Eisläufer

Januar 8, 2008

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by Jack O’Spades

Gestern waren wir eislaufen im Bryant Park.
Zugegebenermaßen hatte ich ein bisschen damit gerechnet, dass Nathalie beim Versuch an mir hochzuklettern meinen Schienbeinen ein paar derbe Schnittwunden verpassen würde, bevor wir gemeinsam der Länge nach hinschlagen, aber wider Erwarten glitten wir sehr souverän am Rand entlang.

Den Part des Eis-Trottels übernahm statt uns ein junger Mann, dessen Hirn nicht dafür gemacht zu sein schien, die Information „Ich kann auf dem Eis nicht springen“ zu speichern.
Ein ums andere Mal nahm er Schwung, spannte die Sprunggelenke und hob ab, um dann mit den verschiedensten Körperteilen zuerst wieder auf’s Eis zu treffen, die Füße streng ausgenommen. Erst als ihn ein Eis-Security-Angestellter minder sanft zur Seite zog, ließ er von seinem Vorhaben ab, und ich musste glücklicherweise neben der Eisfläche nicht auch noch den Luftraum überwachen.

Um uns herum schlitterten New Yorker aller Alterstufen dahin, und bemerkenswerterweise waren nicht wenige nur mit einem T-Shirt und dreiviertellangen Hosen bekleidet. Es war sonnig, das gebe ich zu, nichtsdestotrotz hätte mich niemand dazu bringen können, auch nur die Jacke über dem Rollkragenpullover auszuziehen.
Vermutlich handelt es sich bei den T-Shirt-Gleitern um dieselben Leute, die bei -17 Grad und Eiswind mit blaugefrorenen nackten Füßen in Ballerinaschühlein unterwegs sind, während ich mich verzweifelt frage, warum man nicht zwei Paar Winterstiefel übereinander ziehen kann und ernsthaft darüber nachdenke, statt Schuhgröße 40 lieber 43 zu wählen, um zumindest ein drittes Paar Wollsocken überstreifen zu können.

So kalt kann es hier gar nicht werden, dass man nicht wenigstens einen Jogger in kurzen Hosen sieht, der den Eiszapfen ausweicht, die er beim Atmen verursacht oder ein junges Mädchen, das zwar mindestens in drei Jacken eingewickelt ist und einen Schal vor der Nase trägt, deren Füße aber in Flipflops stecken (was ihre Gesamtstatur etwas seltsam proportioniert aussehen lässt).

Ich persönlich erkälte mich ja bereits beim bloßen Anblick solcher Menschen.

Als Kind bin ich aber mal heimlich nachts mit nackten Füßen durch den Schnee gelaufen, jawohl. Von der Haustür zum Gartentor und wieder zurück. Es war vollkommen still, und der Schnee war weich, wattig und schneidend kalt. Als ich wieder ins Haus trat, fühlte sich der zuvor eisige Marmorboden im Flur angenehm warm unter meinen Füßen an.

Leider fiel in der Nacht kein Flöckchen mehr, und da ich nicht daran gedacht hatte, meine Spuren zu verwischen, musste ich mir am nächsten Morgen beim Frühstück so einiges anhören.

Es war’s aber wert.

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