Es liegt was in der Luft

September 16, 2008


by katia79

Jawohl, und zwar nichts Gutes.
Es ist kurz vor zwölf, und in wenigen Minuten wird es einen Bürgeraufstand geben.
Oder etwas ähnlich Unangenehmes.
Zumindest ließe sich dies aus dem Verlauf des Vormittags schließen, der für nicht wenige Menschen eher disharmonisch begonnen hat.

Für mich zum Beispiel.
Gerade als ich die Straße überquerte, schaltete die Fußgängerampel von grün auf rot, woraus der vorpreschende Jeep-Fahrer sich das Recht ableitete, mich zu Brei zu fahren.
Sehr schön, und für die Nachwelt durchaus festhaltenswert, unser kleiner Dialog, der im wesentlichen aus erbost-hysterischem „Es ist ROT!“ – „Es war GRÜN!“ – „Es ist ROT!“ – „Es war GRÜN!“ bestand.

Weiter vorn gerieten sich zwei Frauen in die Haare. Der Hund der einen war offenbar vor das Rad der anderen gesprungen. Ausgerissenes Haar wurde nur durch vorherrschende Eile verhindert, es blieb aber genügend Zeit, um sich – obwohl bereits zwanzig Meter voneinander getrennt – wütend anzugiften.

Auf der Theresienwiese brüllten sich zwei LKW-Fahrer an, Grund völlig unklar.
Vermutlich erste atmosphärische Oktoberfestschwingungen.

Beim Einkaufen musste sich eine Kassiererin wüst von einem angetrunkenen Herrn beschimpfen lassen, dem offenbar bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war, dass im Allgemeinen für ausgewählte Waren bezahlt werden muss. Diesen Sachverhalt brachten ihm auch die eintreffenden Polizisten nicht näher, weswegen selbige ihn nach draußen verfrachteten, um die mittlerweile ziemlich ausgeartete Zeterei dort fortzusetzen.

Nun sitze ich zu Hause und fühle mich ein bisschen zerrüttet.
Draußen laufen Menschen unter meinem Fenster vorbei, und es ist fast schon ein wenig seltsam, dass niemand von ihnen Anstalten macht, den Entgegenkommenden an die Kehlen zu springen.
Ich brauch‘ Kaffee.

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10 Antworten to “Es liegt was in der Luft”

  1. tyndra Says:

    [wenn sich menschen auf dem zebrastreifen befinden, unabhängig davon, ob ein autofahrer nun grün hat oder doppelgrün, MUSS er stehenbleiben, weil der fussgänger vorrang hat. auf jedem zebrastreifen. zumindest ist das hier im nachbarland so]

    und wegen der revolution: ich hoffe auf eine live-berichterstattung 😉

  2. goodytales Says:

    Einen Zebrastreifen kann ich leider nicht vorweisen.
    Nichtsdestotrotz geht man als Fußgänger doch meist stur geradeaus weiter und sprintet nicht panisch zurück, wenn die Ampel mitten auf der Straße umschaltet.
    Ich weiß das, und der doofe Jeep-Fahrer weiß das auch. Der war nur etwas schnell in der Kurve und musste dann offenbar den Schreck, um Haaresbreite eine Mutter mit Kind überfahren zu haben, durch dämliches Gepöbel kompensieren, jawohl.

  3. Marlen Says:

    Oje… das hört sich nun wirklich nicht nach einem optimalen Beginn für einen Tag an… aber vermutlich kann es nur besser werden 😉

    Lieben Gruss, Marlen

  4. tyndra Says:

    *hehe* – obwohl das sehr lustig anzusehen wäre. fussgänger, die plötzlich in die andere richtung sprinten. dann nämlich würden sie genau denen vors auto laufen, die … achwas. den nächsten kannst du ganz einfach mit der moralischen keule erschlagen 🙂

  5. goodytales Says:

    Marlen,
    ja, das ist immerhin das Gute daran.
    Es KANN nur besser werden.
    (Es sei denn, ich hatte Recht, und die Revolution hält gleich in meinen Vorgarten Einzug)

    Tyndra,
    die moralische Keule müsste bei solchen Jeep-Krakeelern aber gute drei bis vier Kilo wiegen. Sonst nützt dat nüscht.

  6. ichbinimmerich Says:

    In der Tat ist es sogar so, dass man NICHT zurückgehen SOLL, wenn die Ampel rot wird, während man die Strasse überquert. Ich kann nicht genau sagen, wo ich das gelernt habe, aber ich weiss sicher, dass mir das so beigebracht wurde.

  7. goodytales Says:

    In der Fahrschule.
    Mir wurde das in der Fahrschule beigebracht à la „Gehen Sie nicht davon aus, dass Passanten sich auf den Rückweg machen.“

    Aber vielleicht war der olle Jeep-Fahrer nie in der Fahrschule.

    Ach, und ich glaube, im Zuge meiner kindergärtnerlichen Verkehrserziehung wurde mir das auch beigebracht.

  8. Jens Says:

    Auf der anderen Seite des großen Wassers liegt etwas Schwüle in der Luft, fein vermischt mit Aromen von Müll und Hundekacke. Sonst ist alles ruhig. (Außer, naja, die Wall Street bebte).


  9. ich weiß nicht wann genau, aber nach diesem artikel muss es wohl der 16. gewesen sein, als sich die einkäuferin abends um halb 9 bei der verkäuferin mit einem „das nächste mal bitte mit einem lächeln!“ verabschiedete…

  10. goodytales Says:

    … wie sympathisch.


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