DSDS macht einsam
Januar 30, 2008
by soartsyithurts
Könnte jemand bitte völlig überspannte Sechzehnjährige davon abhalten, sich öffentlich derart bloßzustellen, dass sie am nächsten Tag nur noch mit Begleitschutz in die Schule können?
Ich habe mir gerade bei youtube das Video eines Jungen namens Raimund angesehen und fühle mich nun vom intensiven Fremdschämen völlig erschöpft.
Ich wurde mal mit etwa 17 Jahren von einem netten Menschen interviewt, der mir ein paar Fragen zu einem - meinem - Musikmagazin stellte. Mächtig stolz hielt ich mit nichts hinter’m Berg und verewigte minder bescheiden auf Band, für wie unsagbar gut ich meine Zeitschrift hielt. Gekrönt wurde das Ganze von einem peinlichen Foto. Darauf stehe ich in Lederjacke und mit einem Stapel CDs in den Händen in meinem eigenen Zimmer und grinse breit, weil verlegen, weil völlig bewusst, dass es einfach nur dämlich ist, sich im eigenen Zimmer mit Lederjacke und CDs ablichten zu lassen.
Als die Zeitung mit dem Interview erschien, hatte ich anschließend ein paar wirklich miese Wochen.
Und dass ich die haben würde, wurde mir bereits klar, als ich die Headline des Interviews zu Gesicht bekam, die schlicht und schön “Die Heavy Metal Braut aus Kleinkleckersdorf” lautete.
Wo ich ging und stand zitierte man gerne meine schmissigsten und einfältigsten Antworten, meine Jacke wurde der Auslöser unzähliger Lachanfälle und Getuschel begleitete mich auf mehreren Kilometern Lebensweg.
Das Ganze fand im beschaulichen Vorort eines Vororts statt, und die meisten Leute, die mit unterdrücktem Grinsen vor mir standen, kannte ich noch aus frühen Schulzeiten.
Es verlief sich.
Wie geht es aber jemandem, der sich nicht nur vor einigen hundert Menschen, sondern vor Millionen zum Affen gemacht hat? Dessen Videos bei youtube weitergereicht werden und der nur die Wahl hat, spontan fünfzehn Jahre zu altern oder sich einer kosmetischen Operation zu unterziehen?
Gab es keine Freunde, die in einer ruhigen Minute mal Tacheles gesprochen haben?
Und wenn es keine Freunde gab - es hat doch jeder Eltern?
Oder einen Spiegel, wenigstens?
Sollte mir Nathalie eines grauen Tages mitteilen, dass sie sich durch nichts davon abhalten lassen wird, bei DSDS vorzusingen, so werde ich ihr versichern, dass sie das natürlich gerne tun darf.
Und nichts und niemand mich davon abhalten wird, ihr beim Vorsingen auf Schritt und Tritt zu folgen und jedes einzelne ihrer Worte pantomimisch zu untermalen.








