Das Grauen hat einen Namen: Sarah Palin.

September 8, 2008


by NewsHour

Ich halte mich politisch für nicht sonderlich aktiv. Ich gehöre zu denjenigen, die morgens mehr oder minder gleichgültig die aktuellen Headlines überfliegen, und um die Ehrlichkeit auf die Spitze zu treiben: ja, ich klicke eher „Todesdrohungen gegen Nobelpreisträger“ an, als „Beck behält Ämter in Rheinland-Pfalz“.

Derzeit komme ich jedoch an keiner wie auch immer gearteten Schlagzeile hinsichtlich des amerikanischen Wahlkampfs vorbei. Vor nicht allzu langer Zeit war ich diesbezüglich noch einigermaßen friedlich gestimmt. Ein bisschen am Hadern ob der Tatsache, dass Hillary Clinton gegen Barack Obama den Kürzeren gezogen hatte, ja. Aber Obama ist nicht wirklich ein Ergebnis, mit dem ich nicht leben könnte, insofern hielt sich mein Kummer darüber in Grenzen.

Selbst die Diskussionen, die sich über den nun stattfindenden Wahlkampf zwischen McCain und Obama entspannten, konnte ich mit niedrigem Blutdruck lesen. Ich gebe zu, ich kann nicht wirklich nachvollziehen, weshalb die Teilnahme am Vietnam-Krieg – und insbesondere die Kriegsgefangenschaft und daraus resultierende Foltererfahrungen – McCain besonders adelt. Kann man wirklich davon ausgehen, dass eventuell bestehende traumatische Erlebnisse aufgearbeitet wurden? Insofern würde ich einem Menschen, bei dem man sich negativ auswirkende Flashbacks angesichts einer sich zuspitzenden konfliktbeladenen Situationen nicht ausschließen kann, eher nicht die Führung über ein Land anvertrauen.

Nun kommt McCain aber mit Sarah Palin. Und Sarah Palin verkörpert für mich persönlich nahezu perfekt politische Ignoranz (um nicht zu sagen Blödigkeit). Diese Frau zieht ihre Attraktivität aus ihrem „Hockeymuttersein“, aus der Tatsache, dass ihr Sohn in der Armee dient und sie ihren Schulfreund zum Manne nahm – patriotisch, konservativ, schlicht.
Sie soll die amerikanische Durchschnittsfrau verkörpern, eine wie alle, und damit deren würdige Stellvertreterin.

Sind aber auch die meisten Frauen der Ansicht, die Erderwärmung stehe in keinerlei Verbindung zu menschlichen Aktivitäten? Befürworten die meisten Frauen Ölbohrungen in geschützten Naturgebieten? Stimmen die meisten Frauen dafür, Abtreibungen nahezu ausnahmslos gesetzlich verwehrt zu bekommen? Sind die meisten Frauen gegen den Sexualunterricht in den Schulen und plädieren sie dafür, dass die biblische Schöpfungsgeschichte gleichwertig neben der Evolutionstheorie unterrichtet wird?
Moment.

HARGN!
*kommt vom In-die-Tischkante-beißen zurück*

Bitte – wer kann sich tatsächlich vorstellen, dass diese Frau Amerika im Fall des Falles verantwortungsbewusst hinsichtlich eines weit größeren Umfeldes als das der konservativen Waffenlobby NRA, deren Mitglied sie ist, zu führen vermag?
Aufgetrumpft bisher ausschließlich mit einer beißenden und inhaltsleeren Rede, verweigert sie sich seitdem Interviews und trat als einzige der vier Bewerber für das Amt des Präsidenten und seines Stellvertreters nicht in den morgendlichen Polit-Talkshows der großen US-Sender auf. Statt dessen soll Ende der Woche ein Interview mit ihr aufgezeichnet werden. Ich hoffe sehr, dass sie dann auch zu Antworten hinsichtlich ihrer vielen widersprüchlichen Verhaltensweisen gewungen wird:

„Die entschiedene Gegnerin jeglicher Geldverschwendung hielt einst als Bürgermeisterin einer kleinen Stadt die Arme weit auf für milde Gaben aus Washington, selbst für sinnlose Vorhaben. Die standhafte Reformerin befürwortete erst die staatliche Subventionierung einer abgelegenen Flussüberquerung, um dann plötzlich dagegen zu sein. Die bodenständige Frau hob in einer Kirchenpredigt ab und pries den Irakkrieg als göttliche Mission. Die fürsorgende Politikerin verweigerte die Unterstützung für ein Wohnprojekt für minderjährige Mütter. Die Realistin lehnt Sexualerziehung in der Schule ab. Die Advokatin sexueller Enthaltsamkeit vor der Ehe hat eine 17-jährige Tochter, die im fünften Monat schwanger ist. Die Sauberfrau, die der Korruption in ihrem Bundesstaat den Kampf ansagt, ist selber Gegenstand einer Untersuchung wegen Amtsanmaßung.“
Die Zeit Online

Trauerspiel.

(Ich beziehe meine Informationen zuallererst aus dem Spiegel und der Zeit. Entsprechend ist meine Meinung sicher über das gewöhnliche Maß an Subjektivität hinaus tendenziös gefärbt. Falls es also auch Positives über Palin zu berichten gibt – immer her damit. Wär‘ ich ja dankbar ‚für.)

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10 Antworten to “Das Grauen hat einen Namen: Sarah Palin.”

  1. tyndra Says:

    also mir fiele nichts positives zu frau palin ein, weder darüber, was sie bisher gemacht hat noch darüber, wofür sie steht. ganz persönlich und und unsubjektiv gesehen und ich möchte auch keinen anderen standpunkt in bezug auf diese frau haben.

    sonst müsste ich nämlich auch in die tischkante beissen *grml*

  2. luckyjack42 Says:

    Bei McCain muss ich immer an Pommes denken – „McCain Golden Longs“. Deshalb habe ich immer ein Grinsen im Gesicht, wenn ich in den hiesigen Zeitungen seinen Namen lese. 😀

    Sarah Palin – ohne Worte Punkt

  3. ichbinimmerich Says:

    Lustig, McCain steht für mich auch in erster Linie für Pommes 😉

    Und was Sarah Palin angeht – habt Ihr nicht gesehen, sie hat ein behindertes Kind, und ist sie nicht wunderbar, dass sie diese Bürde auf sich genommen hat, obwohl sie garnicht wusste, ob sie das Kind lieben können würde. Ich finde das absolut ehrenhaft und berührend und bewegend und NATÜRLICH nimmt mich das so sehr für sie ein, dass ich davon überzeugt bin, dass sie genau die Richtige für diesen Job ist!

    (und NATÜRLICH meine ich das so, wie ich es sage!!!) 🙂

  4. Peter Says:

    Niemand repräsentiert die Verklemmtheit, Verblödung und Doppelmoral eines Durchschnitts-US-Bürgers besser als diese Frau. Also sollte sie nicht nur Vize-, sondern gleich richtige Präsidentin werden. Ein Volk, dass sich mit so irren Argumenten, wie Bush sie hatte, in den Irak-Krieg treiben lässt, hat nichts besseres verdient.

    (Nebenbei: Als ob Obama oder McCain irgendeine andere Politik machen würden als sie. Die können ihre Luftblasen nur eloquenter blubbern.)

  5. Lorelei Says:

    Positives über Palin? Öhm, lass‘ mich überlegen … Sie ist recht hübsch und hat eine gute Figur für ihr Alter und die 5 Kinder? Ansonsten …

    Das Problem bei ihren verqueren Ansichten: es gibt in „Middle America“ eine Menge tiefreligiöser Hockey- und Fussballmuttis, die stolz auf unsere Jungs im Irak, aber gegen Abtreibung und Evolutionslehre sind und sie mit Freuden wählen werden.
    Nicht vergessen: Amerika ist anders. Da kommt man mit europäischem Politikverständnis nicht unbedingt weiter.

  6. Jens Says:

    Tja, Palin, die weitet sich zu einem ernstzunehmenden Problem für Obama aus (der sicher eine andere Politik machen würde – aber natürlich trotzdem eine amerikanische). Als ich ihre erste Rede gesehen habe ging ein Stöhnen durch’s twitterverse, und alle schienen einig: Das wird nix. Aber, wie Lorelei schon sagt. Amerika ist anders. Nicht unbedingt schlechter, nicht unbedingt besser. Anders.
    Vorsichtig wäre ich, Peter, mit Aussagen über die allgemeine Verklemmtheit, Verblödung und Doppelmoral eines Durchschnitts-US-Bürgers. Ich kenne mittlerweile doch den einen oder anderen US-Bürger, habe aber die gerade erwähnten Eigenschaften bisher nicht wahrnehmen können, sondern bin häufig auf gut ausgebildete, belesene, weitgereiste Menschen gestossen – die häufig aus anderen Ländern hergekommen sind. New York ist nicht unbedingt repräsentativ für die USA, sicher ist es auf dem Land anders ist – aber ich behaupte, daß auch in Deutschland Weltoffenheit, Toleranz und Moralvorstellungen mit der Einwohnerzahl des Ortes korrelieren.

    Ich finde es schwierig zu entscheiden, was ein „Volk verdient. Vielleicht einen vom Kriegsgegner finanzierten Wiederaufbau und Wirtschaftsaufschwung (aus welchen eigennützigen Gründen auch immer)?

    Vor allem aber glaube ich, daß die Argumente die zum Ausbruch von zwei Weltkriegen führten nicht so viel besser waren.

    Für alle, die Amerka trotzdem lieben?!

  7. Jens Says:

    Positiv über Frau Palin könnte man immerhin sagen, daß sie eine sehr, hm, positive Sicht auf ihre kleine, kalte Welt hat.

    http://www.factcheck.org/elections-2008/energetically_wrong.html

  8. Ivana Says:

    Hallo nach New York,
    bin mir nicht sicher ob Obama es mit Ihr aufnehmen kann, McCains Taktik Sarah Palin aufzustellen könnte sich rechnen. Meine Hoffnung ist, dass Menschen die für Sie stimmen sich sowieso nicht für einen Afroamerikaner als Präsidenten entschieden hätten und Obama somit keine Stimmen abhandenkommen. Bin gespannt.
    Ivana

  9. Marlen Says:

    Ich bin auch einigermassen entsetzt über diese Frau… und musste schallend lachen, als ich hörte, dass sie gegen Sex vor der Ehe ist nun aber diese schwangere 17jährige Tochter am Hals hat. Die Ärmste kann einem doch nur leid tun… sie ist jetzt das Risiko im Wahlkampf und MUSS den Vater des ungeborenen Kindes heiraten – denn eine Abtreibung kommt ja nicht in Frage. Erschreckend finde ich den Gedanken… sollte McCain aufgrund seines Alters beispielsweise als Präsident ausfallen, rückt sie nach. Kann man sowas wollen??? Oh Gott *stöhn*

  10. goodytales Says:

    Nein, das will man auf gar keinen Fall.
    Und wenn man sich aktuell durch die USA-Nachrichten liest, dann kommt Frau Palin mit ihrem uninformierten Schusselchen-Geschwafel + Karibu-Erlegen sehr gut an.

    Wie Ivana schon sagte: da kann man echt nur hoffen, dass sie mehr die Bestätigung für Menschen ist, die mit Obama ohnehin ihre Schwierigkeiten haben.


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