Freiheitsdrang.

Juni 30, 2009

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by ★☆Pixie Led☆★

Klare Worte vorneweg:
Diese Hingabe, die viele Mütter im Umgang mit ihren Babys aufbringen, die geht mir leider völlig ab.
Ich fühle mich deshalb nicht besonders gut, beinahe möchte man sagen, ich fühle mich ziemlich mies damit.
Ich habe aber noch keinen Weg gefunden, diese Einstellung zu modifizieren.

Die für mich einschneidendste Veränderung, nachdem ich Mutter wurde, war, nicht mehr jederzeit tun und lassen zu können, was mir gerade in den unsteten Sinn kam. Nun gut, es gab schon immer Einschränkungen, die es zu beachten galt; gesellschaftliche Normen und Regeln, denen auch ich mich unterwerfe. Während ich es aber völlig mit mir vereinbaren kann, beispielsweise nach 22.00 Uhr niemanden mehr anzurufen, werde ich kribbelig, wenn ich festgetackert auf dem Sofa sitze, weil der Mini gerade auf meinem Bauch eingeschlafen ist. Ich möchte aufspringen, wertvolle Gedanken schriftlich festhalten, ein Buch holen, das außer Reichweite liegt oder wenigstens ohne großen Eiertanz und der Hoffnung auf fünf ungestörte Minuten die Toilette aufsuchen.

Die Suche nach dem Patentrezept für ein dauerzufriedenes Kind zieht sich ins Endlose, und habe ich endlich einen Weg gefunden, den Sohn für den einen Abend zu beruhigen, so funktioniert diese Methode zwei Tage später plötzlich nicht mehr, und ich fühle mich wie Sysiphus und starre meinem hinunterkollerndem Stein hinterher. Also versuche ich es neu, und ich versuche es anders, und während ich es versuche kann ich kein Buch schreiben, nicht die Welt retten und nicht in Ruhe mit einer Freundin telefonieren.

Kinobesuche, Sauna, Schwimmbad, nachts durchschlafen und morgens ausschlafen, mit Freunden essen gehen, ungestört einen Blogeintrag verfassen – nichts geht mehr.
„Aber dafür hast du doch ihn“, erinnert mich die Außenwelt. „So ist das eben mit Kind, mit kleinem zudem. Das hast du doch gewollt.“
Ja, ja, ja, das wollte ich.
Und das will ich immer noch, nur um das mal klarzustellen.

Doch obwohl meine Liebe zu Liam wächst, und ich jeden Tag deutlicher spüre, wie unsere Bindung sich festigt, gibt es auch jeden Tag Momente, da möchte ich zur Haustür hinauslaufen und eine Weltreise beginnen. Oder wenigstens mal ein Wochenende kinderlos sein.
Nicht kinderfrei, das klappt nicht, dann würde ich nur den „Mütter-allein-im-Urlaub“-Song singen, das ist sicher.

In solchen Momenten trauere ich der Tatsache hinterher, dass ich keine Großfamilie um mich herum habe. Großeltern oder eine Schwester, die sich mal eine Stunde um den Mini kümmern, während man selbst sich in dieser Zeit dem katastrophalen Zustand der Wohnung annimmt. Oder sich Wolken anguckt oder was weiß ich.
Eben einfach aufspringen kann, ohne vorher den schlafenden Sohn auf ein weiches Kissen zu eiertanzen und ohne in ständiger Hab-Acht-Stellung sein zu müssen, da nie so ganz klar ist, wie viele Minuten mir vergönnt sein werden, bevor das weiche Kissen nicht mehr genehm ist.

Vielleicht sollte ich eine WG gründen?
Ich werde demnächst auf dem Sofa darüber nachdenken.

10 Antworten zu “Freiheitsdrang.”

  1. amidelanuit Sagt:

    ich unterschreibe nicht nur jedes wort, sondern jede einzelne silbe. alles. den ganzen beitrag. danke. es tut so gut, nicht allein zu sein mit diesen gedanken!!!

  2. Silberpfeil Sagt:

    Auch hier. Das trifft meine Gefühle und Gedanken ziemlich gut.
    Und falls Du an eine WG in der Schweiz denkst, melde Dich doch einfach.

  3. Blossom Sagt:

    Ach Liebes…*drück* Ich glaube, diese Gedanken hat fast jede Muter früher oder später. Du weißt, dass es besser wird.
    Alles Liebe!

  4. Blossom Sagt:

    Ich korrigiere meine Antwort und verbessere das Wort „Mutter“ – es ist wohl schon zu spät für mich…*gähn*

  5. Katja Sagt:

    Jap, hier so ähnlich. Das schlimmste waren echt Kommentare aus der „Außenwelt“, wie du sie auch kassiert hast. Alles wurde zum 1.Geburtstag besser… Ich weiß jetzt nur nicht, ob dich diese Perspektive tröstet oder erschreckt. Ich hoffe, es tröstet dich. ;) War das beim ersten Kind bei dir auch schon so? Sonst überdenke ich meine Familienplanung nochmal.

  6. ichbinimmerich Sagt:

    @Katja; bei mir ist es nur beim ersten Kind so – beim zweiten hatte ich dieses Gefühl von „ich muss weg“ nie! ;-)

  7. Lisa Sagt:

    Kenn ich ! Die Sprüche a la : genieße die Zeit, sie geht so schnell vorbei waren in meinen Augen Sadismus pur. Wie kann man diese Zeit genießen, wenn man seine Grundbedürfnisse wie Schlaf nicht bekommt …

    Mein Befreiungsschlag: ich bin verreist und hab es mir gut gehen lassen – mit den Kindern (ohne Mann). Immer mal wieder am Wochenende.
    Salzburg ist da sehr zu empfehlen – wenns nicht klappt ist man schnell wieder zuhause.
    Versuch es ! Es würde Dir so gut tun !
    Ich bin auch von meinen 1000 KM mit Zug und Schiff und zwei Minikindern im Schlepptau (ohne Mann – der reist nicht so gerne) – Reisen sehr viel erholter zurückgekommen, als wenn ich diese entsprechende Woche zuhause zugebracht hätte.

    Schmiede Pläne, notfalls im Kopf.

    Fang mit einem Wochenende z.B. hier an (Biohof, in Gehweite vom Bahnhof, am See, frische Luft, Tiere für N.):
    http://www.gaestehaus-sonnenstatter.de/

    Es wird Euch allen gut tun ! Auch Dir – trotz Kinder ! Es wird Euch sogar zusammenschweissen und vielleicht tut Liam die frische Luft und die Ruhe gut …

    Alles Liebe !

  8. haktyl Sagt:

    Komm` an mein Herz Schwester! Ich würde liebend gern auf deinen Mini aufpassen, damit du mal Ruhe hast…

  9. goodytales Sagt:

    Wann kannst Du kommen?

  10. Susuko Sagt:

    Hi!
    Hab grad erst deinen Blog entdeckt, aber das spricht mir aus der Seele…


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