Kennt das noch jemand?

Juli 27, 2015

My beautiful picture

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by HalloweenFashion

“Du, Mama, ich brauche ein Teddy- und ein Zwergenkostüm.”
“Was? Wieso?”
“Für unser Theaterstück in der Schule.”
“Bis wann?”
“Bis übermorgen.”
“!”

Und seit wann weiß sie es?
Seit einer Woche. Natürlich.
Und jetzt hab ich noch nicht einmal erwähnt, dass gefühlt jede zweite Mutter in meinem Umfeld einen Master im Extrem-Nähen absolviert zu haben scheint, und ich kann lediglich Knöpfe.

Übermorgen werden also zwanzig niedliche Zwerge mit roten, bestickten Zipfelmützchen, grünen Hosen und selbstgeklöppelten Schürzchen auf der Bühne stehen, und mittendrin mein Kind, mit einer umgedrehten Schultüte auf dem Kopf.

Dabei sollte die Tochter mittlerweile wissen, dass ich für derlei Dinge optimalerweise eine Vorlaufzeit von mindestens zwei Wochen benötige, besser vier, damit ich irgendwo ein Kostüm organisieren kann. Ausleihen, kaufen, mich quer durch den Freundeskreis fragen – das braucht einfach seine Zeit.
Mit Grausen erinnere ich mich an das Maus-Kostüm, von dessen zwingender Existenz ich am Abend vorher erfahren hatte.
Ergebnis: drei Mäuse mit liebevoll genähten rosa und blau-weiß-karierten Mauseöhrchen, puscheligem Fell und ellenlangen, selbstgestrickten Schwänzchen, und eine Maus in grauen Sporthosen, einem grauen T-Shirt und zwei Pappohren, die ich irgendwie an einen Haarreif getackert hatte.
Eines der Öhrchen fiel während der Vorstellung ab.

Und jetzt also ein Zwerg. Und ein Teddy.
Bis übermorgen.
Wünscht mir Glück.
Und meiner Tochter die benötigte “Mir doch egal, ob ich aussehe, wie ein Flickenteppich”-Haltung, um die breit grinsenden Gesichter ihrer Freundinnen den Nachmittag über zu ertragen.


Ach, Sie auch?

Juli 21, 2015

Wenn man mit dem Fahrrad sehr, sehr schnell fährt, wie ja nun bereits das ein oder andere Mal erwähnt, dann fühlt man sich, was kaum verwundert, auch sehr, sehr allein.

Wenn man dann aber an der Ampel steht, wo ein weiterer Fahrradfahrer aufschließt und sagt: “Skid Row, oder? Hab’ ich früher auch gehört”, dann weiß man, dies ist eine Illusion.

(Das passiert mir eindeutig zu oft. Ich denke darüber nach, das Singen in der Öffentlichkeit zu reduzieren.)


Hier Awwwww-Geräusch hindenken.

Juli 16, 2015

Eichhorn
by Kira

Wusstet ihr, dass sich Eichhörnchen mit ihren winzigen Füßchen kopfüber an Zweige hängen, um am Ast darunter was auch immer abzupflücken?
Ich auch nicht.
Aber sie tun es. Und dabei schaukeln sie wie verrückt hin und her. Und gucken ab und an mit einem “Hast du nichts Wichtigeres zu tun?”-Blick zum Fenster hinein.
(Doch schon. Aber es geht nicht. Nicht, wenn puschelige Eichhörnchen direkt vor meiner Nase akrobatische Einlagen veranstalten.)


Entschuldigen Sie, das hab’ ich, glaube ich, jetzt nicht richtig verstanden?

Juli 10, 2015

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by gronga

Hypochonder hängen ja sehr tief innendrin dem Glauben an, dass der schlimmstmögliche Fall vielleicht gar nicht eintritt, wenn man ihn nur fest genug im Auge behält.

Sobald man in der gewohnten Hysterie jedoch nachlässt, so wie hier zum Beispiel, werden allerdings sämtliche unguten Mächte zwischen Himmel und Erde dafür sorgen, dass die zu niedrig angesetzte Erwartungshaltung nach oben korrigiert wird.

Die Tage zum Beispiel versuchte der Sohn aus dem Auto zu klettern, derweil die große Schwester beschloss, schon einmal die wuchtige Schiebetür zuzuknallen. Glücklicherweise ging sie nicht ganz zu, und ebenfalls glücklicherweise war nur der Unterarm und nicht der Kopf im Türspalt. Trotzdem befand ich mich eine Viertelstunde später mit einem wie wahnsinnig brüllenden Kind auf dem Arm auf dem Weg zu unserer Haus- und Hof-Kinderambulanz, im Hinterkopf der Gedanke: Das könnte vielleicht doch angeknackst sein.

Um Liams Arm zog sich eine beeindruckende Schwellung in dunklen Lila-Tönen, nachdem der Arm aber offensichtlich noch dran war, wurden wir nicht als Notfall eingestuft und mussten drei Stunden im Wartezimmer sitzen.
In dieser Zeit antwortete ich dem nicht so sehr arg Krankenhaus-affinen Sohn (verständlich) etwa hundert Mal auf die Frage, ob er vielleicht in der Klinik bleiben müsse, im beruhigenden Ton:
“Nein. Natürlich nicht. Im schlimmsten Fall ist das angeknackst, und dann bekommst du eine Schiene oder einen Gips, und dann gehen wir wieder nach Hause.”
Und ich war ansatzweise entspannt, und ich fürchtete nicht das Schlimmste.

Im Behandlungsraum dann endlich angekommen, tastete die Ärztin hier, und sie tastete da, ließ Liam den Arm hoch und wieder runter nehmen und lehnte sich schließlich zurück.

“Also, gebrochen ist das nicht, denke ich.”
“Gut!”
“Das Problem ist eher die Quetschung.”
“?”
“Ich überlege gerade … Sie dürfen jetzt nach Hause gehen, aber wenn der Arm noch weiter anschwillt, dann müssen Sie wieder kommen.”
“Noch weiter anschwillt.”
“Ja, der Arm wird dann rot und dick und glänzend, und Ihr Sohn hat dann sehr starke Schmerzen. Dann müssen Sie sofort zurück in die Klinik.”
“Und was wird dann gemacht?”
“Dann müssen wir den Arm spalten.”

Die Sonne schien durch’s Fenster und irgendwelche KInder rannten hinter mir an der halboffenen Tür vorbei. Die Ärztin saß vor mir und nichts an ihrem Gesicht wies darauf hin, dass sie in meinem Hirn in Bruchteilen von Sekunden die Assoziation “Arm – Holzscheit” aktiviert hatte.

Zu Hause wechselte ich dann im Zehnminutentakt kühle Wickel, sorgte den Rest des Tages und die komplette Nacht hindurch dafür, dass der Arm immer leicht erhoben lag, und machte meine Hysterie tapfererweise beinahe komplett mit mir alleine aus.

Am nächsten Tag war die Schwellung etwas zurückgegangen, und der Sohn langweilte sich, weil er nicht in den KIndergarten durfte, aber – trotzdem.
(Ärzte.)


Immer wieder herzerfrischend.

Juli 1, 2015

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by itsabreez

Auf dem Tisch stehen ein Teller mit Mozarella, Tomaten und Basilikum, eine Rohkost-Platte mit Karotten, Paprika, Gurke und Kohlrabi, ein Schälchen Sprossen, ein Teller mit vier verschiedenen Käsesorten, ein in Honig und Nüssen eingelegter Ziegenkäse, Butter, Joghurt mit Apfelmus und zwei verschiedene Brotsorten.

“Kinder! Abendessen!”

Der Sohn kommt angetrödelt.
“Was gibt es heute?”
Ein schneller Blick, dann resigniert: “Nix.”

(Typisch.)


Zur Feier des Tages…

Juni 28, 2015

… stelle ich mal ein kleines Best Of zusammen, während ich auf die Torte warte.

(Zu eurem Glück muss ich jetzt los, Torte essen … ;) )


Gna.

Juni 26, 2015

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by BudgetAstro

Kosmische Verbundenheit zeigt sich immer dann am besten, wenn die ersten Regentropfen fallen, sobald du das Rad aus der Garage schiebst, der Paketzusteller um die Ecke rollt, während Du am Horizont verschwindest, und beim Öffnen der Haustür gerade noch das letztmalige Klingeln des Telefons zu hören ist.

(Mitunter bin ich offenbar einfach der magnetische Gegenpol zu dem, was man allgemein unter “gutes Timing” verstehen würde.)


Stop superficiality

Juni 24, 2015

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by Hypnotica Studios Infinite

Gerade eben bin ich über einen Facebook-Beitrag gestolpert, in dem ganz normale Frauen mit ganz normalen Figuren Bademode von Victoria’s Secret präsentieren. Ich persönlich bin ja sehr empfänglich für derlei Aktionen, weil ich von all diesen mega-gehypten Supermodels mit ihren perfekten Körpern ziemlich genervt bin, und richtig gruselig wird das ja erst durch die Tatsache, dass selbst an den Bildern dieser Frauen noch manipuliert und herumgeschraubt wird, bis uns endlich eine Art fleischgewordene Barbie anstarrt, die im normalen Leben ob ihrer absurden Maße keine drei Schrite weit käme, ohne in sich zusammenzubrechen, in den einschlägigen Frauen-Magazinen aber dennoch als Rollenmodell herhalten muss.

Meine Tochter ist elf, sie ist dünn wie ein Stöckchen, und als sie erstmalig nachdenklich auf einem Mäuerchen saß und ihre Oberschenkel von oben begutachtete, die der Gesetze der Physik wegen minimal breiter aussahen als im Spiegel, erklärte sie mir ohne jedes Augenzwinkern, ihre Beine seien “zu dick”.
Den Kreischanfall, der mich innwendig ereilte, hätte niemand auch nur geahnt, so souverän hielt ich meinen mütterlich-liebevollen Gesichtsausdruck aufrecht, aber ja, mein Kind ist mittlerweile über gesunde Ernährung, die Gefahren des Gruppendrucks und nicht zuletzt über die Möglichkeiten von Photoshop ziemlich gut informiert.

Was mich jetzt zurück zu besagtem Facebook-Eintrag bringt.
Einigermaßen unbekümmert verhalf ich der Aktion zu einem weiteren “Gefällt mir”, und dann stach mir der oberste Kommentar ins Auge:
“Stop glorifying obesity!”

Zuallererst: Von den sechs Frauen, die die Victoria’s Secret Bademode nachstellen, sind lediglich zwei runder als der Durchschnitt. Und ich spreche vom tatsächlichen Durchschnitt, nicht von der derzeit kursierenden westlichen Vorgabe, nach der jede Frau, an der nicht komplett alles schlank, straff und glatt ist, schleunigst etwas für ihren Körper tun sollte.
Und auch diese beiden Frauen sind nicht “krankhaft fettleibig”, wie erschreckenderweise sehr viele der folgenden Kommentatoren behaupten, sondern einfach nur ein gutes Stück kurviger als die Norm es vorgibt.
Trotzdem:
“This is not an everyday woman. this is an unhealthy and obese woman.”

Beide Zitate stammen von Männern, und noch viel mehr Männer entblöden sich nicht, Kommentare zu verfassen, die in etwa in diese Richtung gehen:
“The horrible truth is that they took not good looking girls to make those haters (most of the time ugly women) feel less bad about their body.”

Das allein wäre schon frustrierend genug, vollends zum Heulen wird es allerdings dadurch, dass der komplette Kommentare-Strang, der sekündlich länger wird, durchsetzt ist mit Beiträgen von Frauen, die in einer Mischung aus Selbstgefälligkeit und ungesunder Selbstkasteiung ins gleiche Horn blasen.

Natürlich sind viele, viele Frauen (und sehr, sehr wenige Männer) dabei, die all die Argumente bringen, die in solchen Momenten immer gebracht werden: Jeder Mensch ist schön, sieh nicht nur auf das Äußere, was stimmt eigentlich in Deinem Leben nicht, dass Du es offenbar nötig hast, andere so zu verurteilen?

Leider gehen vernünftige Stimmen zwischen den Kommentaren nahezu sang- und klanglos unter.
“Stop glorifying obesity!” liegt aktuell mit fast 1000 Likes unangefochten an der Spitze, und man muss schon ein bisschen scrollen, bevor man überhaupt zu den Meinungen Andersdenkender kommt.
Darüber hinaus gehen eine ganze Reihe der gutgemeinten Beiträge nach hinten los, weil ihre Verfasserinnen sehr eifrig darauf verweisen, dass ja lediglich zwei der gezeigten sechs Frauen dicker seien, womit sie dann ungewollt die menschenverachtende Vorgabe zusätzlich untermauern. Hey, vier Frauen sind doch SCHLANK, da kann man der Aktion doch keine Glorifizierung von Fettleibigkeit vorwerfen.

Alle sechs Frauen bewegen sich gewichtsmäßig völlig in der Norm, und die Flut an kritischen oder sogar abfälligen Kommentaren zeigt letztlich nur, und das wird jetzt wieder einer dieser Absätze, bei denen ich mich kopfwackelnd frage, ob mir das jetzt nicht zu pathetisch gerät, aber all diese Urteile, die Wertungen, die verächtlichen Worte zeigen nur, wie unglaublich weit unsere Gesellschaft davon entfernt ist, einen Menschen einfach nur zu sehen, ihn vielleicht sogar zu erfassen und seine Persönlichkeit akzeptieren zu wollen.
Eine völlig normale, lachende Frau in einem gewöhnlichen Badeanzug – wie wichtig ist es da, die Wörter “obese”, “fat” und “ugly” drunterzusetzen?

Es tröstet nur bedingt, dass man davon ausgehen kann, dass die vernichtendsten Urteile von denjenigen kommen, die das größte Selbstwertproblem mit sich herumschleppen. Glückliche Menschen haben keinen Grund, andere niederzumachen, und wäre ich nicht so ängstlich darauf bedacht, in jeder Hinsicht der derzeit gültigen Norm zu entsprechen, dann müsste ich auch nicht halb erleichtert, halb gehässig mit dem Finger auf diejenigen zeigen, die aus welchen Gründen auch immer von dieser Norm abweichen.

Es wäre jetzt leicht, diesen Text mit ein paar markigen Sprüchen in Richtung “Nieder mit den gesellschaftlichen Zwangskorsetts” zu beenden, und ich wäre mehr als glücklich, wenn es so einfach wäre.
Tatsächlich aber beugen wir alle uns mehr oder weniger deutlich der Diktatur des äußeren Erscheinungsbildes, und vermutlich kann man nicht mehr tun, als wieder und wieder und wieder darauf hinzuweisen, dass dieser Druck letztlich nicht nur diejenigen zerquetscht, die sehr augenscheinlich davon abweichen, sondern auch und gerade denen die Luft zum Atmen, den Raum zur freien Entfaltung nimmt, die “ugly” plärren.

Jawohl.
Hab’ ich dann für heute auch mal wieder erledigt.


Die Tage, beim Fußballtraining.

Juni 24, 2015

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by DC United 2011

Balleinwurf.
Der komplette Kinderhaufen sprintet hinterher, nicht wenige vergessen dabei die derzeit abverlangte Sportart und recken die Arme in die Höhe, nur ein Junge starrt gänzlich planlos in eine völlig andere Richtung und kriegt das Ding an den Hinterkopf.

Trainer: “Gut! Toller Kopfball!”

(Der ist über die ersten sieben Bände von “Motivation – Erfolg durch die innere Haltung!” längst hinaus.)


Tüpfel-Unverträglichkeiten

Juni 22, 2015

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by Fabric & Ribbon

Erklär mir mal eine, was es mit diesem “weiße Tupfen auf rotem Grund”-Design auf sich hat.
Und warum ich gefühlt ständig erwachsene Frauen sehe, die getüpfelte Gummistiefel tragen oder Schirme oder Taschen oder Röcke oder was auch immer.

Mich wirft das ja immer spontan in die Fünfziger zurück, meinetwegen auch in die Sechziger, und zwar nicht in die Rock’n Roll & Petticoat-Zeit, sondern eher ins “Haarband & Schürzchen”-Hausfrauen-Universum.
Weiße Tüpfel auf rotem Grund sind so Baseballschlägermäßig fröhlich und unbeschwert, dass ich die gerade noch so auf Geschenkpapier ertragen kann. Von mir aus auch noch an kleinen Mädchen, wobei auch kleine Mädchen vielleicht davor bewahrt werden sollten, so lieblich-süß auszusehen, dass man sich am liebsten die Zähne putzen möchte. Erwachsene Frauen dagegen umrunde ich misstrauisch, falls sie auf die Idee kommen sollten plötzlich zu singen, in die Hände zu klatschen oder mir ihre neuerworbenen Pfannen über den Schädel zu ziehen.

Schräger Gegensatz, wenn eine Frau ein rotes Portemonnaie mit weißen Punkten hervorholt, dabei aber guckt, als wolle sie selbiges der Verkäuferin am liebsten auf’s linke Auge hauen. Das fröhliche Getüpfel in ihren Händen konterkariert ihre Mimik derart nachdrücklich, das mir dann unwillkürlich Bankräuber mit weiß-rot getupften Smith & Wessons in den Sinn kommen.

Getoppt werden die Tupfen eigentlich nur noch von bunten Eulen, und von Buchcovern, auf denen langgezogene pieksdünne Frauen mit großen Köpfen winzige Handtaschen tragen.
Vor allem letzteres verursacht bei mir Spontan-Ausschläge, wodurch ich mich dann wiederum unfreiwillig in der Riege der rot-weiß Getüpfelten eingereiht finde.
Perfide.


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