Starbucks liebt dich

September 3, 2008


by miskan

In den New Yorker Starbucks-Filialen liegt nur deshalb kein roter Teppich aus, weil man an all die Kunden denkt, zu deren Kleidung Rot nicht passen würde. Ließe sich aber ein samtweicher Bodenbelag einführen, der die Garderobe der Kaffeesüchtigen chamäleonartig angenehm akzentuieren würde, dabei stolpersicher und fleckenresistent wäre und außerdem heitere Klangfolgen abspielen könnte, dann wäre Starbucks mit Sicherheit der erste Großabnehmer.

Statt dessen gibt’s mitunter einen, der den Hinein- und Hinauseilenden die Türe öffnet. Zusätzlich sagt der „Hi, how are you?“ und „Bye, have a good day!“ und dies keineswegs mit einem „Ich wünsche euch allen die Pest an den Hals“-Gesichtsausdruck. Die Aufmerksamkeitsspanne geht dabei so weit, dass der freundliche Mensch in die Filiale sprintet und mit einer Armvoll Servietten wieder herauskommt, wenn das Töchterlein zehn Schritte nach dem Verlassen des Ladens mal wieder das Getränk am Deckel festgehalten hat.

Drinnen wird man – sofern schon ein paarmal da gewesen – namentlich begrüßt. Man bestellt und gibt dabei den Vornamen an, um einige Minuten später aufgerufen werden zu können. Ich weiß ja nicht, wie die das machen, aber jeder Starbucks-Mitarbeiter scheint über ein phänomenales Gesichter- und Namens-Gedächtnis zu verfügen. Ich bin dagegen eher von der vagen „Die hab‘ ich doch schon einmal gesehen“-Sorte und von daher immer ziemlich beeindruckt.

Etwaige Missverständnisse beim Ordern nimmt der Starbucks-Angestellte auf seine Kappe. Bestelle ich also „A cup with Milkfoam only“ für Nathalie, erhalte dann jedoch ob des hin und wieder auftretenden Auberginen-Effekts einen Becher „Milk, no foam“, dann gucke ich kurz irritiert und wiederhole auf die sich anschließende Frage, ob etwas nicht in Ordnung sei, meinen Ursprungswunsch. Sekunden später gehe ich beschwingten Schrittes mit einem kleinen Becher Milchschaum von dannen – die gerngehabteste Kundin weit und breit.

Ja, ja, ja, die werden alle dafür bezahlt, ich weiss das.
Aber auch die Münchener Tengelmann-Angestellte bekommt ein monatliches Gehalt. Die hat jedoch in der Regel nichts Besseres zu bieten, als missmutig die Achseln zu zucken und davonzuschlurfen, wann auch immer ich eine Frage an sie richte.
Deshalb nehme ich in München täglich einen längeren Einkaufsweg auf mich, um der gewöhnlichen Tengelmann-Mitarbeiterin großräumig auszuweichen, während ich ausschließlich in New York regelmäßig einen Chai Latte trinke, einfach, weil’s so nett ist, jawohl.

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8 Antworten to “Starbucks liebt dich”

  1. ichbinimmerich Says:

    Als ich damals in den USA weilte, klärte man mich ob meiner Begeisterung für das freundliche Personal aller Orten darüber auf, dass selbige den Löwenanteil ihres Geldes über das tip verdienen – vielleicht hat das ja was damit zu tun ?!? 😉

  2. Linnea Says:

    In Heidelberg sind sie auch sehr freundlich. Das war im Übrigen auch das erste dt. Starbucks, in dem ich nach meinem Namen gefragt wurde.

  3. goodytales Says:

    Ichbinimmerich,
    ich weiß das, ich weiß das.
    Aber zum einen bekommt ein Starbucks-Angestellter in der Regel kaum ein Tip, da das Ganze ja trotz aller Hofierung ein SB-Laden bleibt.
    Zum anderen ist ein 15%-20%iges Tip in New York sowas von fest einkalkuliert, dass es mitunter – in Touristenläden – einfach zur Rechnung hinzuaddiert wird. Wenn man dann mit dem Service so gar nicht zufrieden war, dann muss man das unter GROSSER Diskussion wieder abziehen – macht man in der Regel nicht.
    Man gibt zuverlässig mindestens 15% (was sich bei Restaurantrechnungen zwischen 60,- und 100,- Dollar ganz schön läppert), fühlt sich aber trotzdem in beinahe jedem Laden wie der verlorene Sohn/die verlorene Tochter.
    Ich mag das.

    Linnea,
    hier wird die Starbucks-Schlange mitunter mit einem Funkgerät abgeschritten, damit die Leute NOCH schneller ihr Getränk in den Händen halten dürfen. Das geht dann so:
    „Hi, how are you (…) how can I help you today?“ – „Mmmmmh, I like a venti Soy Latte, please.“ – „Sure, what’s your name?“ – „Kira“ – „Thank you, Kira“, dann Gemurmel ins Walkietalkie: „Kira wishes a venti Soy Latte“.
    Und Minuten später – man ist noch gar nicht zum Tresen vorgerückt – schallt es durch den Raum: „Kira? A venti Soy Latte for you!“
    (Für alle, die in der Schlange noch nicht wissen, was sie wollen, ist dieser Service ein bisschen sinnlos. Aber welcher Starbucks-Besucher weiß schon nicht beim Hineinkommen ganz genau, was er braucht, unbedingt?)

  4. ichbinimmerich Says:

    Vielen Dank für diese aufschlußreiche Rechnung –
    vielleicht habe ich einfach zu lange in Unternehmen gearbeitet, die „Grußtrainings“ für ihre Mitarbeiter abhalten, um den Umsatz zu steigern – ich steh da nicht drauf…

  5. goodytales Says:

    Mir würden spontan gleich mehrere Verkäufer einfallen, denen ein Grußtraining ganz gut tun würde. Müsste ich nur einmal den Münchener Viktualienmarkt abschreiten.
    Waiter und Verkäufer sind nicht meine Freunde, wohl. Ich werde ohnehin nicht erfahren, was wirklich in ihnen vorgehen mag. Und wenn ich schon nur Oberfläche bekomme, dann doch lieber freundliche Oberfläche.
    Und, so am Rande: ich glaube nicht einmal, dass all die Freundlichkeit immer nur aufgesetzt ist. Ich bin ziemlich sicher, dass ein Großteil der überschwänglichen New Yorker Angestellten sich ihre Aufmerksamkeit nicht aus den Fingern saugen muss.
    Letztlich arbeitet es sich gut gelaunt einfach leichter. Ich hab‘ während meines Studiums ein Jahr lang dreimal die Woche in einer Studentenkneipe gejobbt, und ganz eindeutig verliefen die Abende entspannter, wenn ich gut gelaunt war.
    Hab‘ ich was gelernt.

  6. Jens Says:

    Drei Anmerkungen.

    1. Starbucks
    hat(te?) in den USA einen sehr guten Ruf als Arbeitgeber. http://en.wikipedia.org/wiki/Starbucks#Employee_.28Partner.29_Benefits Starbucks bietet Teilzeitmitarbietern (mehr als 20 Stunden/Woche) Krankenversicherung an, was in den Vereinigten Staaten ein wichtiger Faktor ist. Ansonsten war es lange Zeit üblich, das Trinkgeld nicht an die Mitarbeiter in den Filialen auszuzahlen (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,542873,00.html).

    Wenn es doch das
    2. Trinkgeld
    sein sollte, was zu einer erhöhten Freundlichkeit im Service beiträgt, dann plädiere ich dafür, dass alle Mitarbeiter im deutschen Dienstleistungsgewerbe den Monat mit einem Minus von sagen wir mal 2.000 € beginnen. Da muss man dann schon mal ziemlich lange sehr freundlich sein, um am Monatsende die Miete bezahlen zu können.

    3. Freundlichkeit
    ist ein Verhalten, das im Allgemeinen nicht schadet und vor allem in New York sehr angezeigt ist. Die Menschen gehen freundlich miteinander um, kommen schnell und unkompliziert miteinander ins Gespräch – und wieder voneinander los.
    Ich finde es überhaupt nicht verkehrt, wenn Mitarbieter in Geschäften und Restaurants freundlich sind. Ich brauche niemanden dafür zu bezahlen, das er meinem Teller und meinem Besteck Beine macht oder sich in der Designer-Boutique borniert für etwas besseres hält, weil in seiner Umgebung Yamamoto-Klamotten herumhängen. Wenn ich hier unrasiert, mit Schlappen, kurzbehost und schlecht frisiert mit einem gerade unleidlichen Kleinkind in einen schicken Designer-Sonnenbrillenladen komme, ziehen die super-gestylten Mitarbieter nicht ihre Augenbrauen, sondern die Mundwinkel hoch. Zeigen mir was ich sehen will. Lachen, wenn sich das Kind die 2.000 $ Brille auf die Nase setzt. Und wünschen mir einen schönen Tag, wenn wir den Laden verlassen, ohne auch nur über einen Kauf nachgedacht zu haben.
    Auch im Arbeitsleben ist diese Verhalten sehr motivierend, vor allem wenn es gepaart mit einem teilweise unerschütterlichen Optimismus auftritt. Selbst in Zeiten, in denen es wirtschaftlich schwierig ist (wie jetzt gerade) höre ich selten jemanden klagen. Von daher glaube ich auch nicht, dass das Ganze ein aufgesetztes Verhalten ist, sondern es ist eine andere Sicht auf die Welt. Keine schlechte, finde ich.

  7. ichbinimmerich Says:

    *schmunzeltundgehtschauenwasYamamotoKlamottensind* 😉

  8. Marlen Says:

    Mir würde das auch gefallen… und ich denke auch, dass in der Branche Freundichkeit (aber nicht zu sehr gestellt bitte) was bringt – da spreche ich auch Erfahrunga als Kunde und Arbeitnehmer *hüstel*

    Aber ich denke auch, dass bei den Amis Dienstleistung und alles was dazu gehört viel GRÖSSER geschrieben wird als in Deutschland…


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