Gut Ding und Weile und so.

Dezember 30, 2008

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by Crocidillicus

Ich nehme mir ja jeden Tag auf’s Neue vor, eine ganz wunderbare Mutter zu sein. Ich finde es auch durchaus legitim, mir das immer wieder neu vorzunehmen und lasse mich durch die Streitereien des vergangenen Tages selten aus der Ruhe bringen: ein neuer Tag, ein neues Leben (deshalb steht es leider auch sehr schlecht um meinen Vorsatz, den Zucker aus meinem Leben zu verbannen, aber das ist ein anderes Thema).

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass einige Dinge es verdienen, immer wieder mit gutem Willen angegangen zu werden, und das Ziel, die beste Mutter aller Zeiten zu werden, gehört da unbedingt dazu. Diese Einstellung beschert uns jeden Tag ein entspanntes, kuscheliges Aufwachen mit viel Geschäker und Gekicher. Morgens um sieben bin ich noch frei von jeglichen Mutter-Sünden und halte unverdrossen mein „Heute wird ein ganz wunderbarer Tag“-Fähnchen hoch.

Im Allgemeinen halte ich mein perfektes Mutter-Dasein bis etwa zum Nachmittag durch. Und wenn die Tochter erst dann aus dem Kindergarten heimkehrt, meist noch ein kleines bisschen länger. Mitunter vergehen sogar ganze Tage, bevor mich irgendeine Kleinigkeit dazu bringt, mit aufgestelltem Haar an die Decke zu springen.

Derzeit wird jedoch leider an meiner Mutter-Aureole arg gerüttelt und das bereits in schöner Regelmäßigkeit morgens beim Frühstück.
Ich bin mir völlig sicher: kein Kind isst langsamer als das meine.
Geistesabwesend wird an der Brotkruste herumgenagt, und dabei werden unsagbar lange Geschichten aus dem Leben von Nintz und Tutz breitgetreten.

Spätestens nach einer Dreiviertelstunde und unzähligen „Nathalie, jetzt iss auch mal“-Bitten später, gelingt es mir nicht mehr, mich mit den Prädikaten „geduldig und liebevoll“ zu versehen. Der Tonfall wird schärfer, der Gesichtsausdruck angespannt. Die Tochter kümmert das nicht. An dieser Stelle kommt in der Regel die Anekdote von Nintz, in der selbige „Vierundfünfzig Tage brauchte, um ein Brot zu essen, Mama! Zum Schluss musste ich ihr das Brot einfach in den Mund stopfen, sonst wär‘ sie verhungert!“

Mittlerweile habe ich den Tisch komplett abgeräumt und scharre genervt mit den Hufen.
„Nathalie, bist du fertig!?“
„Nein.“
Das Kind beisst ein winziges Stückchen vom Brot ab.
Ich räume die Spülmaschine aus, die Tochter berichtet weitere Begebenheiten aus dem aufregenden Leben der Nintz und der Tutz. Irgendwann gibt’s in der Küche nix mehr zu tun, und Nathalie hat ihr Brot endlich aufgegessen.

Das Ganze kann bis zu eineinhalb Stunden dauern, und für derart nervenzerfetzend lange Essenszeiten bin ich einfach nicht gemacht. Zum Eklat kommt es, wenn ich dann nach Nathalies Teller greife, sie ihn jedoch mit schnellem Griff umfasst und noch ein Brot verlangt.

An dieser Stelle bekommt das Bild der wunderbarsten Mutter ein paar Risse, und einige deutliche Worte später trabt ein schlechtgelauntes Kind zeternd zum Zähneputzen, und eine schlechtgelaunte Mutter stellt den letzten Teller in die Maschine.

Ich bin sicher, das geht auch anders.
Ich hoffe, ich finde im Jahr 2009 auch heraus, wie.

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5 Antworten to “Gut Ding und Weile und so.”

  1. giftzwerg Says:

    Doch, es gibt noch eines, das so lange braucht. Unseres.
    Aber unseres wird über diese anderthalb Stunde gefüttert *seufz*
    Ich hatte gehofft, das gibt sich irgendwann… wohl nicht :-/ ich leide mit Dir.

  2. tyndra Says:

    ohoh, ich glaube, da kommst du nur mit konsequenz durch. je länger du zusiehst und noch mehr zeit gibst, umso mehr zeit wird sie sich nehmen. ist doch klar, oder? 🙂

    ehrlich: 1 1/2 stunden fürs frühstück wäre mir zu lang. niemand hält das aus, ohne die nerven wegzuschmeißen. [das kind alleine in der küche sitzen lassen? eine zeit ausmachen, zu der das essen abgeräumt wird?]

  3. Doktor Vogl Says:

    Mein Rezept (erprobt mit einem Zahnputz-aversen Kleinkind, das in solchen Momenten nur andere für meinen Sohn halten): Böse gucken (nicht so, Verehrteste, Richtig böse), dazu sinngemäß dieser Spruch: „Ruf mich, wenn Du soweit bist“, entschlossen rausgehen. Nicht umblicken. Bloß keine Erklärungen. Sie sind ganz Miss Wayne, the impeccable, most stoffelig Supermother of the world. Jetzt irgendwo anders hinsetzen und lesen, Kind vergessen, entspannen. Nach fünf Minuten ist der Kleinen das zu fad/zu einsam und sie mampft die Stulle und kommt gelaufen. Wetten? – Oder sie mampft sie nicht. Dann ist es genetisch und Sie können eh nix machen, was der Bestenallermütter natürlich erst recht keinen Zacken aus der Krone bricht…

  4. goodytales Says:

    Giftzwerg,
    es gab durchaus auch Phasen, in denen meine Tochter in der Lage war, ihre Mahlzeiten in einem akzeptablen Zeitrahmen zu sich zu nehmen. Nur, falls das trösten sollte. Es MUSS also nicht zwangsläufig so sein, es IST nur leider seit einigen Wochen bei uns wieder so.
    Aber alles wird auch wieder anders, bestimmt.

    Tyndra,
    den Wecker haben wir bereits ausprobiert. Nutzt gar nix. Sie wird gegen Ende nicht einmal ein bisschen zügiger – es geht ihr nicht um ein kleines Machtspielchen am Rande, sie ist einfach derart gefangen von ihren eigenen Geschichten, dass für etwas so Banales wie das Vergehen der Zeit schlicht kein Raum mehr bleibt.

    Ich könnte vermutlich wirklich einfach rausgehen – ab hier auch für den Doktor Vogl – ich komm‘ mir dabei nur so unnett vor.
    Nichtsdestotrotz sollte ich das wohl mal probieren.

    (Ich tippe allerdings auf eine der zwei folgenden Szenarien:
    A) Die Tochter schraubt die Lautstärke ihrer Erzählungen auf acht und versorgt mich noch im Wohnzimmer mit den neuesten Berichten
    oder B) sie nimmt ihren Teller und eilt mir hinterher.

    Ich werde berichten)

  5. tyndra Says:

    ich bin schon gespannt! 🙂


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