War ja klar.

Dezember 6, 2016

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by Nathalie

Die Tage habe ich mir einen Füllfederhalter gekauft.
So einen, wo man sich hin und wieder denkt: „Irgendwann kaufe ich mir mal so einen Füllfederhalter!“
Der Gedanke, damit mein erstes Buch zu signieren, schien mir ein ausreichend würdevoller Moment dafür zu sein, und deshalb.

Beseelt eilte ich also heimwärts, in einer edlen Tüte (ja, ich weiß, ein Widerspruch in sich) eine noch edlere Schachtel schlenkernd, oder besser nicht allzusehr schlenkernd, denn neben der noch edleren Schachtel befand sich auch ein Tintenfässchen, Deep Sea Green, und mein Herz hopste ein wenig vor lauter Vorfreude.

Zu Hause dann die Ernüchterung:
Der Konverter des Füllfederhalters war defekt.
Ich tunkte und drehte, tunkte und schraubte, tunkte tiefer und fluchte dabei leise vor mich hin.
Kaputt.

Einen Tag später stand ich mit edler Tüte, Schachtel und Tintenfass wieder in dem Laden, in dem man Füllfederhalter fürs Leben kaufen kann, und packte doch irgendwie vorwurfsvoll alles auf den ebenfalls sehr edlen Verkaufstresen.

„Anscheinend ist der Konverter defekt“, sagte ich sehr höflich.
„Darf ich mal?“, fragte der Verkäufer noch höflicher, schraubte das gute Stück auseinander, dippte die Spitze des Füllfederhalters ins Fässchen und drehte den Konverter auf.

Unnötig zu erwähnen, dass der sich mit Tinte füllte, als habe das illoyale Ding nie etwas anderes getan.

„Sie müssen die Spitze des Füllers tiefer eintauchen“, sagte der Verkäufer ein bisschen sehr nonchalant.
„Hab‘ ich ja gemacht!“, erwiderte ich ein bisschen sehr trotzig, was dann leider den Dusselchen-Effekt noch etwas verstärkte.

In des Verkäufers Augen stand ganz klar ein „Die kann nur mit Kulis“-Blick, und bevor in mir der Wunsch, ihn mit meinem Füllfederhalter zu erstechen, übermächtig werden konnte, zog ich meine Restwürde enger um mich und verabschiedete mich hoheitsvoll.

(In dreißig Jahren werden mein wunderschöner Füllfederhalter und ich einander anblicken und gemeinsam darüber lachen.)


Atmen.

Dezember 1, 2016

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by Karl Jacobsen

Die Spedition.
Rückt.
Die Bücher nicht raus!

(Habe gerade kleine Voodoopuppenspeditionswagen gebastelt. Der Hund guckt schon interessiert.)


Was man morgens zwischen halb drei und Viertel nach fünf so alles tun kann.

November 29, 2016

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by Caerwynt Loops

Dem Hund dabei zuhören, der sich von seiner Matte in den Flur und wieder zurück bewegt.

Lichtbahnen an der Zimmerdecke beobachten, die sich einmal quer vom Fenster bis zur Wand bewegen, weil ein Auto in die Tiefgarage fährt.

Sich darüber grämen, dass man den ganzen nächsten Tag über müde sein wird.

Die Position siebenundfünfzigmal wechseln, in der Hoffnung, dass der Schlaf einen doch noch findet.

Eine Weile versuchen, ein Buch zu lesen, dies aber aufgeben, nachdem man feststellen muss, dass der Inhalt nicht so recht durchzudringen vermag.

Sich ganz eng in die die Laken wickeln, schwitzen, sich wieder auswickeln.

Den Rechner zu sich ziehen und gefühlt völlig allein in den Weiten des virtuellen Netzes herumwandern.

Ein paar Mails schreiben.

Bilder zu „Night“ und „lonely“ suchen und sich anschließend gruseln.

„Na toll, in einer Dreiviertelstunde klingelt der Wecker“, denken.

Gottverflucht nervös sein.


Feel Free

November 23, 2016

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by agiaerialattac

Mitunter entdecke ich Klamotten, da denke ich:
Oh Gott, das muss ich haben!

Mitunter fällt mir dann plötzlich auf, dass besagtes Kleidungsstück wohl eher etwas für Zwanzigjährige ist.

Mitunter kaufe ich es dann trotzdem.

(Irgendwann werde ich nicht nur erwachsen sein, sondern auch so aussehen.)
(Vermutlich.)


100 Dinge – Ding 29 bis 33

November 20, 2016

Eine T-Shirt-Runde. Nicht wirklich passend zur Jahreszeit, aber sie verderben ja nicht und sehen auch in einigen Monaten noch schmuck aus.
(Und wenn der Winter so wird wie im letzten Jahr, kann man sie Weihnachten auch schon tragen.)

Alle Shirts sind ähnlich groß, und die überwiegende Etikettenmeinung pendelt sich auf 116 ein, mit leichter Tendenz zu 110.

Wir beginnen mit einem hellblauen Shirt von Lego Wear, das sehr nett Liams lang anhaltende Chima-Leidenschaft vermittelt.
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Um diese Leidenschaft zu verdeutlichen, setze ich dieses Shirt gleich hinterher, auch von Lego Wear, klar. Erkläre mir mal eben jemand, wie ich mich dazu habe hinreißen lassen können, für ein T-SHIRT knappe 25,- Euro auszugeben? Egal. Immerhin hat er’s sehr geliebt.
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Die Mutter dagegen hegte eine heimliche Leidenschaft für Tiger. Deshalb gibt’s auch Tigershirt Eins …
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… und direkt dahinter Tigershirt Zwei. Beide Shirts sind von zara, eines ist mit Größe 110, das andere sogar mit Größe 104 versehen. Beide sind allerdings genauso groß oder sogar größer als Legos veranschlagtes 116, und da Liam die Shirts im Sommer noch perfekt gepasst haben, würde ich sagen, das kommt eher hin.
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Das letzte Shirt spiegelt ebenfalls eine von Liams Leidenschaften wider, allerdings ist diese seit einiger Zeit doch etwas am Abflauen. Auf moosgrünem Hintergrund ist schlicht und schön Liams langjähriges Lieblingstier zu erkennen. Das Shirt ist eine Quasi-Spezialanfertigung und in dieser Kombination höchstwahrscheinlich nicht allzu häufig anzutreffen.
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Wer Interesse an den Shirts hat oder jemanden kennt, der sich darüber freuen würde, der sendet mir eine kurze Mail (goodytales@gmx.de) oder demjenigen einen Hinweis.
Genauere Informationen findet ihr hier.

100 Tage & 100 Dinge ist eine Spendenaktion zugunsten von
MSF – Ärzte ohne Grenzen.
Falls ihr spenden wollt, dann tut das doch bitte über meinen persönlichen Spendenlink.🙂


Taadaaa!

November 19, 2016

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Nach unzähligen Büchern, die ich für meine Kinder vorgelesen habe, angefangen von Bobo Siebenschläfer und der kleinen Raupe Nimmersatt, über Pettersson und Findus, dem Drachen Kokosnuss und die Kinder aus Bullerbü, bis hin zu Harry Potter, Laura Ingalls Wilder und dem Herrn der Ringe – lese ich jetzt mal so angelegentlich aus meinem eigenen Buch.
Für die Ink Rebels Homepage.

Und zwar hier.

Und wenn ich jetzt noch dazusage, dass ich dies mehr oder minder alleine in meinem Kleiderschrank tat (damit es nicht so hallt), aber trotzdem aufgeregt war wie die Hölle – dann könnt ihr euch vielleicht ansatzweise vorstellen, was abgehen wird, sollte ich jemals vor einem Publikum lesen, das aus mehr als zwei Personen besteht.
Welche Nathalie und Liam heißen.


Was tun zwischen 13:22 Uhr und 15:11?

November 16, 2016

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by Brian 104

Man geht mit dem Hund.
Nur mal so eben. Nicht so wirklich lange, weil es nämlich regnet wie aus Kübeln.
Der Hund allerdings kämpft – pädagogisch wertvoll – mit einem anderen Hund und verliert.
Dauernd.
Das bedeutet wiederum, dass der eigene Hund ständig unten liegt und sich wälzt und windet, und wie gesagt:
Es regnet.
Aus Eimern.
Und die Theresienwiese ist heute mal nicht so RICHTIG sauber.

Man geht also mit einem vor klebrigem Schmutz starrenden Drecksköter wieder nach Hause.
Tritt dabei blöderweise in einen Hundehaufen, der unter Blättern verborgen war, und während man noch damit beschäftigt ist, den Mist mit Stöckchen und in Pfützen wieder abzukratzen, stellt man eher nebenbei fest, dass der Hund wiederum damit beschäftigt ist, Kotze aufzuschlabbern.

Hochgradig erregt kommt man dann zu Hause an.
Der Hund muss geduscht werden, nix geht mehr.
Sorgfältig zieht man die ekligen Schuhe vor der Haustür aus, muss allerdings den ekligen Hund leider mit reinnehmen.

Drinnen hält man ihn dann mit einer Hand davon ab, sich an der weißen Wand zu reiben.
Das tut er dafür dann an den Hosenbeinen, ist aber das kleinere Übel.
Man zerrt ihn ins Bad und der Hund ahnt Böses. Er kann sich auf den glatten Fliesen nirgendwo festkrallen, aber er kann sich auf den Boden werfen und einen Schmutzstreifen von der Schwelle bis zur Dusche hinterlassen.
Einen breiten.
An der Toilette versucht er auch noch, sich festzuhalten.

Jetzt.
Das Tier in die Dusche.
Großes Jaunern und Jammern auf Seiten des Hundes und ein bisschen auch auf der Seite der Hundehalterin.
Als er endlich über den Rand gehievt ist, sieht die Dusche aus wie Sau.
Korrigiere: Nicht nur die Dusche.

Während des Duschens dann versucht die Töle ein ums andere Male aus der Dusche zu entkommen, was dann wiederum bedeutet, dass sich etwa alle vier Sekunden ein klatschnasser, dreckiger Riesenhund gegen diejenige wirft, die eigentlich nicht mitduschen wollte.
Eben noch nur dreckig, jetzt auch noch nass. Etwa bis zum Haaransatz.
Ab und an muss der Hund sich schütteln und einmal entgleitet der Duschkopf einer nassen Hand, aber was dabei durch die Gegend spritzt, ist wenigstens nur sauberes Wasser.

Triefend finden wir uns neben der Dusche wieder, wo der geduschte Köter abgetrocknet wird.
Die Tatsache, dass das blütenweise Handtuch danach kackbraun ist, macht schon irgendwie deutlich, dass die Bemühungen mehr so vergeblich waren.

Danach zieht man sich komplett um und putzt das Bad. Auch die Wände und das Waschbecken.
Dann den Flur.
Beim Putzeimerauffüllen fällt einem die Zahnbürste des Gatten in das Putzwasser. Man spült sie heiß ab, besinnt sich eines Besseren und wirft sie in den Mülleimer.

Dann versucht man, den verstopften Abfluss wieder frei zu bekommen, derweil der Hund sich an allem schubbert, was in seine Reichweite kommt.

Am Ende hat man eine geputzte Wohnung, einen aufgeplusterten Hund, überalll nasse Hundehaare und ist ein bisschen erschöpft.


Sind die nicht süß?

November 13, 2016

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Das war eine rein rhetorische Frage, die Dinger waren total süß, und kein Einziges blieb übrig.
Im Hintergrund ist übrigens einer der ‚Oh-verdammt-ich-habe-vergessen-Teller-zu-besorgen!‘-Teller zu sehen. Der dm-Markt war mein Retter: minimalistische Spinnendeko auf weißer Pappe, ich würde ja sagen, fiel keinem auf, weil ohnehin alle nur in die Mitte des Tisches starrten.

Darauf zum Beispiel:
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Der Kinderbeitrag mal wieder. Die Schokokussmonster werden jedes Jahr netter, finde ich, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil ich jedes Mal so entzückt von den Dingern bin.

Dahinter steht der Käsekuchen: bisschen Schokotorte, bisschen Marzipandecke, viele Schaumzuckermäuschen – fertig.
(Nachdem ich diese Idee, die mir vergangene Nacht gekommen war, umgesetzt hatte, stand ich eine Weile vor dem spinnenwebverhangenen Spiegel und war stolz auf mich.)

Dreizehn Kinder fielen heute mit Zuckerschock und Honigkuchenpferdgrinsen in ihre Betten.
Ich korrigiere: Sechs davon fielen in unsere Betten.
Die Bande wird morgen noch abgefrühstückt, aber dann – ist Halloween 2016 tatsächlich vorbei.


Guter Hund.

November 12, 2016

Ich steh‘ gerade in der Küche und back so vor mich hin, für die einigermaßen verspätete Halloweenparty, die hier heute steigen wird, und natürlich muss ich dabei Musik hören. Ohne geht nicht.

Bei diesem Lied hier

kam gerade der Hund rein, legte sich hin und sieht jetzt seit einigen Musikvideos so aus:
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(Er kann es ja nur ganz schlecht ertragen, wenn ich mitsinge, aber offenbar haben wir dennoch einen sehr ähnlichen Musikgeschmack.)


– tilt –

November 9, 2016

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by IoSonoUnaFotoCamer

Der Wunsch, sich einfach umzudrehen, wegzugehen, die eigenen Ansichten und Werte stur weiter hochzuhalten und am liebsten auszublenden, was in anderen Ecken der Welt gerade passiert, ist nachvollziehbar – ich selbst wünsche mir derzeit eine Insel.
Besser noch eine Parallelwelt.

Die eigentliche Herausforerung liegt aber wohl darin, mit den Trumps und Petris und Orbans und Le Pens und Wilders‘ und wie sie alle heißen, sowie mit deren Anhängern im Gespräch zu bleiben und ihnen die eigenen Ansichten und Werte stur weiter entgegenzustrecken.
Möglichst ohne dabei die ganze Zeit zu schreien.