
by FWnetz
Letzte Nacht musste ich mal wieder feststellen, dass es viele Methoden gibt, jemanden rabiat aus den Schlaf zu reißen. Im Zeichen des Frühlingsfestes prügelten sich zwei angetrunkene Individuen direkt vor meinem Schlafzimmerfenster. Zur Versöhnung mussten beide singen.
Das toppt beinahe den übereifrigen Müllmann, der regelmäßig die Tonne morgens um fünf auch noch ein viertes Mal nach oben brettern lässt, damit dann wirklich die letzte Apfelschale draußen ist. Ihn und seinen Kollegen im Kehrwagen, der mit einer an Wahnsinn grenzenden Ordnungsliebe unsere Straße mit großem Getöse bis zu vier, fünf Malen hin und auch wieder zurückfährt, möchte ich jeden Montag und Mittwoch am Kragen packen und sieben Straßen weiter werfen.
Ich gebe allerdings zu, dass mir alle, die vor’m Fenster vor sich hin lärmen, immer noch lieber sind als das eigene Kind, das mir mitten in der Nacht schlaftrunken an die Nase fasst und murmelt: “Ich hab’ Pipi gemacht.”
Oder, schlimmer: “Mir ist schlecht”, und dies dann sofort eindrücklich unter Beweis stellt.
(Sicherheitshalber klopfe ich mal gegen die hölzerne Obstschale. Das letzte unangenehme Erwachen dieser Art liegt nämlich viele, viele Monate zurück, und das darf auch so bleiben.)
Mit weitem Abstand an der Spitze steht aber der Pulk Feuerwehrleute, der eines sehr späten Abends mit Blaulicht, Sirenengeheul und vier Einsatzwagen anrückte.
Durch gellende Martinshörner aus dem Schlaf gerissen öffnete ich die Augen und sah das Zimmer in blitzendes Blau getaucht. “Wo wollen die denn alle hin?”, dachte ich schlaftrunken und hangelte mich träge zum Fenster, um festzustellen:
Die wollen nirgendwo mehr hin.
Die sind schon alle da.
Mit Atemmasken und schwerem Gerät rannte ein Trupp gerade in unsere Einfahrt, und nunmehr hellwach schossen mir die Gedanken “Wo ist das Feuer?”, “Wo ist mein Kind?” und “Soll ich mit Nathalie zusammen am besten gleich aus dem Fenster springen?” in etwa zeitgleich durch den Kopf.
Ich kann nicht beschwören, dass ich genau dies nicht in den nächsten Sekunden getan hätte, aber glücklicherweise klingelte es in diesem Moment.
An der Tür ein Feuerwehrmann, der mich fragte, ob ich diesen Noteinsatz ausgelöst habe und ob mir in meiner Wohnung ein Brand aufgefallen sei.
Als Meisterin im Irritiert-gucken machte ihn mein Gesicht sehr schnell klar, dass er bei mir nicht an die richtige Adresse geraten war, und er ging, um sein Glück woanders zu versuchen.
Letztlich wurde der Alarm offenbar von einem Scherzkeks ausgelöst.
Selbigem wünsche ich, dass er nachts gegen drei feststellen muss, dass sein Bett brennt.