Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Und ab sofort halte ich meinen Blick fern von Dingen, die es trotzdem nicht geben sollte.

Oktober 16, 2008


by Vitor Sá – Virgu

Eben gerade lief im Hintergrund Paul Potts. Seine Stimme fasziniert mich jedes Mal auf’s Neue, ich schließe mich da völlig der Masse an. Wenn ich ihn höre, dann fühle ich mich erhaben, erhoben, berührt.
Die perfekte Atmosphäre, um einen Blogeintrag zu verfassen. Über Staunen, über Wundern. Über Empfinden, Freuen, sich bis ins Herz getroffen fühlen.

Und das hätte ich auch getan, wenn ich nicht vorher noch einen kurzen Blick auf die aktuellen Schlagzeilen hätte werfen müssen. Und auf eine Meldung gestoßen wäre, nichts Weltbewegendes, nichts Auffälliges.

Es geht nicht um viele, es ist keine länderumfassende Katastrophe. Es geht um ein einziges zerbrochenes Menschenleben, und um die atmenden Dinger, die dieses Leben zerrissen und zerstört haben. Ein Mensch starb unter Umständen, die sich niemand vorzustellen vermag. Allein durch das Lesen eines sachlichen Textes fühle ich mich, als müsste ich klebrigen Dreck von meiner Seele wischen.

Ich habe schon oft gehört, dass jeder Mensch in bestimmten Situationen zu Taten fähig sei, die man sich nicht ansatzweise vorstellen kann und will. Existiert in mir ein Wesenszug, der ähnlich grauenvoll ist? Eine Seite, vor mir selbst verborgen, die fähig wäre Handlungen auszuführen wie die, die ich gerade aus meinem Kopf zu ätzen versuche?
Ob wohl mein mir vertrauter Teil in der Lage wäre, meinen Kopf vor einen Busreifen zu legen, bevor ich zu solchen Taten aufbreche?

(Manchmal möchte ich Gelesenes gerne wieder rückstandslos löschen können.)
(Und in einigen Fällen möchte ich das Gleiche mit Menschen tun.)

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4 Antworten to “Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Und ab sofort halte ich meinen Blick fern von Dingen, die es trotzdem nicht geben sollte.”

  1. Silberpfeil Says:

    Das Gemeine ist, dass genau diese gelesenen Texte nicht mehr aus dem Kopf zu bringen sind. Je mehr ich mir sage, dass ich nun nicht mehr an jenes Schicksal denken will, desto mehr studiere ich darüber nach.

  2. kaleema Says:

    Ich habe mal einen Text über jemanden gelesen, der unaussprechliche Dinge mit kleinen Kindern und Babys getan hatte. Und der locker flockig erzählte, was er sich wünschte, worüber er phantasierte, was ihn antrieb. Keine Fiction, ein redaktioneller Text.

    Dieser Text verfolgt mich bis heute, ich bringe ihn nicht aus dem Kopf, er schnürt mir immer noch die Kehle zu, macht mir immer noch Angst und treibt mir die Tränen in die Augen – und das nach drei oder vier Jahren. Ich wünschte, ich könnte ihn löschen…

  3. Natascha Says:

    Leider hab auch ich einen solchen Text gelesen. Das ist fast drei Jahre her. Ich saß im Wartezimmer meines Arztes und blätterte durch eine Zeitschrift. Dann kam ein Artikel über das schreckliche Thema Kinderpornografie. Ich habe den Text nach einem Absatz weggelegt, weil ich es nicht ertragen konnte. Und noch heute schießt mir immer mal wieder ein Satz oder ein Bild aus dem Artikel durch den Kopf, in Situationen, wo man normalerweise gar nicht mal ansatzweise an sowas denken würde. Es gab übrigens keine Bilder bei dem Artikel (zum Glück) aber die Bilder, die in deinem Kopf entstehen, wenn man solche schrecklichen Dinge liest. Die lassen einen nicht mehr los.
    Ich wünschte auch, es gäbe einen Knopf, den man nur zu drücken braucht, und die gewünschte Erinnerung wird aus dem Kopf gelöscht.

  4. ichbinimmerich Says:

    Sobald ich sehe, in welche Richtung Texte, Geschichten, Print, Radio, Fernsehen oder PC gehen, lese ich weg – weil ich es NICHT filtern kann, weil ich Anteil nehme, über das normale Maß hinaus, weil ich Nächte lang nicht schlafen kann, weil ich Fensterläden hinunterlassen muss um mein persönliches Grauen auszugrenzen, weil ich nachts meine Kinder anschaue und zu weinen anfange vor Angst, weil ich mich und meine Familie schützen muss und weil ich sonst verrückt würde!


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