Archiv für März, 2008

Die bittere Realität

März 31, 2008

1508775337_f017388b2b_m.jpg
by Chris (archi3d)

“Kühe!”, juchzt mein Stadtkind und eilt, so schnell die Gummistiefel es erlauben, auf die grasenden Tiere zu.
Kurz bevor es das Gatter erreicht, hebt eines von ihnen den Kopf und lässt ein ohrenbetäubendes “Muuuuuuuööööuuuh!” ertönen. Dieser Laut weist keinerlei Ähnlichkeit mit dem freundlichen “Muuh” auf, das ich immer mache, wenn wir uns zusammen das Wieso-Weshalb-Warum-Bauernhofbuch ansehen, sondern erinnert stark an ein außer Kontrolle geratenes Martinshorn, was wiederum den Erstkontakt leider sehr empfindlich trübt.

Meine ganz persönliche Nachdruckverleiherin

März 29, 2008

29243563_2fa0d749cb_m.jpg
by waɪ.tiː

Egal, über welches Thema mein Mann und ich derzeit diskutieren, Nathalie verhilft mir jedes Mal zu einem “2:1″-Ergebnis.
Geraten wir beim Mittagessen über die Vor- und Nachteile eines Wikis gegenüber des klassischen Forums aneinander, wirft das Kind mit ernster Miene hin und wieder “Also, Papa! Die Mama hat Recht, oder Mama?” ein, und bequemerweise nicke ich dann einfach.

Begeistert und unkritisch geißelt unsere Tochter den Gatten für die falsche Lieblingsfarbe und weist ihn mitleidlos darauf hin, dass die Silberlöffel in der Spülmaschine nichts verloren haben. Ich persönlich finde das ja schon irgendwie sehr niedlich, meinen Mann dagegen beschleichen vermutlich hin und wieder Inquisitionsgefühle, vor allem wenn Nathalie ihrem Papa bis ins Schlafzimmer hinterhermarschiert, um ihn einigermaßen penetrant über seine Rechte hinsichtlich der im Bad auf dem Fußboden liegenden Socken aufzuklären.
Sollte Nathalie einmal rein akustisch so wenig mitbekommen haben, dass es ihr nicht gelingt, meine letzten Worte mit vorwurfsvollem Unterton zu wiederholen, dann übt sie sich zumindest in beinahe ebenso vorwurfsvollem Nicken und Augen aufreißen.

Im Bezug auf Nathalie selbst ist mein Wort jedoch leider nicht Gesetz. Wenn ich also zum Mann sage, er solle doch bitte die Handtücher nach dem Abtrocknen wieder ordentlich über die Stange hängen, dann nickt die Tochter gewichtig und wirft strafende Blicke in Papas Richtung. Stelle ich jedoch im Anschluss fest, dass selbiges natürlich auch für Nathalie gilt, erhalte ich einen ungläubigen Blick und ein entrüstetes “Aber dazu bin ich noch zu jung, Mama!”

Nun ja.
Man kann halt nicht alles haben.

Gut Ding will Weile, Ausdauer und ein dickes Fell haben

März 27, 2008

1366937217_dfe75f9877_m.jpg
by clry2

Ich mach’ mir Sorgen und geh’ zum Arzt.
Arzt 1: Ach, das kann ganz harmlos sein. Muss aber natürlich nicht. Wenn es Sie beunruhigt, dann gehen Sie doch zu Arzt 2.

Ich mach’ mir Sorgen und geh’ zu Arzt 2.
Arzt 2: Ja, hm, ja, das ist schon seltsam, aber da kann ich jetzt gar nix machen. Gehen Sie doch am besten zu Arzt 3.

Ich mach’ mir Sorgen und geh’ zu Arzt 3.
Arzt 3: Also, das muss eindeutig mit einer krassen Methode behandelt werden! Am besten sofort!

Ich mach’ mir Sorgen und will eine Zweitmeinung:
Arzt 4: Ja, da wäre ich auch für die krasse Behandlungsmethode, aber VORHER unterziehen Sie sich vielleicht doch am besten einer aufwändigeren Untersuchung bei Arzt 5.

Ich mach’ mir Sorgen und unterziehe mich einer aufwändigeren Untersuchung bei Arzt 5.
Arzt 5: Also, die aufwändige Untersuchung zeigt, dass eigentlich alles in Ordnung sein müsste. Was kam denn bei der völlig banalen und sehr naheliegenden Untersuchung heraus?

Ich: ???

Arzt 5 verkneift sich ehrenhaft jeden Kommentar zu den Empfehlungen und Diagnosen der Ärzte 1-4, wendet innerhalb von fünfzehn Minuten die banale und naheliegende Untersuchungsmethode an, die jeder einzelne der vorhergehenden Ärzte auch hätte anwenden können, und wir beide erfahren dadurch: Alles ist gut.

Adrenalinschübe

März 25, 2008

519308688_8df65fd9a6_m.jpg
by SiFu Renka

Verständlich:
Ich: Nathalie, wenn Du nur noch mit Deinem Essen spielst, dann räum’ ich jetzt ab.”
Kind: DU BIST HIER NICHT DER BESTIMMER!

Verständlich:
Ich: Du ziehst auf gar keinen Fall bei diesem Wetter die Sandalen an!
Kind: DU BIST HIER NICHT DER BESTIMMER!

Verständlich:
Ich: Putz deine Zähne.
Kind: DU BIST HIER NICHT DER BESTIMMER!

Nicht mehr ganz so verständlich:
Ich: Nein, das ist keine Gans. Das ist ein Schwan.
Kind: DU BIST HIER NICHT DER BESTIMMER!

Nicht mehr ganz so verständlich:
Ich: Vorsicht, es ist noch heiß.
Kind: DU BIST HIER NICHT DER BESTIMMER!

Unverständlich:
Ich: Ja, iss es doch, wenn du magst.
Kind: DU BIST HIER NICHT DER BESTIMMER!

(Und ich dachte, die “Mach mich nicht an!”-Phase kommt erst so mit dreizehn.)

Frohe Ostern!

März 23, 2008

450385547_cd81dcb72a_m.jpg
by Mundoo

(Irgendjemand eine Idee, was man mit gefühlten 117 hartgekochten Eiern machen soll?)

Fremdgepostelt

März 21, 2008

Das ist meine:

dsc02740.jpg

Die hab’ ich von Koljas Mama erhalten und ich hab’ mich sehr gefreut - vielen Dank!
(Ich hoffe, ich finde auch noch heraus, wohin es meine Karte verschlagen hat)

Vielen Dank an Pia für diese gute Idee!

Für alle Nicht-Fremdpostler:
Eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Bloggern (und auch einige Nicht-Blogger) haben Pia Postkarten zukommen lassen, handbeschriebene natürlich, die Pia dann einem Empfänger zugelost und wieder in die (Blogger)Welt versendet hat.

Postkarten-Wichteln, sozusagen.

Wie mies ist das denn?

März 19, 2008

590282161_b55e35fa60_m.jpg
by Kaptain Kobold

Das Kind ist um zwanzig nach sechs wach, ich nicht.
Nichtsdestotrotz stehe ich verschlafen im Badezimmer und versuche unter Zuhilfenahme von kaltem Wasser einen halbwegs aufnahmefähigen Zustand zu erreichen.

Ich greife zum Handtuch und nähere es meinem Gesicht.
(An dieser Stelle bitte den Soundtrack von “Der weiße Hai” hinzudenken)
“Oh”, denke ich träge, “ein Fleck. Wo kommt…?!”
Der Fleck lässt sich fallen und rennt auf acht Beinen davon.

Der sich anschließende frühmorgendliche Ausnahmezustand sieht so aus:
Ich schreie und lasse das Handtuch fallen. Gleichzeitig springe ich nach hinten und bringe dabei den Wäscheständer zu Fall. Die Tochter erscheint im Türrahmen und schreit solidarisch mit. Die Wäsche begräbt die Monster-Spinne. Die Tochter versucht zu mir auf den Klodeckel zu steigen.

Ich entsinne mich meines pädagogischen Auftrags und bringe meine nackten Füße wieder in die Gefahrenzone. Mit Todesverachtung stelle ich den Wäscheständer wieder in seine ursprüngliche Position zurück und sehe am Boden keine Spinne. Der Gedanke, dass die es sich gerade in einem meiner T-Shirts gemütlich macht, bringt mich um. Zu allem Überfluss hängt heute auch noch die dunkle Wäsche an der Leine.

Was tun, was tun?
Mit meinem besten Pokerface rüttele ich zaghaft am Wäscheständer.
Nix passiert.
Ich rüttele stärker.
Nathalie deutet auf den galoppierenden Achtbeiner zu meinen Füßen.
Diesmal schreie ich nicht, hüpfe aber dennoch ziemlich weit.

Minuten später sitzt das Tier draußen und ich mit aufgestelltem Haar zusammen mit der Tochter am Frühstückstisch.

Notiere: Spinnen-Phobie leider immer noch nicht überwunden.

Happy Birthday!

März 17, 2008

402271358_7854c438de_m.jpg
by jek in the box

Ich habe

  • Einladungen besorgt
  • Einladungen geschrieben
  • das Kind animiert, die Einladungen mit einem selbstgemalten Bild zu versehen
  • Einladungen verteilt/verschickt
  • die Eingeladenen angerufen, um zu erfahren, wer kommen wird
  • eingekauft
  • noch mehr eingekauft
  • noch einmal eingekauft
  • ziemlich viel eingekauft
  • Geschenke verpackt
  • Blumen besorgt
  • die Geburtstagsdekoration rausgekramt
  • dekoriert
  • Hasenplätzchen gebacken
  • einen Schokoladenkuchen gebacken
  • den Schokoladenkuchen in liebevoller Kleinstarbeit verziert
  • Schmetterlings- und Kükenplätzchen gebacken
  • Zuckerguß in bunten Farben angerührt und Schmetterlinge/Küken damit bepinselt
  • einen Marmorkuchen gebacken
  • Smarties mit Zuckerguß auf den Marmorkuchen geklebt
  • eifreie Plätzchen gebacken für den geladenen Freund, der leider kein Ei verträgt
  • Spiele geplant
  • Spiele umgeplant
  • sicherheitshalber noch mehr Spiele geplant
  • am Tag der Tage gesungen, getanzt, gespielt, gejubelt, beschwichtigt, einen umgeknickten Finger verarztet, Spagetti gekocht, sieben Kleinkinder entertaint, geschätzte drei Liter Wasser/Saft aufgewischt und als einzige Erwachsene zwischen all den anwesenden Müttern/Vätern “Kräht der Hahn früh am Morgen” gesungen
  • AUFGERÄUMT
  • spät in der Nacht noch einen Kuchen gebacken, diesmal für den Kindergarten
  • das Kind samt Kuchen mit dem Fahrrad zum Kindergarten gefahren
  • einen GROSSEN Haken an das Thema “der 4. Geburtstag” gesetzt.
  • Jetzt fühle ich mich ein bisschen erschöpft.

    Lug und Trug

    März 15, 2008

    2316016361_9a88885c4c_m.jpg
    by tolek20

    Ich kämpfe mich gerade mit dem Rad durch Regen und Wind, da ertönt des Töchterleins Stimme vom Kindersitz:
    “Mama, der Tobias hat heute gesagt, es gibt gar keinen Osterhasen!”

    “Ach, wie schade”, denke ich, “noch keine vier, und schon dahin, diese schöne Mär.”

    “Der hat gesagt, alles wird nur von den Mamas versteckt. Oder von den Papas.”, fährt Nathalie fort.

    Bekümmert trete ich in die Pedale und suche noch nach den richtigen Worten, als von hinten schäbiges Lachen ertönt:
    “Hähähä, der ist aber doof, Mama, oder? Der weiß gar nicht, dass es einen Osterhasen gibt.”

    Na dann.

    Klaps

    März 13, 2008

    36259859_0b122847f0_m.jpg
    by Vivian 81

    In verschiedenen Blogs wird das Thema “körperliche Gewalt gegenüber Kindern” gerade differenziert diskutiert.

    Meine Meinung dazu:

    (S)Ein Kind zu schlagen ist nicht in Ordnung und durch keine wie auch immer geartete Situation zu rechtfertigen.
    Generell halte ich körperliche Gewalt nahezu in jeder Situation für indiskutabel, Notwehr ausgenommen.

    Der Hinweis, psychische Gewalt sei ebenso drastisch, ist richtig, hat aber nichts damit zu tun, dass körperliche Gewalt immer zu verurteilen ist. Die Tatsache, dass es “Schlimmeres” gibt, macht Schlechtes nicht besser.

    Ich maße mir nicht an zu behaupten, dass ich mein Kind niemals schlagen werde, und ich gebe zu, als Nathalie mit ihrem Schädel mein Nasenbein brach, hielt mich nur der unmittelbare Schmerz davon ab, sie ziemlich heftig von mir zu stoßen. Aber es ist tatsächlich mein erklärtes Ziel, mich niemals so sehr zu vergessen.

    Sollte ich dennoch so weit gehen, zu schlagen/ klapsen/ patschen/ was auch immer, dann werde ich - sobald ich mich dazu in der Lage sehe - zu meinem Kind sagen:

    Es tut mir leid.
    Es war falsch, was ich da getan habe, und ich entschuldige mich bei dir.

    Es wird keine Variante von “Aber du hast es dir selbst zuzuschreiben” geben.

    Ich will weder ein Kind, dass Angst vor meinen Schlägen haben muss, noch möchte ich, dass in meinem Kind die Überzeugung reift, dass es “unter bestimmten Umständen” Schläge “verdient” hat.