
by sfllaw
Ein plattes Hinterrad bedeutet im Allgemeinen nicht das Ende der Welt. Es ist aber doch nervig, zumal wenn man nicht in der Lage ist, ein plattes Hinterrad zu flicken.
Entsprechend unlustig scharwenzelte ich um mein Telefon herum und versuchte mich mit dem Gedanken anzufreunden, mein essentiell benötigtes Rad “Deutschlands großem Fahrradfachmarkt” anzuvertrauen, damit dessen grantige Mitarbeiter - wie zuletzt leidvoll erfahren - das Gefährt für zwei Wochen in die Warteschleife stellen, um es mir dann gegen einen horrenden Preis mit muffigem Gesichtsausdruck wieder zu verkaufen.
Hoffnungsarm blätterte ich in den Gelben Seiten und beschloss, es zunächst einmal bei BALDI RADRENNSPORT zu versuchen.
Am Telefon schilderte ich mein Problem und statt zu fragen, ob es sich bei dem Rad um eines von seinen Rädern handele, erhielt ich das Angebot, mein Fahrrad doch einfach SOFORT vorbeizubringen, auf dass der Inhaber von BALDI RADRENNSPORT es sich vielleicht noch heute vornehmen könne. Er sagte “noch heute”, und diese Aussage änderte sich auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht.
Mit leise flackernder Hoffnung stand ich eine halbe Stunde später vor der Tür von BALDI RADRENNSPORT, bereit, mich unleidlich anranzen zu lassen und jeden herablassenden Blick zu ertragen, mit dem man durchblicken lassen würde, dass es ja doch irgendwie minder intelligent sei, ein simples Hinterrad nicht reparieren zu können.
Stattdessen wurde ich herzlich begrüßt, mein Rad mit Liebe in Empfang genommen, und mit dem Hinweis versehen, dass man mich eventuell noch heute anrufen würde, wurde ich nach Hause geschickt. Natürlich würde man mich nicht heute anrufen, überlegte ich. Aber ich hatte die feste Zusage erhalten, dass mein Rad bereits am nächsten Tag wieder funktionstüchtig sein würde, und das genügte mir.
ZWEI STUNDEN später erhielt ich einen Anruf von BALDI RADRENNSPORT, ich könne das Rad heute bis 18.00 Uhr abholen.
Leider war ich gerade außer Haus und erhielt daher diese Nachricht erst um zehn vor sechs. Auf Nachfrage (ja, man wird doch nachfragen dürfen, schließlich war ich an diesem Tag bereits Zeugin mehrerer Wunder geworden) teilte BALDI RADRENNSPORT mir mit, NATÜRLICH würde man auch auf mich warten.
Abermals in Grübeleien versunken, versuchte ich mir auf dem Weg zu BALDI RADRENNSPORT auszumalen, was dieser exorbitante Service mich wohl kosten würde.
Bis 40,- Euro, so schwor ich mir, würde ich mit keiner Wimper zucken.
Alles darüber - nun ja, Leistung hat vermutlich ihren Preis, und von Leistung läßt sich hier ohne weiteres sprechen.
Der Inhaber von BALDI RADRENNSPORT öffnete für mich um Viertel nach sechs seine Tore, schob mein Rad nach draußen und verlangte 16,- Euro von mir.
Dabei lächelte er sogar.
Nach all den Jahren ungnädigen Herumstoßens durch die Mitarbeiter von Deutschlands großem Fahrradfachmarkt bin ich mit meinem Rad nun zu Hause.
Danke.