Archiv für November, 2007

Weihnachtszeit - ich wär’ dann soweit.

November 30, 2007

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by Hans-miwian

Wenn man weiß, dass ich irgendwann Ende August damit beginne, mich auf Weihnachten zu freuen, dann kann man sich vielleicht vorstellen, dass ich mittlerweile meine Haare mit Lametta ziere und meine Nase rot blinkert.

Wir haben bereits Vanillekipferl und Schokoladenbutterkekse gebacken, dem Weihnachtsmarkt einen Besuch abgestattet und die Weihnachtsbücher vom höchsten Regal gekramt.
Geschenkemäßig bin ich eingedeckt bis 2011, zumindest was das Kind betrifft, und nur die Tatsache, dass ich davon ausgehen muss, dass sich dessen Vorlieben in den nächsten Jahren eventuell wandeln werden, hält mich von weiteren Einkäufen ab (für den Gatten gestaltet sich das Geschenkeaussuchen ungleich schwieriger - was schenkt man jemandem, der sich selten etwas wünscht und alles, was er sich wünscht, sofort selbst besorgt?).

Während ich der Mini-Tochter die Zähne putze, singe ich Weihnachtslieder, und ich habe keinerlei Hemmungen, mangelndes Stimmvolumen durch Lautstärke auszugleichen. Nathalie sitzt derweil mit geöffnetem Mund auf ihrem Hocker und übt sich im Sitztanz. Hin und wieder reißt es sie mit, und ich wische mir Zahnpastaschaumflöckchen von der Nase, wenn sie mal wieder besonders hingebungsvoll bei “Kling Glöckchen Klingelingeling” eingestiegen ist.

Der Adventskranz ist geschmückt, der Kalender gefüllt und die Wohnung zusammen mit mir im Weihnachtsrausch, was in erster Linie bedeutet, dass Kerzen in den nächsten Wochen problemlos die Heizung ersetzen können und ich den Schmutz vieler Monate von den Scheiben gekratzt habe, um die Fensterdekoration voll zur Geltung zu bringen (man kann sie jetzt sogar von draußen erkennen).

Aus Nathalies Kassettenrecorder singt gerade jemand “Bald ist Weihnachten, wir freu’n uns wie verrückt” - und dem hab’ ich nichts mehr hinzuzufügen.

Musikanlage vs. Tochter, Tochter gewinnt

November 28, 2007

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by A.Schwenke

Ich stehe mit Nathalie vor der Ampel und warte geduldig auf Grün.
Nathalie säuselt “Sankt Martin” in der beruhigende Lautstärke 3 vor sich hin.
Leute lächeln uns zu.
Direkt neben uns stoppt ein Wagen, aus dessen minimal geöffneten Seitenfenstern irgendein unsägliches musikalisches Verbrechen in Lautstärke 10 ertönt, und mein Kind schraubt übergangslos von 3 auf 11.

“SANKT MARTIN, SAHANKT MAARTIN” - boller, boller von links - “SAHAANKT MAARTIIIN” - boller, boller von links - “RITT DURCH SCHNEEEEEE” - boller, boller von links - “UHUND WIIIIND”

Die Ampel schaltet glücklicherweise auf Grün, bevor die Stimme meiner Tochter Glas zum Splittern bringt, und verfolgt von den fassungslosen Blicken der Umstehenden marschiere ich stoischen Blickes über die Straße.
Wenn Nathalie diese Begabung fünfzehn Jahre beibehält, sind ihr herausragende Rollen in jedem Horror-Streifen sicher.

Chancenlos

November 26, 2007

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by kaffeeeinstein

Gegen einen grinsenden Drittklässler in der U-Bahn kann man beim Niederstarren durchaus gewinnen.
Es dauert etwa 18 Sekunden, dann wendet er den Blick ab.
Allerdings muss man anschließend damit klarkommen, dass sofort fünf bis sechs grinsende Drittklässler den Niederstarrwettbewerb neu aufnehmen.
Und da sie fieserweise dabei tuscheln, ist die eigene Niederlage eine ausgemachte Sache.

Was tun mit 26 Millionen Euro?

November 24, 2007

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by o2ma

Nachher gewinne ich im Lotto.
Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben gespielt, und rein statistisch gesehen steht es vermutlich Eins zu einer Million, dass ich grob geschätzte 26 Millionen Euro gegen acht Uhr mein eigen nennen werde - das Ganze ist also eine nahezu todsichere Sache (zumindest, wenn man Terry Pratchett Glauben schenken darf).

Was mach’ ich dann mit all dem Geld, frag’ ich mich.
Anlegen und von den Zinsen leben? Freunde und Familie beschenken? Spenden?
Lebe ich mein Leben weiter, als wäre nichts geschehen, oder trage ich ab sofort nur noch Armani, auch und gerade dann, wenn ich Elterndienst im Kindergarten habe?
Lass ich es alle wissen und leiste mir für den Rest meines Lebens acht bis zwölf Leibwächter, die mir die Massen vom Leib halten, oder sag’ ich’s keinem und bekomme einen Nervenzusammenbruch, weil ich das nie und nimmer aushalten könnte?
Gönne ich mir eine Schönheits-OP? Und wenn ja, was könnte ich denn mal verschönern lassen?
Kaufe ich mir eine Kleinstadt? Eine Insel? Beides?
Ein Appartment in New York, eines in Lissabon und einen Strandabschnitt auf den Maledieven für den Gatten?
Oder doch lieber einen ökologisch korrekten Bauernhof in Südtirol?
Ich könnte mir auch 4.642.857 hochfeine Lindt Pralinés leisten.
Oder doch lieber 20.800.000 Packungen Lebkuchen von Aldi?
Oder jeden Tag fünf wildfremden Menschen auf der Straße 500 Euro schenken? Könnte ich immerhin gute 285 Jahre durchziehen. Vermutlich müsste ich dann aber mein Leibwächterbudget auf etwa 25 Mann aufstocken, und dazu hätte ich dann doch keine Lust.

Auf jeden Fall ist zu vermeiden, letzten Endes wie die von der Presse gerne mitleidig-höhnisch vorgeführten Millionengewinner dazustehen, die nicht nur jeden Cent ihres Gewinns in kürzester Zeit verprasst haben, sondern im Kaufrausch darüber hinaus auch noch jeden Cent der Gattin, der Oma und der Kinder.
Also vielleicht doch besser keine Insel.
Oder nur eine kleine.

Ich geh’ noch einmal in mich und sage morgen Bescheid.

Lisbeth

November 22, 2007

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by loop_oh

Nathalies Lieblingspuppe hat einen kleinen Plastikkopf, und ihre Beine sind aus unerfindlichem Grunde seitlich am Körper festgenäht, was ihr ein etwas käferhaftes Aussehen verleiht (unter dem gelben Polyesterstrampelanzug sieht das ja keiner, aber was ihre Puppen betrifft ist meine Tochter überzeugte Freikörperkultur-Anhängerin).
Im Laufe der Zeit wurde Lisbeth erst etwas grau, und dann klebrig.
Trotz mehrerer Waschgänge ist ihr Stoffkörper inzwischen dauerfleckig und der Plastikschädel an einigen Stellen etwas angekratzt.
Einmal durfte Lisbeth in den Sandkasten. Seitdem schließt eines der Klappaugen nicht mehr, das andere steht auf Halbmast.
Bei Nathalies energischen Versuchen, die Augen wieder in den gewünschten Schlafmodus zu bringen, musste leider der größte Teil der Wimpern dran glauben.
Sie riecht auch komisch.

Völlig egal, in welche Klamotten ich mein Kind morgens stecke - mit dieser Puppe im Arm sieht Nathalie immer ein kleines bißchen verwahrlost aus.

Halsumdrehimpulse

November 19, 2007

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by iowa_spirit_walker

Wenn man in einer langen Schlange steht, sagen wir mal, bei der Post, und diese lange Schlange nur gaaanz, gaaanz langsam kürzer wird, weil, sagen wir mal, nur drei unfreundliche Mitarbeiter für geschätzte 25 Schlangenmitglieder abgestellt wurden, und man ohnehin etwas vergrätzt ist, weil nämlich außerdem, sagen wir mal, besagte drei Postbeamte sich in Zeitlupe bewegen und im Hintergrund zwei beschäftigungsarme, dafür unbekümmert plaudernde Postbeamte mit verschränkten Armen vor dem Kopierer stehen, dann gehört allen, die hinter mir stehen und UNUNTERBROCHEN summen und zwar wieder und wieder die gleiche Tonfolge, aber sowas von in die Hacken getreten.

Und das möglichst, bevor der Summer mir ein Messer zwischen die Schulterblätter rammen kann.
Das weiß man doch wohl nicht erst seit Fritz Lang, dass ein ständig wiederholter Summton in einem kaugummiartigen Szenario etwas zutiefst Bedrohliches oder doch zumindest Nervtötendes an sich hat.

ICH geh’ jetzt.

November 17, 2007

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by Photonoob.net

Ich bin ja schon ziemlich oft in die Versuchung geraten, meinem trödelnden & stocktauben Kind ein “Dann geh’ ich eben allein” entgegenzurufen.
Meistens kann ich mich da bremsen.
Und seit heute weiß ich auch einmal mehr, warum es nicht die Erziehungsmethode der Wahl ist.
Nämlich deshalb:

In der Spielwarenabteilung vor dem sprechenden Steiff-Bären:
Mutter: Komm, wir geh’n jetzt weiter.
Sohn: Nein.
Mutter (wartet einige Minuten): Ich will jetzt weitergehen.
Sohn: Nahein!
Mutter: Gut, dann geh’ ich alleine.
(geht zügigen Schrittes zum nächsten Regal, dreht sich dort um. Sohn guckt nicht einmal. Mutter drückt sich fünf Minuten am Eck herum und wagt es nicht, ihren Sohn im Menschengewimmel aus den Augen zu lassen. Sohn amüsiert sich prächtig. Mutter kommt zurück)

Mutter: Hast Du jetzt alles gesehen?
Sohn: Mh-mh.
Mutter (wartet einige Minuten): Wir gehen jetzt! (nimmt seinen Arm, Sohn schreit auf) Ich geh’ jetzt WIRKLICH alleine! Kommst Du nun mit?
Sohn: (übt sich in Ignoranz)
Mutter: ICH geh’ jetzt!
(eilt in die andere Richtung, verschwindet hinter einem Berg Stofftiere und schaut von dort kasperllike hinter einem Delfin hervor. Sohn amüsiert sich prächtig. Mutter kommt zurück)

Mutter: Das ist jetzt meine LETZTE WARNUNG! Wenn du jetzt nicht mitkommst, gehen wir SOFORT nach Hause!
Sohn: (lacht über den Bären)
Mutter: Jetzt reicht’s! (zerrt ihn am Arm davon, Sohn bekommt den Tobsuchtsanfall, auf den er schon seit zwanzig Minuten wartet)

Wenn man nur zuschaut, ist das sogar lustig.

Brüllbrüllbrüll

November 9, 2007

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by anonymousthomas

Die ersten zwanzig Minuten des heutigen Tages verliefen so:

Ich musste mich von meiner Tochter anschreien lassen, als ich darauf bestand, ihr beim Duschen die Unterwäsche auszuziehen.
Während des Duschen gab’s eine Brüllattacke, weil ein halbes Tröpfchen ihr Kinn benetzte, obwohl ich versprochen hatte, dass kein Wasser in ihr Gesicht kommen würde.
Nach dem Duschen folgte eine achtminütige Jammerorgie bis ich herausfand, dass die Ursache hierfür in dem Fehler lag, Nathalie trockengerubbelt zu haben, bevor sie mich küssen konnte.
Anschließend gab’s einen kleineren Aufschrei beim Versuch ihr die Hosen anzuziehen - meiner Meinung nach geht das im Stehen einfacher, Nathalies Meinung nach muss man dazu wie festgeschweißt auf dem Boden sitzen - dicht gefolgt von einem größeren Aufschrei, als ich daraufhin beschloß, zunächst einmal mich selbst anzuziehen.
Es kam zum Eklat, als mein Kind den Versuch unternahm, meine Socken in den Badmülleimer zu stopfen.

Gibt es eigentlich irgend etwas, was eine unausgeschlafene Dreijährige am frühen Morgen nicht zum Schreien findet?

Ich hasse Mehlmotten.

November 5, 2007

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by Muir Aingeal

In der Reihe “Fiese Viecher” komme ich heute zu den Motten. Mehlmotten, um genau zu sein.
Die hab’ ich nämlich in der Küche, seit wir aus New York zurückgekehrt sind, und sie treiben mich in den Wahnsinn.
Am liebsten mögen sie offenbar Tee. Und obwohl ich bereits Teevorräte im unermesslichen Wert (nun gut, es war wohl auch der ein oder andere abgelaufene Beutel Kamillentee dabei) in den Müll befördert und sämtliche Teedosen und Schrankritzen heiß abgespült habe, sitzt doch tatsächlich gestern morgen schon wieder eine im Schrank!
Was tun, was tun? (Haare rauf)

Wikipedia trägt in diesem Zusammenhang zu weiteren Schauderanfällen bei:

“Aus den etwa 200 weißen, ovalen Eiern schlüpfen rötliche, grünliche, gelbliche oder weiße Raupen.”

200 Eier!? Alle im Tee?!
Wieviele hab’ ich da wohl schon mitgetrunken, bevor ich die erste Motte an der Wand entlang laufen sehen konnte? Gar nicht zu reden von den “Larven des ersten Stadiums”, die zwischen “1 bis 1,5 Millimeter lang” sind und, schlimmer noch, die Larven des letzten Stadiums, die sogar auf 20 Millimeter kommen.
Wie konnte mir das entgehen? Gut, ich bin morgens zur besten Teetrinkzeit in der Regel noch etwas verschlafen, aber 200 wimmelnde Larven im Mund, das hätte mir doch auffallen müssen.

“Die Raupen der Mehlmotte fressen, verspannen und verschmutzen Getreideprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Backwaren und Dörrobst, aber auch Schokolade und Marzipan.”
Und TEE. Nicht zu vergessen.

“Sie können Gewinde überwinden, dünne Verpackungen durchbeißen und bis zu 400 Meter weit kriechen.”

Kleinflügelige Mini-Panzerknacker also. Und wie komme ich ihnen bei?

“Die Mehlmotten sind kälteempfindlich”
Guter Hinweis. Aber das bin ich auch, daher kommt es eher nicht in Frage, ihnen durch einen Kälteschock beizukommen.
Weiter, was steht da noch?

Zur Bekämpfung werden Pheromonfallen und Schlupfwespen eingesetzt.

Hm. Schlupfwespen sehen so aus:
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(by riesenweib)

Ich denke, die möchte ich dann eher nicht in meiner Küche herumkriechen sehen. Auch nicht statt Motten.
Bleiben die Pheromonfallen oder die Methode meiner pazifistischen Tochter, die gestern hilfsbereit mit Glas und Postkarte angelaufen kam, während ich ob der gesichteten Motte vor mich hin meckerte.
“Wir können sie einfach alle rausbringen, Mama”.

Obwohl - seit heute morgen denkt Nathalie vielleicht auch etwas anders über die dämlichen Falter. Da kam sie nämlich strumpffüßig in die Küche geeilt, taperte achtlos in eine kleine Wasserpfütze, die ich beim Spülen fabriziert hatte, und schrie empört:
“Iiieh! Mottenpipi!”