Heute, beim Zahnarzt …

März 2, 2015

Die Hilti des Zahnarzts
by daspaddy

“… und jetzt spülen wir das Ganze noch einmal ab … hm … na sowas … hm … da kommt aber wenig Wasser raus … fast gar kein Wasser kommt da raus … komisch … mal sehen …”

Hält das Teil in die Höhe und drückt. Nix passiert.

“Da kommt ja gar kein Wasser raus, ach so, was ist denn da kaputt? … Hm … vielleicht verstopft? …”

Drückt noch ein paar Male und beugt sich dann über mich.

“Dann nehm’ ich einfach den da, der funktioniert hoffentlich … oh!”

Der Zahnarzt und ich starren beide einige Sekunden auf die Zahnarzthelferin, die sich etwas verkniffen lächelnd ihren nassen Pony aus dem Gesicht schiebt. Ein Tropfen löst sich von ihrem Kinn und fällt auf ihren weißen Kittel.

“Gut, also da kommt jetzt Wasser raus, dann machen wir mal weiter.”

(In solchen Situationen ist es immer gut, wenn man die Chef-Rolle inne hat.)


Absurde Frage.

Februar 27, 2015

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by Theen …

Heute morgen war ich gerade dabei, mein Rad vor’m Kindergarten abzuschließen, als mir eine vorbeikommende Mutter zurief:
“Warum fährst du eigentlich jeden Morgen mit dem Rad? Ich find das ja irre!”

Nun, ich fahre mit dem Rad, weil ich keine Lust habe, in den überfüllten Straßen nach einem Parkplatz zu suchen, weil ich Benzin und damit Geld spare, weil ich, wie bereits mehrfach ausprobiert, mit dem Rad sogar ein kleines bisschen schneller beim Kindergarten ankomme, als wenn ich das Auto genommen hätte, weil ich damit einen klitzekleinen Beitrag für die Umwelt leiste, meinen Kindern gleichzeitig ein gutes Vorbild bin, und sie alle beide zu glücklichen Fahrradfahrern erzogen habe und ich obendrein auch noch etwas für meine persönliche Fitness und damit für meine Gesundheit tue, wenn man mal von der Tatsache absieht, dass ich die Abgase all derer einatmen muss, deren Argumentationskette nicht ganz so lang ist wie meine.

(Um zu vermeiden, die nächsten vier Minuten plappernd hinter ihr her zu laufen, fiel meine Antwort mit “Passt schon” dann aber doch sparsamer aus.)


Moderne Träume

Februar 26, 2015

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by Diễn đàn rao vặt

Letzte Nacht träumte ich, ich säße in einer fremden, lauten Stadt in einem dunklen Raum und würde auf den Rest der Familie warten.
Eigentlich hätten sie schon längst da sein sollen, und mein Traum-Ich, von Sorgen zermartert, griff zum Smartphone.
Wieder und wieder versuchte ich, die Nummer des Gatten aufzurufen. Meine Finger wischten über das Display, aber nur quälend langsam schoben sich die Telefonnummern nach unten. Teilweise sprangen andere Apps auf, und bei dem Versuch, selbige wieder wegzudrücken, verklemmte sich der Eingabeknopf. Mit den Fingernägeln versuchte ich, ihn wieder herauszubekommen, da brach er in zwei Teile, und völlig entnervt nahm ich die klebrig-nutzlose Wischerei wieder auf.
Umsonst. Mehrfach schien die Nummer zum Greifen nah, aber immer, wenn ich sie endlich antippen wollte, schoben sich andere Nummern auf das Display.

In prä-Mobiltelefon-Zeiten wäre ich wohl einfach losgerannt und nur in Zeitlupe vom Fleck gekommen.


Schlaf, Mütterlein, schlaf – nicht.

Februar 21, 2015

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by wackystuff

Vor zwei Wochen durfte ich mein Wissen über potenzielle Krankheiten auf dieser Erde um die Diagnose “Wundrose” erweitern.
Wenn man zum Hautarzt läuft, und auf den Weg dorthin am Hadern über die vermeintliche Tatsache ist, dass man bestimmt eine fiese Kortisoncreme wegen dieser seltsamen Rötung entlang des Kieferknochens verordnet bekommt, und dann mit einer 10-Tage-Packung Hammer-Antibiotika und der strikten Auflage, sich möglichst kaum noch zu bewegen, weil es nämlich sonst mindestens zu einer Sepsis, wenn nicht sogar zu einer Meningitis kommen könne, nach Hause läuft, dann ist das für jeden halbwegs anständigen Hypochonder schon ein ziemlicher Super-GAU.

In den nächsten zehn Tagen nahm ich also brav das AB, schonte mich wie verrückt und wartete auf potenzielle Nebenwirkungen.
Dankenswerterweise passierte gar nichts, außer, dass die Rötung im Gesicht und auch die damit verbundene Schwellung sehr, sehr langsam zurückwichen.
Bei einem Kontrollbesuch beim Arzt erfuhr ich dann noch, dass er schon überlegt habe, mich kurzerhand in die Klinik einweisen zu lassen, um mir das AB intravenös zu verabreichen, da doch sehr nah am Hirn und überhaupt, aber nein, hahaha, ist ja alles gut gegangen.

Vorgestern nahm ich die letzte Tablette.
Heute Nacht stand der Sohn an meinem Bett, da es ihm mitunter unmöglich scheint, ohne mich das Badezimmer aufzusuchen, meistens so gegen Eins.
Schlaftrunken schlurfte ich also hinter ihm her, reichte Toilettenpapier und schob ihn zum Waschbecken, wo ich einen trägen Blick in den Spiegel warf.
Der komplette Bereich über dem Kieferknochen war knallrot.
Hellwach in 0,003 Sekunden, großartig.
Um ein Haar wäre mir entgangen, dass der Sohn immer noch mit zufallenden Augen am Händewaschen war, doch direkt, nachdem ich ihn wieder ins Bett verfrachtet hatte, eilte ich zurück zum Spiegel.

Oh nein! Oh nein, oh nein, oh nein!
Klinik!
Sepsis!
Meningitis!
Die Geburtstage meiner Kinder im nächsten Monat – wer soll sie vorbereiten? (So sind Mütter)

Nach sehr langen Minuten gestand ich mir irgendwann ein, dass ich in dieser Sekunde so überhaupt nichts unternehmen konnte.
Morgen würde ich zum Notdienst fahren. Klar, das so etwas am Wochenende passieren muss.
Und wie soll ich dann noch diesen Text fertig bekommen, der bis Mitte März abgeschlossen sein muss?
Und die Geburtstage?
Mit Meningitis?
In der Klinik?
Na ja, was man halt so denkt, nachts um halb zwei, wenn man so ein bisschen eine ungesunde Disposition diesbezüglich hat.

Unnötig zu sagen, dass ich kaum ein Auge mehr zutat, immer wieder hochschreckte und besorgt den Kiefernbogen abtastete – fühlte es sich schon sehr geschwollen an?
Vielleicht war es ja grob fahrlässig von mir, bis zum nächsten Morgen warten zu wollen?

Heute früh dann im Spiegel war nichts mehr zu sehen.
Muss wohl irgendwie blöd gelegen haben.
(Ich bin sicher: Wenn ich mir EINMAL keine Sorgen mache, dann wird es mein sicherer Tod sein.)


Danke, jetzt weiß ich’s wieder.

Februar 3, 2015

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by Mrfubar32x

Das quengelnde Gejammer war schon von Weitem zu hören.
Gerade hatte ich meine Einkäufe auf dem Kindersitz des Lieblingssohnes festgezurrt, als hinter einigen parkenden Autos ein unzufriedenes Kind samt Mutter in meinem Blickfeld erschien. Zu Tode genervt zog die Frau den etwa vierjährigen Jungen am Arm hinter sich her, dessen Laune sich durch diese Behandlung nur sehr geringfügig besserte.
Ich bin alltagserprobt genug, um in diesem Moment gleich beide zu bedauern, dann jedoch beugte sich die Mutter hinunter zu ihrem Kind, so weit, dass ihre Nasen beinahe aneinanderstießen, und schrie in einer Lautstärke, die mein Herz kurzfristig zum Stolpern brachte: “JETZT HÖR AUF DAMIT!”
Sie war noch nicht beim Ausrufezeichen angelangt, da brach ihr Kind in Tränen aus.

Der Mann, der einige Meter hinter ihr an der Fußgängerampel auf Grün gewartet hatte, setzte sich in Bewegung. Innerhalb von Sekunden hatte er die Frau erreicht, die sich irritiert zu ihm herumdrehte. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von dem ihren entfernt, als er ihr ohne Vorwarnung entgegenbrüllte: “SCHREIEN SIE IHR KIND NICHT AN!”
Die Frau brach spontan in Tränen aus.

Der letzte Absatz ist natürlich frei erfunden.
Ich wünschte, der erste wäre es auch.
Man muss als Außenstehende zusehen, um sich einmal mehr ins Gedächtnis zu holen:
Schrei Dein Kind nicht derartig an.
Und wenn Du schon schreien musst, dann tu’ es weder überfallartig, noch aus nur wenigen Millimetern Entfernung.
Mit dieser Meinung werden nicht alle konform gehen, aber ich bin zutiefst davon überzeugt:
Ein Schlag ins Gesicht hätte exakt denselben Effekt gehabt.


Verschwörungsmodus on.

Januar 23, 2015

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by The Pack

Ich hab’ mal irgendwann ein Buch gelesen, darin ging es um eine ganz perfide Art der Gedankenkontrolle.
Im großangelegte Stil wurden Menschen bei Standard-Prozeduren wie neue Zahnfüllungen oder Blinddarmoperationen Chips eingepflanzt, mit denen sie fortan manipulierbar, weil lenkbar waren.
Die Organisation, die hinter dem Ganzen stand, ließ die notwendigen Daten jeder Firma zukommen, die über genug Geld verfügte, sich selbige leisten zu können – und wer auch immer diese Daten dann erhielt, dem war es möglich, bei den entsprechend be-chipten Menschen jedes wie auch immer geartete Bedürfnis aufkommen zu lassen: einen bestimmten Film, eine bestimmte Dessous-Serie, ein bestimmtes TV-Gerät?
Alles kein Problem.
In Scharen wurden diese Dinge von den ahnungslosen Massen eingesackt und nach Hause geschleppt.
Irgendwann geht das Ganze natürlich völlig schief und so, aber egal, wichtig ist nur:

Ich bin SICHER, dass Lindt zu diesem hinterhältigen Kartell gehört, und seit etwa einer Stunde den Schalter für “Schwarze Lindor-Schokolade” umgelegt hat.


Mitunter: Einfach mal die Klappe halten.

Januar 22, 2015

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by fmsparis

Sohn, in Erinnerungen an die letzte Halloweenfeier schwelgend:
“Ich hab’ ja im Gruselkeller gar keine Angst gehabt!”

Mutter, die sich noch gut an die schweißnasse Hand erinnert, die sich mit aller Kraft bei ihr festklammerte, pädagogisch wertvoll:
“Weißt du, es ist ja eigentlich sogar noch mutiger, wenn man Angst vor etwas hat, und es sich dann trotzdem traut.”

Sohn:
“Ich hab’ aber keine Angst gehabt! Das ist so gemein von dir! Jetzt sagst du, dass die Annie mutiger war als ich, weil sie Angst gehabt hat und trotzdem in den Gruselkeller gegangen ist! Das ist so gemein! Ich kann ja nichts dafür, dass ich keine Angst hatte! Tschüss!”
Bricht vor Wut in Tränen aus und verlässt zornbebend das Wohnzimmer.

Ups.


Aaaaaaaaarghch.

Januar 9, 2015

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by Welcu

Es zeugt von großer Geistesgegenwart, wenn man das riesige, schwere, zu Boden stürzende Müsliglas  kurz vor dem Zersplittern auf dem Küchenboden mit dem bloßen Fuß davor bewahrt.

Gleichzeitig ist es allerdings auch ein kleines bisschen dämlich.


Frohe Weihnachten!

Dezember 25, 2014

Vorher:
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Nachher:
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Ich glaub’, ich hab’ alles.

Dezember 23, 2014

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by Jenna Woodward

Geschenke für die Kinder, Baumkerzen, Weihnachtskarte an Tante Maria, Geschenk für die Verwandten in Oldenburg, Zwiebeln, Knollensellerie, Blaukraut, Rosenkohl, Retoure an zalando, Weihnachtsbesuch mit dem Bruder koordinieren, Mascarpone, Joghurt, Quark, Schnittlauch, Koriander, Nougatplätzchen backen, Baumständer aus dem Keller holen, mit der Tochter ein Geschenk für den Bruder besorgen, mit dem Sohn ein Geschenk für die Schwester besorgen, mit beiden Kindern ein Geschenk für den Papa besorgen, Wohnung putzen, Weihnachtsoutfits zusammenstellen, dem Paketmann vor’s Auto springen, den man beinahe verpasst hätte, Lauch, Wein, Äpfel, Orangen, noch mehr Wein, Geschenke für die Kinder, noch einen Schwung Vanillekipferl backen, alle Weihnachtsmails beantworten, alle Geschenke verpacken, mehr Geschenkband kaufen, rote Beete, Champignons, Tomaten, Mehl, Eier, Kinderspielzeug aus den geputzten Zimmern wieder zurück ins Kinderzimmer tragen, zwischendurch ein Wichtelpaket anstarren, das ich höchstpersönlich erhalten habe, aber noch nicht auspacken, Geschenke für die Kinder, ein Geschenk vermissen und bei der Suche danach die ganze Wohnung auf den Kopf stellen, Geschenke für die Verwandten in Frankfurt, noch einmal den Gatten fragen, ob wir uns dieses Jahr WIRKLICH nichts schenken, Spende an Wikipedia auf den Weg bringen, Spiritus für’s Fondue besorgen, den Baum reintragen, damit die Äste sich aushängen, Zuckerschoten, Feldsalat, Mandarinen, Milch, Walnüsse, Pinienkerne, Prinzessbohnen, Lebkuchengewürz, den kompletten Supermarkt leerkaufen, Geschenke für die Kinder.

Done.


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