An dieser Stelle und nirgendwo anders.

November 13, 2008

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by Bux

Wir stehen auf dem Kirchplatz, inmitten von Menschen und Laternen und warten auf Sankt Martin. Und auf sein Pferd natürlich. Beinahe möchte man sagen, wir warten vor allem auf sein Pferd.
Um halb sechs soll der gute Mann auftauchen, doch mag er auch ein Ausbund an Großzügigkeit gewesen sein – Pünktlichkeit ist seine Stärke nicht.
Gegen Viertel vor sechs beginnt die Masse unruhig zu werden, um kurz vor sechs harrt nur noch ein wackeres Drittel der Dinge, die da hoffentlich noch kommen.

Als Sankt Martin endlich auftaucht, entschädigt sein imposantes Ross zumindest mein Kind für die lange Wartezeit. Die Tochter ist hin und weg und schiebt sich in dem großen Ring, der sich um Pferd und Reiter bildet, weit nach vorne.
Wir singen ein paar Lieder, mehr im Kanon, als wirklich zusammen, und dann trabt Sankt Martin mit seinem Pferd gemächlich zur uns gegenüberliegenden Seite des Kreises, um den Umzug anzuführen. Hinter ihm schließt sich die Menge zusammen, und unter vereinzeltem Gesang setzt sich der Trupp in Bewegung.

„Nimmst Du das mal, Mama?“
Die Tochter reicht mir ihre Laterne – und rennt los.
Im Halbdunkel sehe ich noch kurz ihre geringelte Mütze aufblitzen, dann ist sie zwischen den Menschen verschwunden.

„Nathalie!“, brülle ich und sprinte ebenfalls nach vorne. Ich bin leider zu groß, um ähnlich gewandt wie mein Kind durch die Menschenmenge zu tauchen, und so eile ich durch hundekotverseuchte Rabatten, die leuchtende Laterne fest in der Hand, und versuche, mein Kind nicht aus den Augen zu verlieren.
Hier und da erhasche ich kurz einen Blick auf die Ringelmütze, aber jegliches einhaltgebietendes Gezeter meinerseits verhallt ungehört.

Nathalie prescht zwischen den besinnlich singenden Laternenträgern hindurch, und ich springe zwischen Grünstreifen und Fahrbahn hin und her, um sie nicht zu verlieren. Direkt hinter dem riesigen Pferdehintern bremst die Tochter ab, und ich schließe endlich zu ihr auf.

„Gibst du mir meine Laterne wieder, Mama?“, sagt mein Kind und nimmt mir freundlich die Laterne aus der Hand. Und während ich noch nach Worten ringe, bohren sich mir ungeduldig die ersten Laternenstäbe in den Rücken, weshalb ich lediglich kurz vorwurfsvoll seufze (was niemand bemerkt) und meiner Tochter ergeben folge.

„Lateeerne, Lateeerne…“

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3 Antworten to “An dieser Stelle und nirgendwo anders.”


  1. Sei froh daß nichts passiert ist… aber hat irgendwer den edlen Reiter mal gefragt, wo er sich herumgetrieben hat? Und warum?

  2. goodytales Says:

    Entschuldige mal – das war SANKT Martin.
    Den fragt man so etwas nicht. :o)

  3. Sonitschka Says:

    Touché. Mehr kann man dazu wohl nicht sagen.

    Schmunzelnde Grüße
    sonitschka


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