Keep clear of the closing doors, please!
August 19, 2007
by tan8b
Die Subway in New York ist ein Kapitel für sich. Ich beglückwünsche mich immer noch täglich dazu, im Vorfeld unseres Umzugs in Erfahrung gebracht zu haben, dass es hier an den meisten U-Bahn-Stationen weder Fahrstühle noch Rolltreppen gibt. So habe ich mir das Desaster erspart, beim ersten Versuch die Subway zu nutzen, mit meinem bisherigen Teutonia-Kinderwagen-Modell vor unüberwindbaren Hürden zu stehen. Abgesehen davon, dass ein Teutonia seinem Namen alle Ehre macht und geradezu absurd schwer ist – hätte ich ihn endlich die feuchten Treppenabsätze hinuntergehievt, wäre die nächste Herausforderung das Bewältigen der Drehkreuze gewesen, was ich mit der Wuchtbrumme von Teutonia, der zusammengeklappt nur unwesentlich kleiner wird, kaum zustande gebracht hätte. Und ob ich in meinem Frust noch dahinter gekommen wäre, dass man mittels Klingel jemanden vom Personal bitten kann, eine Seitentür zu öffnen, ist fraglich.
Ich hatte mir also bereits rechtzeitig den leichten, wendigen und im zusammengeklappten Zustand geradezu winzigen Quinny besorgt, als ich erstmalig feststellte, dass die Eingänge zur Subway in „uptown“ und „downtown“ aufgeteilt sind - und häufig keinerlei Verbindung im Untergrund zwischen den Bahnen existiert. Will man dann also eigentlich downtown, hat sich aber die Treppen zur uptown-Bahn hinunterbemüht, so hat man mit Quinny dann zumindest den Vorteil, einen leichten, wendigen und im zusammengeklappten Zustand geradezu winzigen Kinderwagen im Arm mitzuschleppen, wenn man etwas angesäuert die Treppen wieder hinaufstapft, um sich zur Station auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung zu begeben. Nicht zu vergessen mit der gleichfalls angesäuerten Tochter an der Hand, die dem Treppensteigen so gar nichts abzugewinnen vermag.
Steht man endlich am richtigen Bahnsteig, wird einen der erste vorbeifahrende Zug fast wortwörtlich aus den Sandalen pusten. Die New Yorker Subway ist sehr alt und sehr LAUT. Sie ist derart laut, dass sich mein lärmempfindliches Kind mittlerweile bereits beim Treppen hinab steigen die Ohren zuhält. Im Vergleich dazu werde ich mir vermutlich in den Münchner U-Bahnhöfen demnächst wie im Jahre 2510 vorkommen, so geräuscharm gleiten dort die U-Bahnen dahin. Hier scheppert, quietscht und dröhnt es, dass man das Ende der Welt erwartet oder doch zumindest einen entgleisenden Wagen oder eine abgerissene Tür, die spektakulär gegen die Wände prallt.
Im den heißen Monaten hat man beim Einsteigen dann einen kleinen Sauna-Effekt: der U-Bahnhof ist nämlich nicht klimatisiert, die U-Bahn dagegen schon und zwar auf die hier üblichen gefühlten 4° Grad. Nach etwa drei bis vier Stationen hat man den Effekt dann umgekehrt und bekommt beim Aussteigen eine geballte Hitzefaust um die Ohren geschlagen.
Dazwischen sitzt man sich, wie hier üblich, stoischen Blickes in zwei Reihen gegenüber und vermeidet jeglichen Augenkontakt. Viele bauen sofort ihren Schutzwall auf, der aus Sonnenbrille, Kapuze und iPod besteht und schirmen sich so gekonnt gegen die Außenwelt ab.
Das allerbeste, was ich über die New Yorker Subway zu berichten weiß, ist folgendes: wenn ich von meiner Haustüre in der 84th Street fünf Minuten den belebten Broadway entlang zur U-Bahn laufe, dort dann in den One-Train steige und etwa 45 Minuten später wieder aussteige – dann laufe ich weitere zehn Minuten und stehe mit dem Füßen im Sand vor’m Atlantik.
Einfach so.
Wenn das nicht unglaublich ist, dann weiß ich auch nicht.
August 19, 2007 um 6:11 Uhr vormittags
Hallo, ich lese seit einiger Zeit mit hier mit und da ich mich auch immer freue, zu erfahren, wer bei mir so mitliest, dachte ich, es wäre an der Zeit, mich vorzustellen. Frau Antonmann, Guten Tag. Außerdem habe ich mir erlaubt, dich in meine Blogroll aufzunehmen, was hoffentlich okay ist. LG
August 19, 2007 um 5:44 Uhr nachmittags
Liebe Frau Antonmann,
sehr erfreut.
Stimmt, es ist tatsächlich schön zu erfahren, wer so mitliest.
Obwohl ich dank des fiesen Virus, der sich automatisch auf alle Computer schwingt, dessen Benutzer meinen Blog aufrufen, euch alle sowieso sehen kann.
(sowas muss man ja bei Scherzen dieser Art immer dahintersetzen, nicht dass plötzlich der Computer vom BKA beschlagnahmt wird)
Liebe Frau Antonmann, sagen wollte ich eigentlich: vielen Dank für’s Aufnehmen in die Blogroll.
Es grüßt zurück,
Kira
Oktober 14, 2007 um 1:49 Uhr nachmittags
Dazu habe ich gerade im Spiegel noch eine ebenfalls recht kurzweilige Geschichte gelesen.