Slippery when wet

Juni 16, 2008


by Amodiovalerio Verde

Der Moment, in dem es beginnt:
Es regnet. Ich sitze durchweicht auf dem Fahrrad. Das Kind sitzt wohlbehalten im Kindergarten. Ich schere in unsere Hofeinfahrt ein und betätige mittels Fernbedienung den Mechanismus des Garagentors. Während es sich langsam öffnet, lasse ich mich die steile Schräge zur Garageneinfahrt hinabrollen. Ich fahre in die Tiefgarage und lege mich in die Kurve.

Der Moment, in dem klar wird, dass etwas hätte anders laufen müssen:
Der nasse Vorderreifen rutscht auf dem glatten Garagenboden zur Seite weg. Ich stelle fest, dass der Winkel zwischen mir und dem Boden viel zu spitz ist und versuche mit dem linken Fuß die Lage zu stabilisieren.

Der Moment der Hoffnung:
Es gelingt mir, das Rad hochzureißen.

Der Moment, in dem klar wird: es ist unvermeidlich:
Ich rutsche mit der nassen Schuhsohle weg. Das Rad kippt.

Der Moment des Aufpralls:
Ich strecke den Arm aus, um mit der Hand abzufangen, was der Fuß nicht vermochte. In der nächsten Sekunde krachen 62 Kilo Lebendgewicht und geschätzte 35 Kilo Fahrrad in Laufgeschwindigkeit auf ein sehr, sehr dünnes Handgelenk. Der Körper prallt zunächst mit dem Hüftknochen und dann weitaus unschöner mit dem Jochbein auf den Betonboden. Der Fahrradlenker verdreht sich und reißt mit der Unterseite der Bremse eine tiefe Schramme in meine rechte Hand. Ich schlittere mit dem Rad zwei Meter weit und bleibe erst einmal liegen.

Der Moment des Sortierens:
Alle Zähne sind noch da und wackeln auch nicht. Gut. Keine Platzwunde im Gesicht. Gut. Ziemlich viel Blut an der rechten Hand. Minder gut. Das linke Handgelenkt knackt etwas seltsam, lässt sich aber noch einigermaßen schmerzfrei bewegen. Gut. Ich kann mich aufrichten. Sehr gut.
Der Lenker ist völlig verdreht. Nicht gut. Er lässt sich aber durch rohe Gewalt wieder in die ursprüngliche Richtung drehen. Nun ja. Vermutlich gut. Der Kindersitz sitzt fest. Gut. Das Kind saß nicht drin. Sehr, sehr, sehr gut.
Ich trotte aus der Garage hinaus.

Der Moment des Nachhallens:
Das linke Handgelenk und das Jochbein nehmen grünblaue Schattierungen an. Am rechten Oberschenkel entsteht ein faustgroßer blauer Fleck. Die Schramme an der rechten Hand sah schlimmer aus als sie wirklich ist. Das Fahrrad quietscht.

Bilanz:
Es hätte schlimmer kommen können.

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7 Antworten to “Slippery when wet”

  1. tyndra Says:

    mein gott – da krieg ich einen knoten im bauch, wenn ich das nur lese! alles gute, möge alles schnell und komplikationslos verheilen.

  2. kaleema Says:

    Ui – herzlichen Glückwunsch! Das hätte wirklich schlimmer ausgehen können… Ich wünsche Dir auch eine schnelle Heilung!

  3. Silberpfeil Says:

    Gute Besserung.
    Und gib Deinem Schutzengel was Süsses. Auf dass er beim nächsten Mal auch wieder aufpasst.

  4. luckyjack42 Says:

    Klingt als hätte sich das in Zeitlupe abgespielt. Schublade: Erfahrungen, auf die man gut verzichten kann.
    Gute Besserung!

  5. goodytales Says:

    Vielen Dank für alle Wiederherstellungswünsche!
    Ich geb‘ mir Mühe.

  6. Natascha Says:

    ach du schreck, gottseidank ist nicht mehr passiert. Hoffe, es tut nicht mehr so schlimm weh. Gute Besserung.

  7. goodytales Says:

    Ich habe heute dafür gesorgt, dass es neu weh tut.
    Da fall‘ ich zwanzig Jahre lang gar nicht und dann in einer Woche gleich zweimal.
    So was doofes.

    (Ich schreib‘ das nur ganz klein und verschämt, weil’s so peinlich ist.)


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