
by chaim zvi
Ich verweise für ausschweifende Erklärungen, warum ich gerade jetzt aus München schreibe, auf die “Über mich”-Seite und lege einfach mal los.
Zwei Wochen München, und ich ziehe für’s Erste folgendes Resümee:
Ich vermisse Jamba Juice. Ich bin mittlerweile süchtig nach meiner täglichen Dosis an gestoßenem Eis, Früchten und obskuren Boosts à la „Soy Protein“ (our classic vegan protein boost, with 7 grams of protein to help cell growth and build muscle) oder „Antioxidant-Power“ (rich in antioxidants (vitamins A, C and E), helps neutralize free radicals to maintain cell health). Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll und warte derzeit auf erste Entzugserscheinungen.
Wie Jamba Juice selbst das überleben wird, steht noch in den Sternen – so oft, wie ich dort Säfte hinausgetragen habe, könnte mein Verschwinden sie nun vermutlich in die roten Zahlen stoßen.
Ich vermisse das Children’s Museum of Manhattan. Ja, ich habe mich daran gewöhnt, zwischen hundertsiebzig anderen Müttern zu stehen und meinem Kind dabei zuzusehen, wie es im Feuerwehrkostüm den „Hokey Pokey“ tanzt. Ich will Nathalie wieder eines der sechs Stühlchen um den Basteltisch erobern, auf dass sie ihre fünfzehnte Collage aus Stoffresten, Papierschnipseln und Glitzerkleber kreieren kann, und einen Platz in der „Circle Time“, der zweimal täglich stattfindenen Vorlese- und Singrunde. Nicht zu vergessen, die „Block Party“, ein Raum im Keller, der eigens Tausenden von langen, flachen Holzstäbchen gewidmet ist. Man kann sie unter anderem zu gigantischen Türmen aufstapeln, und absolut jeder gerät in Versuchung, mindestens einmal im Leben einen Turm zu bauen, der höher ist, als man selbst. Ab 1,60 Meter Höhe darf das Kind nur noch unter strengsten Vorsichtsmaßnahmen mitbauen, und jedes Erwachsenenherz sinkt in sich zusammen, wenn das Gebilde mit ohrenbetäubendem Getöse in sich zusammenfällt.
Ich vermisse den Central Park. Die Playgrounds in ihren fantasievollen Varianten, das Karussell mit den nostalgischen Holzpferden, auf denen immer mehr Große als Kleine sitzen. Die hunderttausend Kleinigkeiten, auf die man bei seinen Streifzügen stößt, wie Türmchen, Puppentheater, reich verzierte Steinbänke, Schach-Häuser oder Springbrunnen. Die Wiesen, auf denen sich im Frühling und Sommer halb New York auf Decken niederlässt, um irgendwelchen Gratis-Konzerten zu lauschen. Die Eichhörnchen. Ich denke, ich werde mal ein paar Verbesserungsvorschläge hinsichtlich des Englischen Gartens einreichen.
Ich vermisse den Hudson. Genau genommen vermisse ich unsere abendlichen Picknickrunden am Hudson. Die Isar ist ob fehlender Segelboote und vorbeiziehender Luxusyachten kein angemessener Ersatz.
Zugegebenermaßen vermisse ich nicht den Verkehrslärm, der vom Henry Hudson Pkwy ausgeht und quasi nur eine verschleiernde Buschreihe entfernt ist.
Ich vermisse die etwa achtunddreißig Restaurants, die sich in fünfminütigem Umkreis um unserer Wohnung befinden. Zu Fuß, wohlgemerkt. Zur Haustür rausgehen und sich zu fragen: Thai? Sushi? Fisch? Oder an Nathalie denken und sich fragen: Pizza? Pizza? Pizza?
Und dann einfach drei Minuten losschlendern und sich einen Platz anbieten lassen.
Ich vermisse Anne.
Nathalie vermisst Noah.
Ich vermisse das Straßenbild der Brownstones mit ihren schmiedeeisernen Feuerleitern. Ich finde ja ganz ehrlich, dass New York schon sehr, sehr laut ist und oftmals nicht sehr gut riecht.
Aber dass New York wunderschön ist, würde ich sofort unterschreiben.
(seufzt ein bißchen und geht sich eine Brez’n holen)