Herr Ober! Können wir Ihnen vielleicht etwas bringen?

Mai 26, 2014

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by garryknight

Die Tage war ich mit einer Freundin unterwegs, und es war ein sehr netter Abend.
Einzig die Tatsache, dass es uns über gefühlte Stunden hinweg nicht gelang, eine Kellnerin an unseren Tisch zu rufen, um zahlen zu dürfen, war ein klitzekleines bisschen öde – je länger wir allerdings hoffnungsfroh guckten und mit den Armen wedelten und “Hallo” riefen, desto interessanter wurde es, da besagte Kellnerin entschlossen schien, nicht nur uns, sondern den kompletten Westflügel des Lokals zu ignorieren.
Vermutlich hatte sie eine Wette mit einer Kollegin laufen oder so etwas – “Wie lange kann ich so tun, als wäre ich hier nicht angestellt, bevor ein aufgebrachter Lynchmob mich ins Spülbecken befördert?” (in unserem höflichen Stadtteil ziemlich lange).
Irgendwann standen etwa fünfzehn Leute gleichzeitig auf und griffen nach Jacken und Taschen, was die Gute dann zusammen mit einer weiteren Kollegin dann doch veranlasste, zu den Tischen zu stürzen.

Im Nachhinein fiel mir in diesem Zusammenhang ein anderer Abend ein, bei dem ich ganz ähnliches erlebte.
Er endete allerdings ein bisschen effektvoller.

Auch hier saßen ich und einige Freunde schon eine ganze Weile vor den leeren Gläsern und hatten bereits durch Winken und Hälse recken zu signalisieren versucht, dass wir bereit zum Aufbruch wären.
Vermutlich erwartete die Bedienung kein allzu großes Trinkgeld von einem Tisch voller langhaariger Typen (und einem langhaarigen Mädchen dazwischen), denn besondere Eile legte sie nicht an den Tag.
Verkniffen lächelnd gestikulierte sie uns ein ums andere Mal, dass sie so-fort zu uns kommen würde, sobald sie gerade noch dies erledigt und jenes getan habe.

Mir gegenüber am Tischende saß der zurückhaltende Jens, sein Bierglas locker mit einer Hand umfassend, und derweil sehnsüchtig zur Kellnerin blickend, direkt daneben Guido, der mit einem nicht ganz so zurückhaltenden Temperament gesegnet war. Ohne jede Vorwarnung versetzte er Jens’ Hand plötzlich einen heftigen Stoß, wodurch Jens seinem leeren Glas so viel Schwung verpasste, dass es über den Tischrand hinausschoss und am Boden zerschellte.

Fassungslos starrte Jens erst auf sein zerschmettertes Glas, dann auf Guido, der sich mit einem zufriedenen Lächeln zurücklehnte:
“Jetzt wird sie dann wohl kommen”, erklärte er seelenruhig.
Und das tat sie dann auch.

(Damals fand ich das derart lustig, dass ich fast von der Bank gerutscht wäre.)
(Das wäre heute wohl immer noch so.)

Eine Antwort to “Herr Ober! Können wir Ihnen vielleicht etwas bringen?”

  1. juniwelt Says:

    Das würde mich auch sehr amüsieren :-)


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