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Bücherenthusiasmus

Juni 24, 2008


by ulle.b

Wenn man Geld sparen möchte, dann sollte man mit einem Einkaufszettel in den Supermarkt marschieren. Dann zügig die Gänge abschreiten und nur das in den Korb legen, was man sich vor dem Einkaufen notiert hat.

Wenn ich mich nicht in den Ruin treiben möchte, dann darf ich nur mit Einkaufszettel eine Buchhandlung betreten. Noch besser wäre es wohl, mir die gewünschte Publikation von jemand anderem besorgen zu lassen.

Ich liebe Bücher. Ich liebe ihre Kompaktheit, ihren Geruch, ich liebe es, die Seiten aufzuschlagen und die ersten Zeilen zu lesen. So verheißungsvoll, so vielversprechend. In der Buchhandlung kann ich mich plötzlich für nahezu alles begeistern: Bildbände, Reiseführer, Romane, Kochbücher, populärwissenschaftliche Ratgeber und Fachbücher über Ernährung, Kommunikation und Neuropsychologie.
Neuropsychologie?
Ja klar, wieso nicht?

Ich liebe Spannung, ich liebe Humor, ich liebe Tiefgründiges, ich liebe Fantasy, ich liebe Familienepen, ich liebe Triviales. Alles, alles muss ich haben von Pratchett, von Irving und von Ruff. Es gibt was neues von Sacks? Von Mankell? Von Lily Brett?
Haben, haben, haben.

Wenn ich die Regale in einer Buchhandlung abwandere, dann wächst mein Interesse am 19. Jahrhundert und am Werdegang von van Gogh, ich begeistere mich für Entspannungstechniken und für Amerika in den 50er Jahren, ich liebäugele damit, meine Möbel selbst herzustellen und fühle in mir das dringende Bedürfnis aufsteigen, asiatisch zu kochen und aus Radieschen kleine Mäuse zu fabrizieren.

Seit Nathalie schwelge ich überdies in Kinderbüchern und habe mittlerweile bereits alles antiquarisch besorgt, was mir aus Kindheit und Jugend positiv in Erinnerung blieb. Was mich natürlich nicht davon abhalten konnte, auch noch die komplette “Hexe Zilly”-Serie, alles von “Pettersson und Findus” und einen Großteil der “Wieso, weshalb, warum”-Reihe zu erstehen.
Nur das regelmäßige nach-Hause-schleppen unzähliger Kinderbücher aus der Bibliothek verhindert, dass wir ab dem 15. jeden Monats von Dosenravioli leben müssen.

Frisch erstanden habe ich heute:
David Servan-Schreiber: Die Neue Medizin der Emotionen
Jesper Juul: Das kompetente Kind
und
Barbara Sher: Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will.

Was ich jetzt will, weiß ich gerade ganz genau.
Und, ach, wie sie duften…

In stiller Ehrfurcht

Februar 14, 2008

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by olli_steinmann

Ich lese gerade von Schätzing “Der Schwarm”.
Seitdem bin ich in der Lage, mir jederzeit eine dreißig Meter hohe Welle am Horizont vorzustellen, was sich ein klein wenig belastend auf meine Lebensqualität legt.

Abgesehen davon verharre ich mental in einer Art Dauerkniefall vor Schätzings Werk und lege etwa alle drei Seiten eine kleine Pause ein, um mir zum wiederholten Male ins Gedächtnis zu rufen, dass dieses geballte Wissen, diese Fülle an Informationen, diese Mischung aus Sachverstand und Fiktion zu alledem auch noch mitreißend geschrieben ist. Ich habe jetzt knapp 500 Seiten gelesen und damit gut die Hälfte des Buches durch, und noch immer galoppiere ich so derart rasant über die Sätze, dass ich nach dem Überfliegen des Wortes “Ende” vermutlich das komplette Buch noch einmal lesen sollte, um auch das fehlende Drittel noch zu erfassen, welches ich bei meiner derzeitigen Lesegeschwindigkeit schlicht überspringe.

Ich überspringe, weil ich wissen muss, wer den Orca-Angriff überlebt. Und warum die Hummer explodieren. Wie ergeht es Anawak bei seinem nächtlichen Tauchgang, und was sieht Stone, als er sich in einer Acrylkugel 900 Meter tief im Meer versenken lässt?
Und wenn ich nicht bald erfahre, was es mit dieser blauen Wolke auf sich hat und woher sie kommt und welches Ziel sie verfolgt, dann kann ich nicht dafür garantieren, dass ich nicht nur jeden dritten Satz, sondern gleich dreihundert Seiten überspringe, um rückgratsloserweise das Ende zu lesen, Herrgottnochmal!

Ähnlich ergeht es mir übrigens, wenn ich John Irving lese. Oder Henning Mankell. Matt Ruff. Oder Terry Pratchett (ein Extra-Kniefall für Terry Pratchett).

Pratchett hat mittlerweile über vierzig Bücher geschrieben. Ich besitze sie alle. Ich habe jedes bereits mehrere Male gelesen, und ich stelle fest: er wird immer noch besser.
Wie macht er das nur? Was unterscheidet sein Hirn von meinem? Wieso hat er bereits etwa 20.000 Seiten verfasst und schreibt vermutlich gerade drei Bücher gleichzeitig, während ich nach 316 Wörtern, wie wordpress mir das hier gerade freundlicherweise mitteilt, bereits wieder am Ende dieses Blogeintrags feile?

Nun gut, er wird ein bisschen mehr Zeit investieren, als grob geschätzte sieben Minuten.
Die bittere Wahrheit ist jedoch folgende: Sollte man uns beide rumpelstilzchenlike über Nacht mit einem Rechner jeweils in einen leeren Raum einschließen, so hätte Pratchett am Morgen vermutlich die ersten 200 Seiten eines neuen Romans aus der Hüfte geschossen, und ich wäre beim intensiven Nachdenken über einen prägnanten ersten Satz gegen elf eingeschlafen.