT im übertragenen Sinne). Wie er darauf käme, mich nach oben zu schicken, wollte ich wissen. Nun, er sei sich nicht sicher gewesen, ob es mir tatsächlich ausschließlich um Brieftaschen gegangen sei.
Natürlich. Ich stehe in der winzigen Abteilung für Brieftaschen, zeige auf Brieftaschen und frage nach mehr Brieftaschen.
Da kann ein solches Missverständnis schon einmal aufkommen.
Jedenfalls, wenn man sich mit einem Mitarbeiter von Macy’s unterhält.
Immerhin erklärte er sich bereit, mir weitere Geldbörsen in einer von mir noch nicht gesichteten Vitrine zu zeigen, und ich nahm das Sortiment in Augenschein. Dunkelbraun reihte sich an schwarz, schwarz an dunkelbraun, und ganz hinten entdeckte ich ein schwarzes Exemplar, das sich bei näherer Betrachtung als vorwitziges dunkelblau entpuppte.
„Haben Sie keine anderen Farben?“, fragte ich.
Der Verkäufer schaute mich verwirrt an: „Was denn für andere Farben?“
„Na, grün zum Beispiel.“ Ich mag grün.
„Nun, vielleicht kaufen sie in Europa GRÜNE Brieftaschen“, antwortete der Verkäufer, und seine Stimme hatte einen etwas verächtlichen Klang angenommen. „Hier würde man eine SOLCHE Farbe niemals verkaufen können.“
Angewidert starrten wir uns an.
„Wie langweilig.“, entgegnete ich.
Zwei Feinde waren geboren.
Auf dem Weg nach draußen machte ich mich noch unbeliebter, da ich die angebotenen kostenlosen Parfumeinnebelungen konsequent verweigerte und krönte meinen Besuch bei Macy’s durch eine kurze, aber heftige Diskussion mit einem Türsteher, der nicht einsehen wollte, warum ich mit meiner Tochter im Kinderwagen durch die normale Tür hinauswollte, während ich wiederum nicht gewillt war, für die Nutzung der Drehtüren das Kind aus dem Buggy zu nehmen, um selbigen zusammenfalten zu können. Der beleidigte Bedienstete ließ mich zur Strafe überhaupt nicht der-Kunde-ist-König-like allein mit dem schweren Türmechanismus kämpfen. Freundliche Kunden übernahmen dann seinen Job. Und weil ich denen beim Hinausgehen dann zulächelte, übersah ich einen New Yorker von links, der sich nun wiederum wegen dieser groben Fahrlässigkeit zu einem winzigen Schlenker gezwungen sah.
Noch bevor ich zu einer Entschuldigung ansetzen konnte, blickte er mich finster an: „Asshole.“
Wie bitte? Ich meine, WIE BITTE? So was musste ich mir das letzte Mal ungefähr in der zweiten Klasse meiner Grundschuljahre anhören, und der unhöfliche Passant war eindeutig zu alt, um noch zu diesem Kreis gezählt zu werden.
You make my day? Definitiv nicht. Vielen Dank.
Das Motto des Kaufhauses lautet übrigens:
„If you haven’t seen Macy’s you haven’t seen New York!“
Ich plädiere für den Zusatz: „… außerdem werden sie nicht von oben herab behandelt, sinnlos durch die Wüste geschickt und beim Verlassen des Gebäudes nicht angepöbelt.“
Denken Sie noch einmal drüber nach.