
by Fenchurch!
Ich habe im Laufe meines Lebens irgendwann mal Tierpostkarten gesammelt. Und Gläser. Außerdem Stofftiere, Briefmarken, Porzellankatzen, Spardosen, Aufkleber, Fussball-Sammelbilder, Überraschungseifiguren, Kerzen, selbstkreierte Scherenschnitte, alles Garfielderdenkliche, jeden Schnipsel der Popgruppe A-HA und die Gummiverschlusspopstarnippelbildchen unter den Colaflaschen-Schraubverschlüssen, die a) nach Altglas rochen und b) sich mit keinem Kleber der Welt auf dem angeforderten Sammelposter für Gummiverschlusspopstarnippelbilchen befestigen ließen.
Mitunter besaß ich nur drei Exemplare (Porzellankatzen), anderes hatte ich doppelt bis dreissigfach (Fussballbilder). Manches betrieb ich ernster (Garfield), manches eher nachlässig (Spardosen). Die ein oder andere Sammelleidenschaft verlief gänzlich unauffällig (Postkarten), durch andere brachte ich mich in denkbar peinliche Situationen, so beispielsweise, als ich ganz zu Beginn meiner Briefmarkeneuphorie im Postamt von jeder Sorte der gängigen Feld-Wald-und-Wiesen-Abroll-Briefmarken eine verlangte und die Dame am Schalter überdies ernsthaft darum bat, alle Briefmarken mit einem Poststempel zu versehen, da ich gelesen hatte, das gestempelte Briefmarken wertvoller seien (irgendetwas tief in mir rollt sich noch heute verlegen zusammen, wenn ich an den Blick der Postbeamtin denke).
Mit etwa sechzehn Jahren hatte sich das meiste in Luft aufgelöst. Es wurde verschenkt (Stofftiere), verbraucht (Kerzen) oder entsorgt (Aufkleber).
Mit wahrem Eifer sammelte ich nunmehr Picture-LPs, Comicalben, Drumsticks, jeden Schnipsel meiner favorisierten Rockbands, originelle Halsketten und esoterische Literatur.
Wiederum betrieb ich manches ernster (Comics) und anders nachlässiger (Ketten), und durch manches machte ich mich abermals zum Gespött, so beispielsweise, als ich den Drummer der Band-deren-Name-mir-entfallen-ist-was-jedoch-keinen-Verlust-darstellt bei einer lockeren Backstageparty sehr freundlich und höflich um einen Drumstick bat und unter beschickertem Gelächter der Partyhelden um mich herum hochrot die Flucht antrat, als mir Sekunden zu spät klar wurde, welch amüsanter Scherz sich aus meiner Drumstickbitte herausholen ließ.
Heute sind die meisten Pictures verkauft, und die Rockstarschnipsel gammeln zusammen mit den Drumsticks unbeachtet in einer Schublade herum.
Nur von meinen Comics kann ich mich nicht trennen und füge dieser Sammlung mitunter sogar das ein oder andere gute Stück hinzu.
Davon abgesehen betrachte ich mich als geheilt.
Ich sollte aber an meine langjährige Sammel-Karriere denken, wenn ich mit verkniffenem Gesicht Nathalies unzählige kleine Steinchen vom Parkett fege, aus der Waschmaschine klaube und schmerzberührt um besonders spitze Steinchen mit nacktem Fuß herumhopse.
Mit irgendetwas muss einfach jede Sammel-Laufbahn beginnen, und Steine sind - seien wir ehrlich - nur unwesentlich langweiliger als Fussballsammelbildchen.