Rosen, Tulpen, Nelken…
Mai 30, 2008Gestern lag in Nathalies Kindergartenfach ein Poesiealbum.
Mit “Häh?”-Gesichtsausdruck machte ich mich ans Durchblättern und stellte fest, dass zwischen vereinzelten Gedichten von offenbar nahestehenden Verwandten die Seiten mit selbstgemalten Bildern gefüllt waren.
Irgendwie eine nette Idee.
Auch wenn man sich darüber streiten könnte, ob bei dem zwei Quadratzentimeter umfassenden Buntstiftklecks oder dem minimalistischen blauen Schnörkel dem jeweiligen Künstler der Ernst der Lage bewusst war - schließlich wird dieses Album eventuell auch noch Jahrzehnte später zur Hand genommen werden.
Ich besitze noch sämtliche Poesiealben meiner Kindheit und frühen Jugend, gefüllt mit Stickern, schiefen Herzen und Gedichten in Schönschrift auf unzulänglich wegradierten Bleistiftlinien. Viele Ecken sind geknickt, darauf steht beinahe immer “Nicht gucken!” und darunter natürlich “Hast ja doch geguckt!” - immer wieder lustig und immer wieder schön.
Nach den Poesiealben schwammen wir dann ziemlich lange auf der “Ich-Buch”-Welle, in denen man sich über Lieblingsschauspieler, Lieblingsfarben und Lieblingstiere auslassen konnte. Nachdem mir bezüglich letzterem klar wurde, dass Hunde gerne mit anhänglicher Dusseligkeit gleichgesetzt wurden, stieg ich auf die eigenwillige und unabhängige Katze um, lag damit aber selbstverständlich immer noch sehr im Mainstream (wenn auch nicht ganz so sehr wie die Mädchen, die immer noch “Pferd” einsetzen und daher nicht ernst zu nehmen waren).
Danach schrieb man nur noch Tagebuch.
Schade eigentlich.
Irgendwie hat es was, auf wenigen Seiten die gesamte dritte Klasse wieder aufleben lassen zu können.
Hmhmhm… vielleicht sollte sich die ein oder andere dort draußen mal überlegen, was sie einer Mitte Dreißigjährigen ins Poesiealbum schreiben würde.







