Archiv für 'Streifzüge'Kategorie

Bericht.

Mai 4, 2008


by otzberg

Das Kind ist Ruderboot gefahren. Es hat sich mit vier jungen Katzen angefreundet und auch mit der dazugehörenden jungen Besitzerin. Es ist Trampolin gehüpft wie ein Berserker und versehentlich mit Schuhen und Socken in den See gestiegen. Es hat mit Mia und Maja am Seeufer eine ziemlich beeindruckende Steinesammlung angelegt und bekam vom Bäcker jeden Morgen eine Zuckerschaummaus. Es hat einem Bauer sehr geduldig zugesehen, der mit einem am Traktor angehängten Mini-Bagger eine riesige Baumwurzel in einen Hänger verfrachtet hat. Es hat Malsteine gefunden und Wiesenblumen gepflückt. Es hat im Sonnenschein auf dem Balkon gefrühstückt, ein Huhn fast gestreichelt und vier riesige Ziegen gesehen, die im wilden Galopp hinter einem Fahrrad her rasten. Es ist über Baumstämme balanciert, hat sich in der Schaukäserei einen nicht unbedingt kindgerechten Vortrag über die Kunst des Käsemachens angehört und sich anschließend mit frischem Käsekuchen getröstet. Es ist mit dem großen Ausflugdampfer einmal um den See geschippert und hat morgens um halb acht Kühe gefüttert.
Es hat geangelt, mit einer selbstgemachten Angel. Einmal hat ein Piranha angebissen.

Ich hab’ auf den See geschaut.
Das Wetter war prima.

Für Judith

Dezember 29, 2007

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by kira (wie alle weiteren auch)

Eine gute Freundin von mir hat dieses Jahr einen spektakulären Heiligabend erlebt. Aus der Reihe “Was man Heiligabend so gar nicht brauchen kann” war so ziemlich alles vertreten, und auf mein schockiertes “Kann man Dir was Gutes tun?!” erklang es von ihr virtuell über den Ozean:

“kira, ja, tu mir was gutes, bitte! vielleicht gehst du für ne stunde als getarnte judith durch nyc und trällerst vor dich hin, tanzt über die straße, sagst allen leuten hallo und dass ihr “all insane” seid und lachst dann komisch dazu, aber mach ein foto davon, damit ich auch weiß, was ich dort so gemacht hab die stunde über, und wo ich mich nicht mehr blicken lassen kann, zumindest nicht als getarnte judith alias kira.”

Nun denn.
Im Übereifer bin ich sogar durch halb Manhattan gerannt, wobei ich doch an mich halten konnte, was die Selbstentblödung betrifft. Mir passiert das unbeabsichtigt schon häufig genug, das muss ich daher nicht auch noch forcieren, wohl.

Also, Judith, bitte schön - für Dich:

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Hier siehst Du - wie auch schon fotographisch sehr professionell auf dem Bild festgehalten - die diesjährige Modelleisenbahn im City Corp Building. Ich hab’ mir mental eher unprofessionell so gar nichts gemerkt dazu, außer “Tausende von Büschen und Bäumen” sowie “Zwei eislaufende Hunde”.
Lass Dir also nur sagen, dass das Ganze wirklich sehr, sehr groß ist. So groß, dass die Besucher wiederum professionell um das Geschehen herum geschleust werden (was wiederum in erster Linie einen wichtigen Gesichtsausdruck und das Beherrschen des Textes “Please fill the gaps!” voraussetzt).
Hat vor allem dem Töchterlein sehr gut gefallen.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Central Park, und an der Ampel neben dem Apple Store hielt ich dieses besinnliche Bild fest:

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Ich möchte nicht unerwähnt lassen, liebe Judith, dass ich mir nicht sooo sicher war, ob die beiden Easy Rider mit Totenkopfgesichtern mir nicht einen vor den Latz knallen würden, wenn ich sie auf Bild festhalte, aber für Dich hab’ ich’s gewagt.
Stolzgeschwellt ob dieser mutigen Tat ging’s dann anschließend weiter in den Central Park hinein.

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Mich hätte der Hunger ja glatt durch den gesamten Park hindurch getrieben, Kind und Gatte jedoch klebten leider vor dieser schönen Szenerie fest:

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Hier siehst Du die leere Eisbahn im Wolman Rink. Leer ist sie deshalb, da die Eisfläche gerade erneuert wurde. Und spannend ist das genau so sehr, wie sich das anhört. Der Gatte jedoch schwadronierte eine halbe Stunde lang über “diesen coolen Job” des Eiserneuerers, und wie “genial” es doch sei, so “genau sehen zu können, was man schon geschafft” habe.
Nathalie fasste sich kürzer, stellte mit “Ich will das sehen!” jedoch auch ganz unmißverständlich klar, dass ich die schlechteren Karten habe, was das Weiterziehen betrifft.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde wurden wir für die doofe Warterei mit diesem Anblick belohnt:

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Und dann konnten wir endlich essen gehen.

Und zwar das:

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“Dosa” nennt sich dieses leckere Gebilde. Meines ist gefüllt mit roter Beete, Kürbis und Ziegenkäse, und ich bin die erste, die zugeben würde, dass dieses Foto es vermutlich nicht ins Werk “Ästhetische Kochkunst” geschafft hätte.
Man erspare sich daher jeden Kommentar und folge mir ins Museum of National History:

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Darin siehst Du unter anderem das:

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(vorne)

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(hinten)

Dieser Wal ist so gigantisch, dass mir weitere Worte völlig unnötig erscheinen.
Wann auch immer ich im Museum of Natural History bin, muss ich mich jedes Mal unter diesen Wal stellen und mir vorstellen, er fiele jetzt gerade herunter.

Tribute to Christmas im Museum of National History:

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Man kann sich nun darüber streiten, ob trotz des Origami-Themes die lindwurmartige Papierschlange nicht doch ein bißchen nach Endlos-Druckerpapier aussieht, wirklich nett anzusehen waren aber diese niedlichen Tierchen hier:

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Diesmal wieder fotographisch brillant kann man sicher das Einhorn-Grüppchen erkennen - passend zur Ausstellung “Mythic Creatures”, die hier noch bis zum 8. Januar zu sehen sein wird.

Wieder draußen ist es bereits dunkel. Und obwohl Weihnachten ja bereits vorbei ist, blinkt New York noch in froher Festbeleuchtung vor sich hin.
Sowohl im Kleinen…

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… als auch im Großen:

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Auf dem letzten Bild ist der Baum vor der Metropolitan Opera zu sehen und zwar gerade in blau.
Steht man länger, sieht man ihn auch noch in grün, gelb und pink.

Mit diesem Bild endet der Tag und dieser Blogeintrag.


(Dies als Zugabe - ich erlaube mir mal einfach, die zu geben, ohne explizit dazu aufgerufen zu sein. Life zu sehen bei F.A.O. Schwarz, und immer wieder schön)

Niagara

August 6, 2007

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by jenss

Meine Eindrücke bezüglich der Niagarafälle sind schnell auf einen Punkt gebracht:
Um ein unglaubliches, herausragendes, emotional berührendes Naturwunder hat man eine riesige Touristenfalle gebaut. Wenn man den Blick stur auf die Fälle gerichtet hält, dann ist es also unglaublich, herausragend und emotional berührend, dreht man sich um, bewegt sich gar fort, wird’s sehr schnell sehr grässlich.

Uneingeschränkt empfehlen kann ich aber die „Journey behind the falls“, eine Tour, die hinter beziehungsweise direkt neben die Horseshoe Falls führt. Man wird trotz Regencape klatschnass, aber jeder, dem auf der Plattform unmittelbar neben den Fällen in Böen das Wasser ins Gesicht peitscht, lacht wie irre.

Ebenfalls empfehlenswert ist ein Besuch auf dem Observation Deck des Skylon Towers. Wenn man geneigt ist, für ein nicht unleckeres Essen viel Geld hinzulegen, dann kann man ein Stockwerk tiefer inklusive eines atemberaubenden Blicks auch essen. Wir haben uns dort zumindest ein Frühstück gegönnt, und nachdem ich mich bereits im Vorfeld auf den horrenden Preis eingestellt hatte, war jeder einzelne Bissen sein Geld wert. Zumal sie bereits beim Frühstücksbuffet ein sehr umfangreiches Dessertarrangement auffahren, und mit einem kleinen caramelisierten Apfelkuchen mit Nüssen und Rosinen (nach dem kleinen Stückchen Schokoladentorte und dem Miniklacks Obst-Tiramisu und dem winzigen Nougat-Crêperöllchen, nicht zu vergessen das unwesentliche Schälchen mit Erdbeersahne und kandierten Früchten) genießt sich der Ausblick gleich noch einmal so gut.

Nathalie würde das „MarineLand“ empfehlen.
Nun.
Die Fahrten im Piratenboot oder im Marienkäferflugzeug rechtfertigten für sie ohne weiteres die jeweiligen halbstündigen Wartezeiten in der Schlange unter der brutzelnden Sonne, welche der jeweilige Erziehungsberechtigte durchlitt, der die Fahrt auf sich nahm (und sich dazu hin und wieder mit dem Kopf zwischen den Knien in eindeutig unterdimensionierte Gefährte quetschte), während der andere sich um das fröhlich im Schatten hopsende Kind kümmerte. Der Gatte und ich sind da eher zwiegespalten.
Noch dazu gehören wir zu den Leuten, die sich während der Delphinvorstellung raunend über die Zahl der Tiere unterhalten, die in Gefangenschaft Suizid begehen, während die Tochter jubelnd auf den Rängen steht. Insofern empfehle ich „MarineLand“ also allen unter 12 und rate den älteren zur Nachsicht.

Beim Abendessen im Restaurant empfehle ich vor allen Dingen Ohropax. Es ist offenbar Pflicht, die Lautsprecher so weit hochzudrehen, dass Unterhaltungen nicht in Gang zu kommen vermögen. Dafür bekommen Kinder dann häufig Malzeug oder andere kleine Geschenke, die sie jedoch nicht nutzen, da sie sich ob der Lautstärke nach etwa zwanzig Minuten die Ohren zuhalten. Essen in fliegender Hast haben wir in den letzten vier Tagen perfektioniert. Nächstes Mal nehmen wir einen Gaskocher mit ins Hotel (und sparen unser Geld für einen einmaligen Dinner-Besuch im Skylon Tower).

Um zum Schluß aber wieder auf das Eigentliche zu kommen: das Eingangsfoto zeigt den Blick aus unserem Hotelzimmer. Morgens aufwachen und vor Glück und Ehrfurcht erschauern war eins.
Da möchte man schon mal irgendwem „Danke“ sagen.

Independence Day

Juli 8, 2007

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by AxsDeny

Letzten Mittwoch mussten wir unbedingt ganz stilvoll den amerikanischen Unabhängigkeitstag begehen und schoben uns daher mit tausenden Gleichgesinnten in Richtung East River, um das Feuerwerk auf der gegenüberliegenden Flussseite zu sehen.
War schon schön. Also, was man so gesehen hat. Viel war’s nicht. Nachdem in den letzten Wochen quasi ununterbrochen die Sonne schien, war es den ganzen Mittwoch über unheilvoll bedeckt. Drei Minuten vor dem anvisierten Spektakel begann es zu schütten wie aus Eimern. Die New Yorker sind diesbezüglich jedoch ziemlich unerschütterlich. Man formierte sich einfach mittels unzähliger Regenschirme zum geschlossenen Schildkrötenangriff und harrte fröhlich weiter der Dinge, die da noch kommen sollten.

Die dann allerdings erst einmal nicht kamen. Keine Ahnung, ob es am Regen lag, oder ob man den Wolken Zeit geben wollte, sich exakt zwischen die Menge und das Feuerwerk zu schieben. Letzteres verhinderte dann leider doch etwas den vollen Genuss. Es ist ganz erstaunlich, wie undurchdringlich eine Wolke sein kann. Wenn sie sich nicht hin und wieder etwas aufgelockert hätte und man in diesen Sekunden einen Blick auf das wahre, das eigentliche, das orgiastische Feuerwerk hätte erhaschen können, wäre ich der Meinung, mit einer Wunderkerze in jeder Hand wäre man nur geringfügig schlechter bedient gewesen.

Das Mini-Mädchen fand’s entsprechend nicht so toll. Auf das dazugehörige Geboller hatte sie ohnehin keine Lust, und der Blick auf die Wolke mit ab und an herausblitzenden Sternenregen versöhnte sie nicht wirklich.
Obendrein steckten wir dann auf dem Heimweg zwei Stunden zwischen all den anderen fest, die sich auch auf dem Heimweg befanden. Wie gesagt, der New Yorker nimmt’s locker, aber fragt mal mein Kind. Das hing griesgrämig in meinem Arm und erwiderte jedes offenkundige Lächeln mit brüskem Kopfwegdrehen.
Und gelächelt wurde viel. Wolken hin, Regen her, selbst wenn der New Yorker eingekeilt in der Menge zwanzig Minuten auf den nächsten Schritt warten muss: hey, er ist New Yorker! Insofern kann nichts, aber auch gar nichts ihn dazu bringen, auch nur minutenlang etwas vergrätzt zu sein.

Im Bus schlief Nathalie dann, während ich mich von der Dame rechts neben mir berieseln lassen musste. Sie drückte mir ihre Visitenkarte in die Hand, beschrieb sich selbst als Nanny und erklärte unter anderem trotz deutlichem Widerspruch meinerseits, dass der Kindergarten in Deutschland “Pre-Cake” (oder so ähnlich) heiße, mein Kind viel zu warm angezogen sei und ein Sonnenbrand gesund wäre. Nun, ich denke, wir werden sie nicht engagieren.

Freunde erzählten uns am nächsten Tag dann begeistert vom Feuerwerk, von den Farben, den Effekten, dem Glanz!
Sie hatten es im Fernsehen gesehen. Was jetzt die Frage aufwirft: wurde das Feuerwerk des letzten Jahres noch einmal verwurstet? Oder hätte man zweihundert Meter weiter bereits ganz bequem an der Wolke vorbeisehen können?
Werden wir jetzt nicht mehr erfahren. Wäre aber auch egal.
Hey, wir waren dabei, jawohl.
(Wenn die Einstellung der New Yorker mal nicht ansteckend ist)

Greenwich Village

Juni 24, 2007

Angeregt durch “Frommer’s memorable walks in New York” zieht es uns heute nach Greenwich Village, entschlossen, die “Greenwich Village Literary”-Tour durchzuziehen. Und um auch alles ganz genau zu machen, wandern wir mit Nathalie im obligatorischen Quinny pedantisch von der Subwaystation drei Blocks die Bleecker Street rauf, um dann mit interessiertem Gesichtsausdruck und der “Memorable walks”-Bibel in der Hand wieder zurück zu laufen. Erster Halt: „145 Bleecker Street“. Hier wohnte James Fenimore Cooper, Autor von 32 Romanen. „Lederstrumpf“ ruft mein Mann, und weiß damit mehr als ich, der mir der Name nur vage bekannt erschien. Mit wichtiger Miene studieren wir Coopers Mini-Lebenslauf. Ah ja, so, so. Noch einmal auf das Haus gucken, fertig. Erster Halt abgehakt.

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145 Bleecker St.

Die zweite Station ein paar Häuser weiter ist „The Atrium“, ein Bau aus dem 19. Jahrhundert, gebaut von Ernest Flagg. Ein flüchtiger Blick. Atrium, aha. So sieht das also aus.

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The Atrium

Was kommt als nächstes? „172 Bleecker Street“ Dort lebte James Agee. Wer zum Teufel war James Agee? „Was, du hast noch nie von James Agee gehört?“, ruft mein Mann und lacht dreckig. Es dauert ein paar Minuten, bis ich durch Nachfragen entdecke, dass auch der Klugscheißer neben mir keine Ahnung hat. Mein geknicktes Selbstvertrauen bezüglich meiner mangelnden Allgemeinbildung richtet sich wieder auf. Ich erweitere mein Wissen bezüglich James Agees um einen zehnzeiligen Absatz, sehe noch einmal an dem Gebäude hoch und vergesse dabei fünf Zeilen.

Weiter. „189 Bleecker Street“, ein italienisches Restaurant an der Ecke Bleecker und MacDougal, und anscheinend ein früher stark frequentierter Treffpunkt namhafter Persönlichkeiten wie Frank O’Hara, Gregory Corso, Jack Kerouac oder James Agee. James Agee kenn’ ich. Der Gatte behauptet, ihm seien auch alle anderen selbstverständlich ein Begriff, ich verzichte jedoch darauf, dieses erstaunliche Wissen zu überprüfen. Etwas gelangweilt betrachte ich das Restaurant und blättere dabei noch einmal zur Übersicht. 45 Stationen empfiehlt der Ratgeber, und ich fühle mich bezüglich dieser Information doch etwas ermattet. Aus dem Buggy tönt es: „Kaufen wir ein Eis?“
Das Kind ist literarisch ja nun leider so gar nicht interessiert.
„Später“, vertröste ich, während wir den nächsten Halt ansteuern.

„Minetta Tavern“, Gründungsstätte des weltbekannten Reader’s Digest-Werkes. Es wurmt mich ein wenig, dass mir nun ausgerechnet diese Publikation ein Begriff ist. Schnell etwas Hintergrundwissen anlesen und beim Herabsenken des Buches wieder vergessen. Dann im Laufschritt die nächsten Stationen abklappern.
„130-132 MacDougal Street“, hier lebte und arbeitete Louisa May Alcott. Und „Little Woman“ kenne ich natürlich. Hab’ ja schließlich den Film „Betty und ihre Schwestern“ gesehen.
Das Gebäude in der „85 W. 3rd Street“ beherbergte vor Jahrzehnten Edgar Allan Poe. Und obwohl wir nun endlich beide mit diesem Autor etwas verbinden (in meinem Fall den Deutschunterricht in der elften Klasse), wollen sich keine Ehrfurchtsschauder einstellen.
„Wann kaufen wir ein Eis?“
Bei Nathalie offenbar auch nicht.

Ich speise Nathalie mit einer Banane ab, und wir schlendern weiter, Frommer’s treu ergeben.
Hier lebte ein Freund von James Baldwin, weswegen auch Baldwin selbst hin und wieder über diese Schwelle trat. Oh.
Dort lebte Hart Crane, geboren in Ohio, der dort seine Arbeit zu „The Bridge“ begann. Ah.
Weiter vorne dann das Gebäude, in dem Thomas Paine verstarb.
„Ich will ein Eis!“

Wir gestehen uns ein, dass es eine blödsinnige Idee war, sich auf einen literarischen Spaziergang zu begeben, wenn man sich in der ortsansässigen Literaturgeschichte in etwa so gut auskennt, wie bei Nacht in Kalkutta und steuern eine Eisdiele an. Bei „Cones“ („Best icecream of the world“) kaufen wir für viele, viele Dollars Eiskugeln, die allesamt so schmecken, als hätte man sie vier Jahre in der Tiefkühltruhe vergessen. Nathalie mag’s trotzdem. Wenn’s um Eis geht, ist sie nicht allzu wählerisch.

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Cones

„Frommer’s“ wandert in die Tasche, und wir machen uns auf zum Washinton Square Park. Hier trifft sich das literarisch ungebildete Volk (grobe Unterstellung, wahrscheinlich waren wir die einzigen) und wirft Gewehrattrappen in die Luft.

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Es wird gesungen.
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original soundtrack - feel free to enjoy the music

Es wird getanzt.
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original soundtrack - feel free to enjoy the music

Es wird Musik gemacht.
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original soundtrack - feel free to enjoy the music

Nathalie erkundet den Washington Square Park Playground, und wir wippen zum Takt der uns umgebenden Musikfetzen mit den Füßen - das Leben ist doch eines der besten.

(Und habe ich erwähnt, dass unter dem Washington Square Park über 10.000 Menschen begraben liegen? Sagt Frommer’s. Wieder was gelernt heute)