Archiv für August, 2007

Randnotiz

August 30, 2007

Ein Umzug steht an.
Und damit verbunden ist das völlige Losgelöstsein von allen neumodischen Anschlüssen, wie Telefon oder Internet, bis aller Voraussicht nach zum 8. September.

Aber wer braucht das schon?

Es grüßt in die Runde und ist quasi schon weg,
Kira

(geht sich eine Hutkrempe zum Reinbeißen suchen)

You are my sunshine

August 28, 2007

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by Kira

Gestern blieb mein Mini-Mädchen vor einem älteren Mann mit Gitarre stehen, um zu seiner Musik zu tanzen. Stand also da, mitten auf dem breiten Broadway-Gehsteig, im pinkfarbenen Pullover mit dem blauen Herz auf der Brust und tanzte gedankenverloren vor sich hin.
Dabei brachte sie ungefähr 44 vorbeilaufende New Yorker zum Lächeln und den grauhaarigen Herrn sogar zum lauten Lachen, in dem Moment nämlich, als sie zum Abschied seinen hingepusteten Luftkuss erwiderte.

„You made my day!“, rief er hinter uns her, was Nathalie abermals zum Winken veranlasste.

Und jetzt, Achtung, wird’s pathetisch.
Aber tatsächlich schien der Tag nach dieser Episode ein klein wenig heller zu sein.

Ein Stöckchen

August 27, 2007

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by zenera

Nachdem ich das Stöckchen von Frau Antonmann aufgehoben habe, habe ich soeben in meinen Kindheitserinnerungen gewühlt und folgende Augenblicke herausgekramt (nach anfänglichen Startschwierigkeiten konnte ich mich nur mühsam bremsen):

Ich war als Kind überzeugt davon, dass mit Spucke aufgeklebte Rosenblätter eine heilende Wirkung besitzen. Da wir jede Menge Rosensträucher im Garten hatten, sah ich des öfteren gerade an den Schienbeinen und Ellenbogen sehr buntgetupft aus.

Meine Mutter war der Meinung, die dunkelbraune Breitcordhose sei NICHT zu groß. War sie aber doch, und ich konnte, wann immer ich sie tragen musste, in den Schulpausen nicht mit den anderen Fangen spielen, da ich beim Laufen trotz Gürtel ständig meine Hose festhalten musste.

Im Kindergarten fand ich draußen einen kleinen, glatten, grauen Stein, der so flach war, dass es mir zu meiner grenzenlosen Faszination gelang, ihn mitten hindurch zu brechen. Einen Stein! Zu zerbrechen!
Leider wollte mir das keiner glauben, obwohl ich die Beweisstücke mehreren Freunden unter die Nase hielt. Einen Stein kann man nicht zerbrechen und damit basta.

Wir Kinder beobachteten eine riesige, gelbgetönte Spinne, die irgendwie schwerfällig mitten auf der Straße dahinkroch. Bei jedem neu heranfahrenden Auto sprangen wir zur Seite und warteten gespannt darauf, ob wohl irgend eines über das Tier fahren würde. Wir alle fanden sie sehr eklig.
Als ein Auto darüber fuhr, mussten einige von uns aber weinen.

Als in unser Dorf eine vietnamesische Familie einzog, war das für alle Einwohner eine mittlere Sensation. Jedes Kind bekam eingetrichtert, besonders nett zu dem Jungen Lin und seinen Schwestern zu sein – sie hätten es sehr schwer gehabt. Dies hatte zur Folge, dass Lin in den ersten Wochen ständig von einem Pulk Kinder umgeben war, die ihn vermutlich sogar nach Hause getragen hätten, hätte er darum gebeten.
Tat er aber nicht.
So begnügten wir uns, ihn Tag für Tag von der Schule nach Hause zu begleiten, da wir überzeugt waren, er würde sich auf seinem Weg um drei Ecken irgendwo verirren.

Beim Spielen im Feld stand mir und meiner Freundin plötzlich ein Mann in einigen Metern Entfernung gegenüber. Ob wir uns gegenseitig ansteckten bleibt ungewiss, Tatsache ist, dass wir beide völlig hysterisch wurden und schreiend und weinend zum Haus zurück rannten.
Meine Mutter hielt ihn für harmlos, wir aber waren ganz sicher, ein Messer in seiner Hand gesehen zu haben und trauten uns den restlichen Tag nicht mehr aus dem Garten hinaus.

Meine Cousine und ich beschlossen, den alten Schornstein zu erklettern, der auf dem riesigen Grundstück hinter ihrem Haus baufällig vor sich hin moderte. Es gelang uns, unter Umgehung der spröden Eisenkrampen bis nach oben zu kommen, wo wir uns umständlich umdrehten und es uns auf der ziegelbreiten Einfassung bequem machten, um die Aussicht zu bewundern.
Irgendwann stand ihr Vater sehr weit unter uns, und noch während des langsamen Abstiegs wurde uns beiden klar, dass es Ärger geben würde.

Zu viert hatten wir während einer Sportstunde im Umkleideraum sämtliche Kleidungsstücke vertauscht. Wir saßen noch zufrieden mit uns und der Welt im Schulhof auf dem Klettergerüst, als uns die Nachricht zugetragen wurde, dass eine Uhr verschollen sei und wir wohl zum gefürchteten Schuldirektor zitiert werden würden.
Kurz entschlossen stieg ich vom Gerüst und marschierte in Begleitung einer Freundin zum Büro des Rektors. Die Tür war sehr dunkel und mein Klopfen sehr leise. Drinnen erzählte ich ausführlich und tränenlos, was sich zugetragen hatte und das ganz, ganz sicher niemand von uns die Uhr gestohlen hätte.
Der Rektor ging mit uns zusammen in die Schulklasse und sprach zu den sehr stillen Kindern. Was er sagte, weiß ich nicht mehr, aber als das Mädchen, dessen Uhr fehlte, sich meldete und beteuerte, sie wisse aber ganz genau, dass einer von uns die Uhr genommen haben MÜSSE, da sagte er:
„Diese beiden da kamen von selbst zu mir und haben alles erzählt. Das war sehr mutig, und ihnen glaube ich.“
Wir schritten stolz und würdevoll mit sehr zittrigen Knien zu unseren Plätzen zurück.

Wenn ich zum Spielen ging, sagte ich: „Ich geh raus!“
Meine Mutter erwiderte irgendwas in Richtung: „Wenn’s dunkel wird, bist Du wieder zu Hause.“
Und das war’s.

Ich reiche dieses Stöckchen an Scot weiter.
Auch wenn sich das mit Deinen bisherigen Blogeinträgen so irgendwie gar nicht verträgt – interessieren würden mich Deine Erinnerungen dennoch.

Dresscode

August 25, 2007

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by jek in the box

Neulich hat sich auf dem Spielplatz eine Frau zu mir gesellt, die eine rosa Hose, ein rosa Shirt, rosa Slipper und einen rosa Haarreif trug. Sie hatte rosa lackierte Finger- und Zehennägel und blassrosa angemalte Lippen.
Außerdem hatte sie einen rosafarbenen Kinderwagen, dessen schwarze Reifen etwas widernatürlich aus dem Gesamtbild heraus stachen.
Ich weiß ja mittlerweile, dass es für New Yorker Mädchen kaum eine andere Farbe als rosa in jeder Schattierung gibt, eine erwachsene Frau im Rosa-Rausch habe ich in dieser Radikalität jedoch noch nie zu Gesicht bekommen.
Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass sie sogar fliederfarben roch.

Wir unterhielten uns gerade über Sandförmchen, als ich Nathalie namentlich ansprach.
„Ach, ein Mädchen“, freute sich die rosa Dame. „Ja, JETZT sehe ich’s auch!“
Ich folgte ihrem Blick, um festzustellen, was mein Kind im rot-weiß gestreiften Ringelpullover zur sandfarbenen Hose als Mädchen kennzeichnete und stellte fest, dass Frau Rosa meine Tochter nun offenbar dank der Holzblumenkette um Nathalies Hals in die Mädchen-Schublade einsortiert hatte.

Der Dresscode für Kinder ist in diesem Lande für Außenstehende mitunter etwas schwer nachzuvollziehen. Auf dem ersten Blick scheint alles ganz einfach: rosa, lila, pink, violett, flieder und weiß sind die Primärfarben der Mädchen, alle anderen Farben gehören den Jungen, mit besonderer Vorliebe für dunkelblau, braun, grün und rot. Soweit so einfach.
Orientiert man sich jedoch weiterhin an den eher verklemmten Geboten, die es beispielsweise strikt ablehnen, wenn
Mini-Mädchen ohne Bikinioberteil durch die Gegend sausen, dann erstaunt es doch ziemlich, dass beispielsweise bei der Rocklänge der Supermini präferiert wird. Das führt dann mitunter zu der absurden Situation, dass eine besorgte Mutter ihre etwa dreijährigen Tochter immer wieder daran erinnern musste, sich nicht stehend nach vorne zu beugen, damit nicht jeder deren Unterwäsche sehen könne. Der Rock, den die Kleine trug, war ziemlich sicher kein amerikanisches Modell, denn diese Kleider und Röcke besitzen allesamt eingenähte Hosen (und ich bin fast sicher, dass die Mutter den hosenlosen Minirock zu Hause sofort aussortiert hat).

Die Kleidung der Mädchen scheint hier bevorzugt zwischen Fee und Lolita zu schwanken. Im ersteren Fall spielen jede Menge Tüll, künstliche Flügelchen und enge Leibchen die Hauptrolle, im zweiten Fall die bereits erwähnten Superminis, über der Brust verknotete Oberteile und flatternde Röckchen am Badeanzug bereits Einjähriger.
Eine kleinere Gruppe entscheidet sich für ihre Töchter für eine Art „Unsere kleine Farm“-Stil, Kategorie „Sonntagskleidchen“, und die betreffenden Mädchen laufen dann auch auf dem Spielplatz mit weißen oder schwarzen Lack-Mary Janes zum adrett geknöpften Kleid herum.

Apropos Mary Janes – die sind quasi Pflicht. Ich versuche mich gerade sehr intensiv daran zu erinnern, ob ich neben Nathalie jemals ein Mädchen in Sandalen gesehen habe (ich will meine subjektive Meinung schließlich nicht mit Fehlinformationen durchsetzen), aber es fällt mir wirklich keines ein. Das New Yorker Mädchen trägt runde Riemchenschuhe und fertig. Der einzig andere akzeptierte Schuh ist seit längerer Zeit der Gummischlappen, dessen Name mir ständig entfällt. Diese klobig-bunten Kunststoff-Clogs, die laut Hörensagen superbequem sind, dafür aber laut einer bekannten Zeitschrift Dibutylzinn enthalten und somit eher nicht auch noch supergesund sind. Von der Optik her unterscheiden sie sich jedenfalls in nichts von den Gartenpantoffeln meiner Oma.
Crocs “ heißen die, genau.
Eine kleine Fee mit rosa Leggins zum weißen Tüll-Tutu und quietschgrünen Crocs sieht meiner Meinung nach übrigens sehr nett aus, ihre Mutter dagegen mit pinkfarbenen Modellen in Größe 41 – na ja.
Sollte ich diese modische Entgleisung jemals mitmachen, dann halte mir doch jemand bitte diesen Text unter die Nase, ja?

Keep clear of dead men, please!

August 23, 2007

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by Duo de Hale

Das herausstechendste Erlebnis im New Yorker Untergrund war der tote Mann, dem ich beim Aussteigen an der Penn Station quasi fast auf die Hände trat. Glücklicherweise wirklich nur fast, und ebenfalls glücklicherweise war Nathalie gerade eingeschlafen. Da mein Kind derzeit ohnehin sehr interessiert die „Was ist, wenn man tot ist“-Fragenserie rauf und runter diskutiert und ich häufig bereits an meine Grenzen stoße, wenn es um tote Fliegen auf der Kellertreppe geht, hätte ich nur ungern den Inhalt der Fragen auch auf tote, ältere Männer ausgeweitet. Und dass er tot war, daran bestand ob der Blutaureole, die sich um seinen Kopf ausbreitete, gar keinen Zweifel. Da hätte es den Cop, der mit einem Schlagstock mehrmals dröhnend und unangenehm widerhallend, Zentimeter von der Nase des Toten entfernt auf den nackten Boden schlug, gar nicht gebraucht.

An alle, die nun auf eine heitere kleine Anekdote eingestellt waren: tut mir leid.
Aber mir ging’s damit auch nicht sehr gut.

Keep clear of the closing doors, please!

August 19, 2007

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by tan8b

Die Subway in New York ist ein Kapitel für sich. Ich beglückwünsche mich immer noch täglich dazu, im Vorfeld unseres Umzugs in Erfahrung gebracht zu haben, dass es hier an den meisten U-Bahn-Stationen weder Fahrstühle noch Rolltreppen gibt. So habe ich mir das Desaster erspart, beim ersten Versuch die Subway zu nutzen, mit meinem bisherigen Teutonia-Kinderwagen-Modell vor unüberwindbaren Hürden zu stehen. Abgesehen davon, dass ein Teutonia seinem Namen alle Ehre macht und geradezu absurd schwer ist – hätte ich ihn endlich die feuchten Treppenabsätze hinuntergehievt, wäre die nächste Herausforderung das Bewältigen der Drehkreuze gewesen, was ich mit der Wuchtbrumme von Teutonia, der zusammengeklappt nur unwesentlich kleiner wird, kaum zustande gebracht hätte. Und ob ich in meinem Frust noch dahinter gekommen wäre, dass man mittels Klingel jemanden vom Personal bitten kann, eine Seitentür zu öffnen, ist fraglich.

Ich hatte mir also bereits rechtzeitig den leichten, wendigen und im zusammengeklappten Zustand geradezu winzigen Quinny besorgt, als ich erstmalig feststellte, dass die Eingänge zur Subway in „uptown“ und „downtown“ aufgeteilt sind - und häufig keinerlei Verbindung im Untergrund zwischen den Bahnen existiert. Will man dann also eigentlich downtown, hat sich aber die Treppen zur uptown-Bahn hinunterbemüht, so hat man mit Quinny dann zumindest den Vorteil, einen leichten, wendigen und im zusammengeklappten Zustand geradezu winzigen Kinderwagen im Arm mitzuschleppen, wenn man etwas angesäuert die Treppen wieder hinaufstapft, um sich zur Station auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung zu begeben. Nicht zu vergessen mit der gleichfalls angesäuerten Tochter an der Hand, die dem Treppensteigen so gar nichts abzugewinnen vermag.

Steht man endlich am richtigen Bahnsteig, wird einen der erste vorbeifahrende Zug fast wortwörtlich aus den Sandalen pusten. Die New Yorker Subway ist sehr alt und sehr LAUT. Sie ist derart laut, dass sich mein lärmempfindliches Kind mittlerweile bereits beim Treppen hinab steigen die Ohren zuhält. Im Vergleich dazu werde ich mir vermutlich in den Münchner U-Bahnhöfen demnächst wie im Jahre 2510 vorkommen, so geräuscharm gleiten dort die U-Bahnen dahin. Hier scheppert, quietscht und dröhnt es, dass man das Ende der Welt erwartet oder doch zumindest einen entgleisenden Wagen oder eine abgerissene Tür, die spektakulär gegen die Wände prallt.

Im den heißen Monaten hat man beim Einsteigen dann einen kleinen Sauna-Effekt: der U-Bahnhof ist nämlich nicht klimatisiert, die U-Bahn dagegen schon und zwar auf die hier üblichen gefühlten 4° Grad. Nach etwa drei bis vier Stationen hat man den Effekt dann umgekehrt und bekommt beim Aussteigen eine geballte Hitzefaust um die Ohren geschlagen.
Dazwischen sitzt man sich, wie hier üblich, stoischen Blickes in zwei Reihen gegenüber und vermeidet jeglichen Augenkontakt. Viele bauen sofort ihren Schutzwall auf, der aus Sonnenbrille, Kapuze und iPod besteht und schirmen sich so gekonnt gegen die Außenwelt ab.

Das allerbeste, was ich über die New Yorker Subway zu berichten weiß, ist folgendes: wenn ich von meiner Haustüre in der 84th Street fünf Minuten den belebten Broadway entlang zur U-Bahn laufe, dort dann in den One-Train steige und etwa 45 Minuten später wieder aussteige – dann laufe ich weitere zehn Minuten und stehe mit dem Füßen im Sand vor’m Atlantik.
Einfach so.
Wenn das nicht unglaublich ist, dann weiß ich auch nicht.

Aber jetzt.

August 16, 2007

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by Bizzy Girl

Wir befinden uns auf einem Spielplatz im Central Park an der 110th Street, und bei den Fontänen hat ein Mädchen meiner Tochter gerade einen nicht zu knapp bemessenen Becher Wasser über den Kopf geschüttet.
Erbost kommt Nathalie zu mir gestapft.
„Das darf sie nicht!“
„Nein“, beschwichtige ich, „dass darf sie wirklich nicht.“
„Warum hat sie das gemacht?“
Ich zucke die Achseln. „Ich weiß es nicht, Nathalie. Vielleicht wollte sie nur einen Spaß mit dir machen.“
„Ich wollte das aber nicht!“
„Dann musst Du ihr das sagen.“

Nathalie sieht mich sekundenlang an und marschiert dann mit dem Becher in der Hand zum Ort des Geschehens zurück. Mittlerweile hat sich das andere Mädchen eine Plastikflasche organisiert und ist äußerst konzentriert dabei, diese mit Wasser zu füllen.
Nathalie stellt sich daneben.
Ich warte gespannt.
Die Sekunden verstreichen.
Nichts passiert.
Die Flasche ist voll, wird wieder geleert und erneut in den Wasserstrahl gehalten.
Ich lehne mich zurück.
„STOP IT!“ brüllt mein Kind in einer Lautstärke, die dazu führt, dass sich uns ringsum die Gesichter zuwenden und das Mädchen schockiert seine Plastikwasserflasche fallen lässt.

Selbstzufrieden kehrt Nathalie zu mir zurück:
„Ich hab’s ihr gesagt.“

Hot town, summer in the city

August 14, 2007

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by Escape Vehicle

Auf den Spielplätzen laufen die Sprinkleranlagen nonstop, der Straßenbelag wird an einigen Stellen weich, der New Yorker bleibt um die Mittagszeit siesta-like lieber drin, und ja - wir haben jetzt eine Klimaanlage.
Es ist WARM. Ach, was sag ich, es ist brütend heiß, es ist schwül, es ist tropisch. Nur ohne Meer und Palmen, dafür mit Dunstglocke, verursacht durch Abgase und Mülltüten.
UND durch Hundehaufen.

Hab’ ich schon erzählt, dass die New Yorker Hunde lieben? Es gibt Hundekleidung, Hundefriseure, Hunde-Spielzeugläden, Hunde-Playgrounds und vermutlich eine ähnlich hohe Zahl an Hundesittern wie an Nannys. Ich persönlich finde ja das Stadtleben für einen Hund nicht ganz so prickelnd, aber tausende von New Yorkern denken darüber offenbar anders.
Ich habe hier nicht nur bereits die üblichen Chihuahuas mit Schleifen im Haar und Pudel mit Farbe im Fell entdeckt, sondern auch Dackel im Trenchcoat, Bobtails mit Hüten und – das beste bisher – Pitbulls mit Sneakern.
Doch mag er modisch auch noch so up to date sein – auch der New Yorker Hund kackt auf die Straße. Üblich sind in diesem Fall kleine Plastiktütchen, mittels derer der Hundebesitzer die Köttel aufklaubt. Nur wenige tun dies nicht. Doch was liegen bleibt, stinkt in der New Yorker Mittagshitze zum Himmel.

Apropos Hinterlassenschaften: ich habe mittlerweile tragbare Potties entdeckt. Da es ja nicht unbedingt gern gesehen wird, wenn Kinder sich in der Öffentlichkeit erleichtern, hat hier ein findiger Hersteller offenbar ein Geschäft gewittert (vielleicht sogar im übertragenen Sinne). Das „Portable Potty“ lässt sich bei Bedarf problemlos auseinanderfalten und verspricht dank Einwegtüten eine unkomplizierte Entsorgung auch noch des winzigsten Pfützchens. Es ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis es etwas Vergleichbares auch für Hunde geben wird.

Um auf den New Yorker Sommer zurückzukommen: gemessen an der durchschnittlichen Gradzahl der Tage ist es ziemlich erstaunlich, dass es hier keine Schwimmbäder gibt. Wenn man Glück hat, gibt’s in der Apartmentanlage, in der man wohnt, einen Pool, oder man kennt zumindest jemanden, der in einer solchen Anlage wohnt. Für alle anderen, so habe ich mir sagen lassen, gäbe es auf der Nordseite des Central Parks ein Bad, dass zwar überfüllt, den Massen zum Trotz aber immerhin „ziemlich sauber“ sein solle. Dorthin hat es uns bisher noch nicht verschlagen. Als Anfang Juli aber der “Floating Pool” im Brooklyn Bridge Park Beach eröffnete, unterzogen wir uns dem folgenden Ablauf:

In eine Schlange einreihen.
Eines von 175 lila Papierarmbändern erhalten. Dieses berechtigt den Empfänger, das einzige Becken zu nutzen; in unserem Falle um genau 11.00 Uhr.
Bis 11.00 Uhr am „Beach“ warten, die etwas euphemistische Umschreibung für einen aufgeschütteten Sandhaufen ohne Schatten.
Um 11.00 Uhr aufgerufen werden, zusammen mit den 174 anderen unter dem „Entrance“-Schild hindurch schlurfen, umziehen, sich ins etwa 25 mal 15 Meter große Becken gleiten lassen. Nicht hineinspringen!
Vom Bademeister angeranzt werden, weil die Tochter Schwimmflügel trägt.
Um 12.00 Uhr durch eine Trillerpfeife zum sofortigen Verlassen des Bades aufgerufen werden.
Umziehen, rausschlendern.

Draußen stehen dann die nächsten 175 Badewilligen, ausgestattet mit neongelben Papierarmbändern. Man kann diese Prozedur fast beliebig oft wiederholen, der verwöhnten Europäerin reicht jedoch ein Durchgang, um unter nostalgischen Gedanken an das Münchner Michaelibad (Wiese! Rutsche! Springerbecken! Kinderbereich! Fontänen! Spielplatz! Schatten!) den Heimweg anzutreten.

(Der Gatte aber spricht dazu folgendes:
“Ich weiß ja nicht, was es bei 35° Grad in einem Pool, mit der Freiheitsstatue links und der Skyline von Manhattan rechts, zu meckern gibt.”
Auch wieder wahr.)

Es könnte schlimmer sein. Vielleicht.

August 8, 2007

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by Nicholas_T

Vier schöne Tage in Niagara Falls sind vorüber, und wir befinden uns auf dem Rückweg nach New York. Laut Routenplaner benötigen wir dafür sieben Stunden. Auf dem recht entspannten Hinweg haben wir mit vielen Pausen für die Strecke neun Stunden gebraucht, und wir sind durchaus bereit, es wieder ähnlich locker angehen zu lassen.

Nach etwa zwanzig von 674 Kilometern übergibt sich Nathalie quer über den Kindersitz. Wie sich zeigen wird, hat sie sich einen leichten Magen-Darm-Virus eingefangen, welcher jetzt erstmals zu Tage tritt. Unschönerweise stellt sich zeitgleich heraus, dass wir keine Taschentücher mehr haben. Wir beheben den Schaden mehr schlecht als recht mit vielen hauchdünnen Servietten, kleiden das Kind neu ein und steuern den nächsten Rastplatz an, um alles unter einen Wasserhahn zu halten.

Wir fahren weiter. Kommen gut voran und sind entsprechend optimistisch. Eine weitere Pause verläuft friedlich. Anschließend fahren wir in den Stau unseres Lebens. Nach etwa einer Dreiviertelstunde Stehen springt der Benzinanzeiger urplötzlich von halbvoll auf Reserve. Der Gatte und ich sind entsetzt. Wir schalten die Klimaanlage aus, um Energie zu sparen, und der seit Kilometer zwanzig im Wagen vorherrschende Geruch wird schneidfest. Im Schneckentempo kriechen wir vorwärts, das Lichtlein blinkt zum Wahnsinnigwerden, und ein Schild am Rande verkündet in fröhlicher Kumpanei „Service area 39 miles“.
Knapp zwei Stunden später sind wir auch schon da. Zu behaupten, der Wagen hätte es keine zehn Meter weiter geschafft wäre nur etwas übertrieben. Wir stehen etwa zwanzig Minuten an, dann wird getankt.

Beim Verlassen der Tankstelle setzt mein Mann den Wagen in ein Schlagloch. Es geht nicht vor und nicht zurück. Nathalie, die seit einer Weile friedlich vor sich hin schläft, erwacht quengelnd und wird auch bis zum Ende dieser Fahrt nicht mehr richtig einschlafen. Mit großem Geröhre versuchen wir vergeblich den Wagen freizubekommen. Mittlerweile sind mehrere Leute auf uns aufmerksam geworden, und wir befänden uns nicht in Amerika, würde keiner helfen wollen. Schlussendlich hebeln uns etwa fünfzehn freundliche US-Bürger mit vereinten Kräften wieder auf die Straße. Nach herzlicher Verabschiedung fahren wir weiter.

Ich versuche den Gedanken an unheilvolle Schäden unter dem Auto zu verdrängen. Dies gelingt mir erst völlig, als mein mittlerweile sehr ungnädiges Kind verkündet, sie müsse jetzt sofort „einen Stinker“. Mittlerweile ist es Viertel nach zwölf, und im Irgendwo-im-Nirgendwo-Teil von Amerika, in dem wir uns derzeit befinden, haben gerade die letzten Burgerläden ihre Türen geschlossen. Mit Nathalie auf dem Arm stehe ich mit langem Gesicht vor dem Fenster einer Imbisskette und werde ignoriert. Etwas verzweifelt stelle ich mich zwischen die Autos einer Drive Thru-Schlange und verpasse der Verkäuferin den Schreck ihres Lebens, als ich, ohne Auto, dafür mit mürrischem Kind auf dem Arm in ihr Fensterchen hineinstarre. Netterweise lässt sie mich trotzdem rein, und ich kann nur sagen, es wurde auch höchste Zeit.

Als dies erledigt ist geht’s mit sehr reduziertem Elan weiter.
Wir verfahren uns.
Nachdem wir viermal das gleiche lange Straßenstück hin und her gefahren sind, ohne die Zufahrt zur Autobahn entdecken zu können, kehren wir zum Drive Thru zurück. Die Verkäuferin erklärt sehr lang und sehr umständlich und entlässt uns mit vielen Fehlinformationen. Der Tankwart im nächsten Ort weiß es zum Glück genauer.
Wir sind wieder auf dem Weg.

Das arme Kind übergibt sich noch einmal.
Garnitur Drei wird herausgekramt, und die Pfützen werden notdürftig mit einem Latz, der bereits bekleckerten Kleidung und einem vom Gatten geopferten T-Shirt beseitigt. Nathalie ist mittlerweile völlig gefrustet, und wir machen etwa alle halbe Stunde eine kleinere Pause, um sie aus ihrem Sitz zu heben und sie für weitere dreißig Minuten zu motivieren.

Nach dreizehn Stunden Autofahrt sind wir schon da.
Wir brauchen jetzt dringend Urlaub.

Niagara

August 6, 2007

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by jenss

Meine Eindrücke bezüglich der Niagarafälle sind schnell auf einen Punkt gebracht:
Um ein unglaubliches, herausragendes, emotional berührendes Naturwunder hat man eine riesige Touristenfalle gebaut. Wenn man den Blick stur auf die Fälle gerichtet hält, dann ist es also unglaublich, herausragend und emotional berührend, dreht man sich um, bewegt sich gar fort, wird’s sehr schnell sehr grässlich.

Uneingeschränkt empfehlen kann ich aber die „Journey behind the falls“, eine Tour, die hinter beziehungsweise direkt neben die Horseshoe Falls führt. Man wird trotz Regencape klatschnass, aber jeder, dem auf der Plattform unmittelbar neben den Fällen in Böen das Wasser ins Gesicht peitscht, lacht wie irre.

Ebenfalls empfehlenswert ist ein Besuch auf dem Observation Deck des Skylon Towers. Wenn man geneigt ist, für ein nicht unleckeres Essen viel Geld hinzulegen, dann kann man ein Stockwerk tiefer inklusive eines atemberaubenden Blicks auch essen. Wir haben uns dort zumindest ein Frühstück gegönnt, und nachdem ich mich bereits im Vorfeld auf den horrenden Preis eingestellt hatte, war jeder einzelne Bissen sein Geld wert. Zumal sie bereits beim Frühstücksbuffet ein sehr umfangreiches Dessertarrangement auffahren, und mit einem kleinen caramelisierten Apfelkuchen mit Nüssen und Rosinen (nach dem kleinen Stückchen Schokoladentorte und dem Miniklacks Obst-Tiramisu und dem winzigen Nougat-Crêperöllchen, nicht zu vergessen das unwesentliche Schälchen mit Erdbeersahne und kandierten Früchten) genießt sich der Ausblick gleich noch einmal so gut.

Nathalie würde das „MarineLand“ empfehlen.
Nun.
Die Fahrten im Piratenboot oder im Marienkäferflugzeug rechtfertigten für sie ohne weiteres die jeweiligen halbstündigen Wartezeiten in der Schlange unter der brutzelnden Sonne, welche der jeweilige Erziehungsberechtigte durchlitt, der die Fahrt auf sich nahm (und sich dazu hin und wieder mit dem Kopf zwischen den Knien in eindeutig unterdimensionierte Gefährte quetschte), während der andere sich um das fröhlich im Schatten hopsende Kind kümmerte. Der Gatte und ich sind da eher zwiegespalten.
Noch dazu gehören wir zu den Leuten, die sich während der Delphinvorstellung raunend über die Zahl der Tiere unterhalten, die in Gefangenschaft Suizid begehen, während die Tochter jubelnd auf den Rängen steht. Insofern empfehle ich „MarineLand“ also allen unter 12 und rate den älteren zur Nachsicht.

Beim Abendessen im Restaurant empfehle ich vor allen Dingen Ohropax. Es ist offenbar Pflicht, die Lautsprecher so weit hochzudrehen, dass Unterhaltungen nicht in Gang zu kommen vermögen. Dafür bekommen Kinder dann häufig Malzeug oder andere kleine Geschenke, die sie jedoch nicht nutzen, da sie sich ob der Lautstärke nach etwa zwanzig Minuten die Ohren zuhalten. Essen in fliegender Hast haben wir in den letzten vier Tagen perfektioniert. Nächstes Mal nehmen wir einen Gaskocher mit ins Hotel (und sparen unser Geld für einen einmaligen Dinner-Besuch im Skylon Tower).

Um zum Schluß aber wieder auf das Eigentliche zu kommen: das Eingangsfoto zeigt den Blick aus unserem Hotelzimmer. Morgens aufwachen und vor Glück und Ehrfurcht erschauern war eins.
Da möchte man schon mal irgendwem „Danke“ sagen.