Archiv für Mai, 2008

Rosen, Tulpen, Nelken…

Mai 30, 2008


by avianto

Gestern lag in Nathalies Kindergartenfach ein Poesiealbum.
Mit “Häh?”-Gesichtsausdruck machte ich mich ans Durchblättern und stellte fest, dass zwischen vereinzelten Gedichten von offenbar nahestehenden Verwandten die Seiten mit selbstgemalten Bildern gefüllt waren.

Irgendwie eine nette Idee.
Auch wenn man sich darüber streiten könnte, ob bei dem zwei Quadratzentimeter umfassenden Buntstiftklecks oder dem minimalistischen blauen Schnörkel dem jeweiligen Künstler der Ernst der Lage bewusst war - schließlich wird dieses Album eventuell auch noch Jahrzehnte später zur Hand genommen werden.

Ich besitze noch sämtliche Poesiealben meiner Kindheit und frühen Jugend, gefüllt mit Stickern, schiefen Herzen und Gedichten in Schönschrift auf unzulänglich wegradierten Bleistiftlinien. Viele Ecken sind geknickt, darauf steht beinahe immer “Nicht gucken!” und darunter natürlich “Hast ja doch geguckt!” - immer wieder lustig und immer wieder schön.

Nach den Poesiealben schwammen wir dann ziemlich lange auf der “Ich-Buch”-Welle, in denen man sich über Lieblingsschauspieler, Lieblingsfarben und Lieblingstiere auslassen konnte. Nachdem mir bezüglich letzterem klar wurde, dass Hunde gerne mit anhänglicher Dusseligkeit gleichgesetzt wurden, stieg ich auf die eigenwillige und unabhängige Katze um, lag damit aber selbstverständlich immer noch sehr im Mainstream (wenn auch nicht ganz so sehr wie die Mädchen, die immer noch “Pferd” einsetzen und daher nicht ernst zu nehmen waren).

Danach schrieb man nur noch Tagebuch.
Schade eigentlich.
Irgendwie hat es was, auf wenigen Seiten die gesamte dritte Klasse wieder aufleben lassen zu können.
Hmhmhm… vielleicht sollte sich die ein oder andere dort draußen mal überlegen, was sie einer Mitte Dreißigjährigen ins Poesiealbum schreiben würde.

Zum wahnsinnig werden.

Mai 28, 2008

Wer kennt diese Werbung?

So, nun kennt sie jeder.

Dann kann auch jeder jetzt nachfühlen, wie ich mich die letzte halbe Stunde am Telefon gefühlt habe.

(Es endete übrigens so:

Klammer zu)

Muttersorgen

Mai 26, 2008


by UwePhilly

Mein Kind wird heute das erste Mal vom Kindergarten “fremdabgeholt” und verbringt den Nachmittag mit ihrer Freundin.
So mein Plan.
Nicht aber unbedingt der Plan der Tochter.

Wenn ich nun aber doch WEISS, dass es für sie wichtig ist, neue Erfahrungen machen zu können - und ich halte gerade die Erfahrung “Ich kann auch mal einen Tag ohne Mama sein und es macht trotzdem Spass” für wichtig - warum bringt mich dann mein Kind auf dem Fahrrad-Rücksitz so aus der Fassung, das unsicher “Ich hab’ Bauchweh” murmelt?

“Ich hab’ Bauchweh” steht für “Ich hab’ Angst”, “Ich fühl’ mich traurig”, “Ich bin unsicher” und natürlich manchmal auch für “Ich hab’ Bauchweh”.
Leider blinkt nicht immer die dazugehörende Aussage in einer Gedankenblasen über dem Schopf meines Kindes auf, und jetzt sitze ich hier und frage mich: welche Gedankenblase auch immer aufgeblitzt wäre - hätte ich das Mädchen-Treffen nicht absagen sollen?

Wenn man nur die Wahl zwischen “übertüdelig” und “gnadenlos” hat, fällt die Entscheidung schwer.

HR 4 - mein Radio

Mai 23, 2008


by d.mies

“Ich hab die Haare mal anders gefönt
und mir neue Strähnchen getönt.
Ja, ich probiere mal gerne was aus,
weil ich soooo veeeerliiiiiebt bin.”

Das läuft hier gerade im Radio.
Zu meiner Verteidigung: wir verbringen ein paar Tage bei Nathalies Großeltern.
Zu deren Verteidigung: sie befinden sich nicht im Raum.
Wie der Radiosender sich verteidigen will, ist mir schleierhaft.

Anderes Lied, ähnliche IQ-Vorgabe:

“Komm unter meine Decke,
hab’ doch ein bisschen Mut,
und wenn ich mich dann recke und strecke,
wirst du seh’n wie guuuut das tuuut.”

Die meisten Lieder kommen mit einem erstaunlich begrenzten Wortschatz aus. “Ich”, “Du”, “Sonne” und “Liebe” reichen meist aus, um mit unwesentlichen Füllworten erstaunlich schlichte Kreationen zu gestalten.
“Ich und Du, die Sonne dazu” - was will das Herz mehr?

Ach ja, “Herz” ist natürlich auch ganz wichtig, “lieben” reimt sich meist auf “fliegen” und nahezu allen weiblichen Interpreten gelingt es, mit wenigen Worten bei Frau Schwarzer einen Heulkrampf auszulösen.
Ich könnte jetzt einfach auf die eingangs erwähnten Zeilen verweisen, aber da es nur wenige Minuten Hinhören kostet, setze ich noch nach mit:

“Heute bin ich voller Glück,
denn er kommt zu mir zurück!”

Oder:

“Ich will nicht länger nur dein Geheimnis sein,
lass mich doch bitte in dein Leben rein.”

Sogar ich bin ganz entsetzt, und ich lege auch manchmal den Kopf schief und lächle doof, wenn ich mit einem eitlen männlichen Selbstdarsteller plaudere.

“Schaltet doch mal das Hirn ein,
das kann doch wohl nicht alles sein,
Sonne, Liebe, ich und Du, viel Herz.

Schon mal drüber nachgedacht,
dass dort draußen jeder lacht,
sofern er sich nicht windet - vor Schmerz.”

(by Kira - Vokale dürfen an jeder beliebigen Stelle überdehnt und gezogen werden)

Erschreckend.

Mai 20, 2008


by -bast-

Manchmal kann man mich in der Küche sehen, eine Hand am Griff der gerade geöffneten Schranktür, den Blick ins Nirwana gerichtet.
Ich habe vergessen, was ich eigentlich wollte, aber es dauert seine Zeit, bis ich mir das eingestehen kann.

Werd’ ich jetzt alt oder schlaf’ ich nur zu wenig?

Supersize me

Mai 18, 2008


by purplekey

Ich habe einen Termin, und ich bin zu früh.
Eine perfekte Kombination, wenn sich direkt neben dem Treffpunkt eine Eisdiele befindet.

Ich liebe Eisdielen.
Genau genommen liebe ich Eis, und besonders begeistern kann ich mich, wenn ich neue Sorten entdecke. Entsprechend beglänzt stehe ich nun in dieser wunderbaren, niegelnagelneuen Eisdiele und kann mein Glück kaum fassen. “Weißer Trüffel”, steht da, “Caramel-Mandel” und “Marzipan-Kirsch”.

Was nehmen, was nehmen?
Eigentlich bestelle ich immer nur zwei Kugeln, das ist ein ungeschriebenes Gesetz und reiner Selbstschutz. Brav hebe ich also an: “Ich hätte gerne zwei Kugeln…”, und dann fügt der giernickelige Teil schnell noch ein “…ach nein, doch drei!”, hinzu, weil er nämlich gerade “Nuss Nougat mit Schokosplittern” entdeckt hat.

Verliebt studiere ich die Auslage und habe bereits meine Wahl für das nächste Mal getroffen, als mir der Verkäufer mein Eis über die Glastheke reicht. Mein Blick fällt gleichzeitig auf die monströse Waffel und die bisher übersehene Aufschrift “Riesenkugeln - nur 1,20!”.

Und wenn sie schreiben “Riesenkugeln” dann meinen sie auch “Riesenkugeln”. Aus dieser Eismenge ließen sich locker neun Kugeln zaubern, und entsprechend peinlich berührt schiebe ich mich damit nach draußen. Da es ein Ding der Unmöglichkeit ist, diese XXXL-Waffel dezent vor mir herzutragen muss ich mich unter diversen entgeisterten Blicken winden, bevor ich endlich eine ruhige Seitenstraßen ansteuern kann, um in einem sonnigen Hauseingang den Kampf aufzunehmen.

Überflüssig zu erwähnen, dass ich verliere. In den letzten Minuten lege ich nur noch meinen Ehrgeiz in den Versuch, zumindest einmal die in der Waffel vergrabene erste Kugel zu probieren, ohne dass mir der Rest auf die Füße fällt. Und dann wandern gefühlte zwei Kilogramm Eis in die Tonne.
Traurig.
Ob sie auch halbe Bällchen machen?

Dreistigkeit kreuzt.

Mai 16, 2008


by riklomas

“Blödes Kamel”, sagte die ältere Dame zu mir.

Offenbar einer spontanen Eingebung folgend war sie gerade auf den Radweg getrippelt, und ich wäre bei meiner Vollbremsung nicht nur beinahe mit einem Laternenmast kollidiert, sondern hatte auch noch mit einem Jackenzipfel ihre Tasche gestreift.

Auf die mehr verblüfft als wirklich zornig geäußerte Frage, wo denn bitte ihr Problem liege, solidarisierten sich allerdings gleich zwei Passanten mit der Greisin, und während diese unbehelligt auf die Straße schwankte und dort um ein Haar unter ein Auto geriet, musste ich mir auch noch von Menschen, die bis eben noch verträumt ihre Schuhspitzen bestaunten, sinnlose Raserei vorwerfen lassen.

Ich habe niemanden geschüttelt, ich wurde nicht laut, ich fuhr einfach nur nach Hause.
Sehr gut.
Die Ruhe selbst.

Vielleicht trete ich jetzt eine Tür zu, und dann geht’s weiter im Tag.

Hmpf.

Mai 14, 2008


by Groovnick

Ich finde ja, kleine Mädchen, die meinem Kind auf die Frage, ob sie heute zusammen spielen wollen, ein fröhliches “Nein!” entgegen schleudern, sollten verboten werden.

(Ich musste mich sehr zusammenreißen, um nicht an Stelle der Tochter “Wieso nicht!?” zu rufen, und “Du musst aber!”)

Eigentlich sehr einfach.

Mai 13, 2008


by philmciver

Am Samstag planten wir ein langes Wochenende am Achensee.
Wir gingen ins Detail.
Ein Campingurlaub sollte es werden, und wir hatten an alles gedacht. Im Bus stapelten sich Wechselklamotten, Frühstücksutensilien, Sonnencreme und Sandspielzeug. Die Picknickdecke polsterte das Laufrad, der Helm lag neben dem Inliner-Equipment im Fach über dem Fahrersitz, und den Grill hatten wir zusammen mit drei Klappstühlen in einer sich durchaus bildlich vorzustellenden Hauruck-Aktion aus der hintersten Kellerecke geholt.

Beim Grillwürstchen-Einkaufen jedoch hatten wir uns ein wenig vergaloppiert. Das Vorhaben, der Tochter mal eben noch ein Paar Sandalen zu besorgen, wuchs sich zu einer überraschend langen Aktion aus, weswegen wir beschlossen, uns am Sonntag dann sehr, sehr früh auf den Weg zu machen.

Sonntagmorgen waren wir gerade damit beschäftigt, die letzten wichtigen Kleinigkeiten in die Taschen zu stopfen, als Nathalie plötzlich auf ein kleines Müsli bestand.
Wir hätten uns nicht dazusetzen sollen.
Als wir uns endlich auf den Weg machten, lagen wir nicht mehr ganz so gut in der Zeit. Wir beschlossen, dies durch eine rasante Fahrweise auszugleichen, mussten uns dann aber doch dem Stau unterordnen, der sich gleich nach München vor uns in die Länge zog.

Zwanzig Minuten vor unserer Ankunft begann es zu schütten wie aus Eimern.
Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir schnell aufgegeben hätten: gut verpackt saßen wir etwa zwei Stunden auf dem zum Campingplatz gehörenden Spielplatz, bevor wir frierend wieder nach Hause fuhren.
Der Achensee schimmert übrigens immer noch beeindruckend türkis, wenn sich die Regenwolken dunkel über ihm auftürmen. Sehr hübsch eigentlich.

Montagmorgen warfen wir ein paar Sachen in den Bus und fuhren zum Staffelsee.
Wir hatten einen ganz wunderbaren Tag. Die Tochter schwamm in Unterwäsche, die Enten starrten missmutig auf unsere beim Dorfbäcker organisierten Brötchen, und die Sonne schien noch abends warm auf uns herab, als wir den Bus irgendwo zwischen leuchtend gelben Rapsfeldern geparkt hatten, um unsere Grillwürstchen anzurichten.

Tief beglänzt fuhren wir nach Hause.

Was schließen wir daraus?
Der Staffelsee ist unser Schicksal.

Pam Ann

Mai 10, 2008

Dieses youtube Kunstwerk hat eine gute Freundin von mir entdeckt, und es ist SO gut, dass ich jetzt einfach alle daran teilhaben lassen muss.
Unbedingt.

Es folgt sehr dicht - die Zugabe:

Nikola - dankedankedanke!