Freunde

September 30, 2008


by jefield

Nathalies liebste Fantasiefreunde heißen Nintz und Tutz.
Sehr viel früher gab es einmal einen Neo, da war mein Kind etwa 18 Monate alt. Gesprächig war Neo nicht. Eigentlich beanspruchte er nur Platz. Klassischerweise besetzte er Stühle und stand irgendwo herum, und ich wurde von meiner Tochter angeranzt, wenn ich mich mal wieder auf ihn draufgesetzt oder ihn umgerannt hatte.
Mitunter tuschelten die beiden miteinander, aber zu mir sprach er nie ein Wort.

Eines Abends lag ich mit Nathalie im dunklen Kinderzimmer und zog das Einschlafritual durch, als meine Tochter plötzlich zur geöffneten Tür zeigte und rief: „Neo kommt!“. Dann rutschte sie, um ihm Platz zu machen.
Ich fand das, nun ja, schon etwas unheimlich, doch, und ab da war er mir eher unsympathisch.

Irgendwann hatte Neo offenbar genug gesehen, und er verschwand aus unserem Leben.
Zeitgleich betraten die oben erwähnten Nintz und Tutz die Bühne, und so passiv und unauffällig Neo war, so omnipräsent und aktiv am Alltag teilnehmend sind Nintz und Tutz.

Nintz könnte man als eher wagemutig, neugierig und gutmütig beschreiben. Manchmal existiert sie in mehrfacher Ausführung, zum Beispiel als „kleine Nintz“, als „große Nintz“ und als „Nintz, die ist eben gerade geboren“, und dies durchaus parallel. Nintz‘ Reaktionen sind nie so ganz vorhersehbar, weswegen meine Tochter als Antwort auf meine Frage: „Möchtest Du noch ein Knäckebrot?“ mitunter erwidert: „Du musst vorsichtig sein, wenn du der Nintz einen Kuchen gibst, dann flippt sie manchmal aus und springt in die Torte“.

So ist das mit Nintz.
Tutz ist um einiges renitenter und ungezogener als ihre Fantasieschwester. Mitunter neigt sie sogar zur Bösartigkeit, dann nämlich, wenn sie Nintz mal wieder aus dem Fenster wirft oder versucht, ihr die Beine auszureißen (ich denke dann immer nicht allzu lange darüber nach, was das im übertragenen Sinne zu bedeuten hat).
Wann auch immer es ein Verbot zu übertreten gilt – Tutz ist zur Stelle. Und wenn Nathalie bei einer emotionalen Diskussion mit mir den Kürzeren gezogen hat, dann kann man sie beinahe hundertprozentig wenige Minuten später mit Tutz darüber streiten hören, warum diese jetzt den gesamten Honig zum Abendessen verschlungen hat. Wo’s doch keinen Honig zum Abendessen gibt, oder, Tutz!? Das weißt du doch!?

Gestern jedoch waren sich alle einmal einig. Nathalie hatte statt des üblichen Einschlafbilderbuchs gleich zwei angeschleppt. Wir hatten die „Du kannst nicht alles bestimmen!“-Klippe umschifft und die „Bitte, Mama, biiiitte“-Felsen umrundet. Ich versuchte es gerade mit: „… ICH möchte jetzt keine zwei Bücher vorlesen, Nathalie, und die Regel ist…“, als mein Kind dazwischen quakte: „Aber ICH will heute zwei Bücher hören. AUSNAHMSWEISE! Und die Nintz und die Tutz auch, Mama! Drei zu Eins!“
Wir lasen zwei Bücher. Ich war froh, dass Nathalie nicht auf die Idee kam, zukünftig für jede von ihnen abends eine Geschichte einzufordern.

Irgendwann werden Nintz und Tutz sich von uns verabschieden und ein anderes Kind mit ihrer Anwesenheit beglänzen. Ich werde sie vermissen.

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5 Antworten to “Freunde”

  1. luckyjack42 Says:

    Wie wäre es, wenn Ihr mal ein Geschwisterkind ansetzt? 😉

  2. goodytales Says:

    Cecie,
    dankeschön. :o)

    Luckyjack,
    bei diesen Genen haben wir dann in absehbarer Zeit statt zwei gleich vier Fantasiefreunde im Haus.

  3. Marlen Says:

    Nicht schlecht… und irgendwie bin ich froh, dass wir bisher von Fantasie-Freunden verschont geblieben sind bzw. die sich bei uns nicht bemerkbar gemacht haben 😉

  4. ilona kaddouri Says:

    Du hast es noch gut, immerhin sind es nur zwei!
    Ich hatte hatte als Kind drei Fantasie-Freunde und sie hießen
    Wulle, Geißlein und Muntes.
    Tröstet das?
    Ilona


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