Archiv für Februar, 2008

Bei Fuß!

Februar 29, 2008

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by freakgirl

Ich trete zur Haustür hinaus und sehe einen Hund mit flatternden Ohren durch das offene Hoftor in unsere Einfahrt sausen.

Innerhalb von vier Sekunden geschieht folgendes:
Ich denke: “Wem gehört denn der Hund?”
Das Herrchen tritt abgehetzt ins Blickfeld und ruft: “Was machst du denn da!?”
Der Hund setzt einen großen Haufen mitten in den Hof.

Eine weitere Sekunde lang betrachten wir alle drei das Ergebnis in unterschiedlichen Abstufungen von Entsetzten, Irritation und Stolz.

Dann sage ich: “Brauchen sie eine Tüte?”, während das Herrchen gleichzeitig “Entschuldigen Sie, also, das hat er noch nie gemacht, wirklich, das tut mir leid…” stammelt.
Der Hund lässt sich zur Seite fallen und blinzelt in die Sonne.

Noch einmal drei Sekunden:
einer gähnt, eine lacht, und einer schämt sich immer noch.

Den Mund jetzt bitte ganz weit aufmachen

Februar 27, 2008

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by westpark

So ein Zahnarztbesuch steht ja ohnehin nicht sehr weit oben auf meiner Genussliste.

Wenn der Zahnarzt dann aber auch noch ständig Sätze murmelt wie “…das hab’ ich ja noch nie gesehen, das so was derartig blutet, das ist ja wirklich irre, haben wir da jetzt irgendwo reingestochen?, nein, das kann ja gar nicht sein, aber das ist schon sehr viel Blut, ich seh’ ja kaum noch was, ich glaube, da sollten wir jetzt doch mal spritzen, das tut jetzt vermutlich ein kleines bisschen weh…”, dann hält einen eigentlich nur noch der Bohrer in Schräglage davon ab, sich völlig enthemmt den üblichen Notwehrmechanismen zu ergeben.

Eine Zugfahrt, die ist lustig.

Februar 25, 2008

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by pittigliani2005

Nach vierstündiger Zugfahrt stelle ich folgendes fest:

Wenn man das Glück hat, mit Kind ein freies Abteil zu finden, dann werden viele Leute mit langem Gesicht durch die Scheibe starren, aber niemand wird es wagen, einen der verbliebenen vier Sitze für sich zu beanspruchen.

17 Pixi-Bücher sind um einiges schneller durchgelesen als gedacht.

Beim “Abteil-Verstecken” bieten sich nur bedingt viele Möglichkeiten, um gänzlich zu verschwinden, und es erfordert eine oscarreife Mimik, um auch beim fünften Mal noch überrascht zu gucken, wenn das Kind seinen Kopf unter den Sitzen hervorstreckt.
(Dank dieses schönen Spiels verließ Nathalie den Zug mit einem halben Kilo Staubflusen in Kleidung und Haar.)

Statt “Grüß Gott, die Fahrscheine bitte” heißt es “Grüß Gott, ja, hallo, hast Du schon eine eigene Fahrkarte?”
Dann stellt der Kontrolleur dem Töchterlein eine Kinderfahrkarte mit Bär auf der Vorderseite aus, stempelt diese und verläßt winkend und lächelnd das Abteil. Zwei Minuten später kommt er noch einmal verlegen grinsend zurück, um auch meine Fahrkarte zu begutachten.

Eine Dreijährige davon zu überzeugen, dass der Brezel-Mann, der vage “Möchten Sie eine Brezel?” ins Abteil hineinrief, nichts zu verschenken gedenkt, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das sich anschließende knapp fünfminütige Schmollen enthebt mich aber immerhin eines weiteren UNO-Spiels, und ist insofern nicht nur negativ zu bewerten.

Mein “Zugfahrten-Müdigkeits”-Gen hat sich leider nicht vererbt.

Nicht doof.

Februar 22, 2008

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by Green Heat

4.40 Uhr
Nathalie: Mama?
Kira: Hmmm?
Nathalie: Bist Du wach?
Kira: Hmmm?
Nathalie: Bist Du wach, Mama?
Kira: Mh-mh.
Nathalie: Doch, Du bist wach, Mama.
Kira: …
Nathalie: Steh’n wir auf?
Kira: Nein.
Nathalie: Ich WILL aber aufsteh’n , Mama.
Kira: Nathalie, schlaf noch ein bisschen. Es ist mitten in der Nacht.
Nathalie: Ich will aber aufsteh’n!
Kira: Pass auf, noch einmal Augen zumachen, und wenn Du das nächste Mal aufwachst, dann steh’n wir auf.
Nathalie: Einmal Augen zumachen?
Kira: Und schlafen!
Nathalie: Gut.

5.07 Uhr
Nathalie: JETZT steh’n wir auf!
Kira: Hm?
Nathalie: Jetzt steh’n wir auf, Mama. Du hast gesagt, noch einmal Augen zumachen, und dann steh’n wir auf.
Kira: Du hast die Augen gar nicht zugemacht.
Nathalie: Doch.
Kira: Aber nicht geschlafen.
Nathalie: DOCH!
Kira: (seufzt)
Nathalie: Steh’n wir jetzt auf, Mama?
Kira: …
Nathalie: Mama? Steh’n wir jetzt auf?
Kira: Steh alleine auf.
Nathalie: (nölig) Ich will aber, dass du mit aufstehst!
Kira: …
Nathalie: Steh jetzt auf, Mama!
Kira: Nathalie, wenn Du jetzt wach bist, dann steh’ alleine auf! ICH bin noch müde! Und ich will noch schlafen!
Nathalie: Ich hab’ Hunger!
Kira: Hol’ Dir eine Banane.
(Stille)
Nathalie: Ich muss Pipi.
Kira: Dann geh doch.
Nathalie: UND einen Stinker.
Kira: (schlägt die Augen auf)
Nathalie: Mama? Und einen Stinker. Kommst Du mit?
Kira: Nathalie, Du musst doch gar keinen Stinker.
Nathalie: DOCH!
Kira: (wälzt sich aus den Decken)
Nathalie: (tänzelt zum Bad)
Kira: (schleppt sich hinterher)
Nathalie: (sitzend) Kommt doch kein Stinker.
Kira: Hmpf.
Nathalie: Frühstücken wir jetzt, Mama?

5.23 Uhr
Frühstück.

Sammelsammelsammel

Februar 20, 2008

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by Fenchurch!

Ich habe im Laufe meines Lebens irgendwann mal Tierpostkarten gesammelt. Und Gläser. Außerdem Stofftiere, Briefmarken, Porzellankatzen, Spardosen, Aufkleber, Fussball-Sammelbilder, Überraschungseifiguren, Kerzen, selbstkreierte Scherenschnitte, alles Garfielderdenkliche, jeden Schnipsel der Popgruppe A-HA und die Gummiverschlusspopstarnippelbildchen unter den Colaflaschen-Schraubverschlüssen, die a) nach Altglas rochen und b) sich mit keinem Kleber der Welt auf dem angeforderten Sammelposter für Gummiverschlusspopstarnippelbilchen befestigen ließen.

Mitunter besaß ich nur drei Exemplare (Porzellankatzen), anderes hatte ich doppelt bis dreissigfach (Fussballbilder). Manches betrieb ich ernster (Garfield), manches eher nachlässig (Spardosen). Die ein oder andere Sammelleidenschaft verlief gänzlich unauffällig (Postkarten), durch andere brachte ich mich in denkbar peinliche Situationen, so beispielsweise, als ich ganz zu Beginn meiner Briefmarkeneuphorie im Postamt von jeder Sorte der gängigen Feld-Wald-und-Wiesen-Abroll-Briefmarken eine verlangte und die Dame am Schalter überdies ernsthaft darum bat, alle Briefmarken mit einem Poststempel zu versehen, da ich gelesen hatte, das gestempelte Briefmarken wertvoller seien (irgendetwas tief in mir rollt sich noch heute verlegen zusammen, wenn ich an den Blick der Postbeamtin denke).

Mit etwa sechzehn Jahren hatte sich das meiste in Luft aufgelöst. Es wurde verschenkt (Stofftiere), verbraucht (Kerzen) oder entsorgt (Aufkleber).
Mit wahrem Eifer sammelte ich nunmehr Picture-LPs, Comicalben, Drumsticks, jeden Schnipsel meiner favorisierten Rockbands, originelle Halsketten und esoterische Literatur.
Wiederum betrieb ich manches ernster (Comics) und anders nachlässiger (Ketten), und durch manches machte ich mich abermals zum Gespött, so beispielsweise, als ich den Drummer der Band-deren-Name-mir-entfallen-ist-was-jedoch-keinen-Verlust-darstellt bei einer lockeren Backstageparty sehr freundlich und höflich um einen Drumstick bat und unter beschickertem Gelächter der Partyhelden um mich herum hochrot die Flucht antrat, als mir Sekunden zu spät klar wurde, welch amüsanter Scherz sich aus meiner Drumstickbitte herausholen ließ.

Heute sind die meisten Pictures verkauft, und die Rockstarschnipsel gammeln zusammen mit den Drumsticks unbeachtet in einer Schublade herum.
Nur von meinen Comics kann ich mich nicht trennen und füge dieser Sammlung mitunter sogar das ein oder andere gute Stück hinzu.

Davon abgesehen betrachte ich mich als geheilt.

Ich sollte aber an meine langjährige Sammel-Karriere denken, wenn ich mit verkniffenem Gesicht Nathalies unzählige kleine Steinchen vom Parkett fege, aus der Waschmaschine klaube und schmerzberührt um besonders spitze Steinchen mit nacktem Fuß herumhopse.
Mit irgendetwas muss einfach jede Sammel-Laufbahn beginnen, und Steine sind - seien wir ehrlich - nur unwesentlich langweiliger als Fussballsammelbildchen.

Sorgen

Februar 18, 2008

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by bowbrick

Manchmal reichen zehn Sekunden, und niemandem ist mehr nach einem heiteren Schwank zumute.

Lasset uns singen, tanzen und springen

Februar 16, 2008

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by Stacy Lynn Baum

Heute ist Frühlingsbeginn!

Ich hab’ Tulpen gekauft.

In stiller Ehrfurcht

Februar 14, 2008

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by olli_steinmann

Ich lese gerade von Schätzing “Der Schwarm”.
Seitdem bin ich in der Lage, mir jederzeit eine dreißig Meter hohe Welle am Horizont vorzustellen, was sich ein klein wenig belastend auf meine Lebensqualität legt.

Abgesehen davon verharre ich mental in einer Art Dauerkniefall vor Schätzings Werk und lege etwa alle drei Seiten eine kleine Pause ein, um mir zum wiederholten Male ins Gedächtnis zu rufen, dass dieses geballte Wissen, diese Fülle an Informationen, diese Mischung aus Sachverstand und Fiktion zu alledem auch noch mitreißend geschrieben ist. Ich habe jetzt knapp 500 Seiten gelesen und damit gut die Hälfte des Buches durch, und noch immer galoppiere ich so derart rasant über die Sätze, dass ich nach dem Überfliegen des Wortes “Ende” vermutlich das komplette Buch noch einmal lesen sollte, um auch das fehlende Drittel noch zu erfassen, welches ich bei meiner derzeitigen Lesegeschwindigkeit schlicht überspringe.

Ich überspringe, weil ich wissen muss, wer den Orca-Angriff überlebt. Und warum die Hummer explodieren. Wie ergeht es Anawak bei seinem nächtlichen Tauchgang, und was sieht Stone, als er sich in einer Acrylkugel 900 Meter tief im Meer versenken lässt?
Und wenn ich nicht bald erfahre, was es mit dieser blauen Wolke auf sich hat und woher sie kommt und welches Ziel sie verfolgt, dann kann ich nicht dafür garantieren, dass ich nicht nur jeden dritten Satz, sondern gleich dreihundert Seiten überspringe, um rückgratsloserweise das Ende zu lesen, Herrgottnochmal!

Ähnlich ergeht es mir übrigens, wenn ich John Irving lese. Oder Henning Mankell. Matt Ruff. Oder Terry Pratchett (ein Extra-Kniefall für Terry Pratchett).

Pratchett hat mittlerweile über vierzig Bücher geschrieben. Ich besitze sie alle. Ich habe jedes bereits mehrere Male gelesen, und ich stelle fest: er wird immer noch besser.
Wie macht er das nur? Was unterscheidet sein Hirn von meinem? Wieso hat er bereits etwa 20.000 Seiten verfasst und schreibt vermutlich gerade drei Bücher gleichzeitig, während ich nach 316 Wörtern, wie wordpress mir das hier gerade freundlicherweise mitteilt, bereits wieder am Ende dieses Blogeintrags feile?

Nun gut, er wird ein bisschen mehr Zeit investieren, als grob geschätzte sieben Minuten.
Die bittere Wahrheit ist jedoch folgende: Sollte man uns beide rumpelstilzchenlike über Nacht mit einem Rechner jeweils in einen leeren Raum einschließen, so hätte Pratchett am Morgen vermutlich die ersten 200 Seiten eines neuen Romans aus der Hüfte geschossen, und ich wäre beim intensiven Nachdenken über einen prägnanten ersten Satz gegen elf eingeschlafen.

Can’t stop grummeling

Februar 11, 2008

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by left_handed_male

Ungerecht.

Ich bin heute morgen etwas arg leichtfertig auf einen Radweg eingeschwenkt. Schwerpunktmäßig war ich eindeutig eher in eine Diskussion mit Nathalie vertieft, die mit vielen “Warums” gerade die Satzfolge “Die Sonne geht auf” auseinander nahm und sehr vehement für “Die Sonne geht HOCH” plädierte.
Mein Fehler.

Dadurch übersah ich einen anderen Radfahrer, der allerdings - dies sei zu meiner Ehrenrettung erwähnt - auf der falschen Seite fuhr.
Sein Fehler.

Er schrie erbost “Achtung!”, ich schrie erbost “Das gibt’s doch nicht!”, dann rauschten wir haarscharf aneinander vorbei und anschließend, dem anderen die Pest an den Hals wünschend, weiter in den Tag hinein.
Bis hierhin besteht ein einigermaßen faires Patt.

Nur hatte der den Vorfall bestimmt sieben Sekunden später bereits vergessen, und ich mache gerade einen Blogeintrag daraus.

Ungerecht, ungerecht, ungerecht.

Was bin ich?

Februar 8, 2008

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by goatopolis

Ich habe gerade ein bisschen blog-quergelesen und bin bei luckyjack über einen Persönlichkeitstest gestolpert, durch den ich herausfand, dass ich ein “Spontaner Idealist” bin und damit “spontan, begeisterungsfähig, idealistisch, extrovertiert, theoretisch, gefühlsbetont, emotional, locker, freundlich, optimistisch, charmant, enthusiastisch, hilfsbereit, selbständig, individualistisch, kreativ, dynamisch, lebhaft, humorvoll, lebensfroh, fantasievoll, wechselhaft, wandlungsfähig, loyal, sensibel, inspirierend, gesellig, kommunikativ, sprunghaft, neugierig, offen und verletzlich”.

Selten war es so einfach, mit so wenigen Tastenhieben eine solche Flut Wohlmeinendes über sich zu ergießen.