Keine Schonung für nichts und niemanden.

Juli 9, 2009

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by pixelroiber

Ich geb’s zu: Mich lässt das vollkommen kalt.
Michael Jackson ist tot, und mir ist das schon irgendwie eigentlich egal, doch.
Ich hab‘ seine Musik nicht gehört, ich hab‘ seine Shows nicht gesehen.
Ich fand ihn weder besonders gut, noch besonders schlecht.
Ein bisschen durchgeknallt, das schon, aber so wird wohl jeder, der lang genug öffentlich angestrahlt wird.

Was mich aber wirklich gerade dazu bringt, einigermaßen entnervt auf den Monitor zu starren, ist ein Bild seiner Tochter Paris.
Untertitel: „Öffentlicher Abschied: Mit zitternder Stimme verabschiedete sich Michael Jacksons Tochter Paris von ihrem Vater, bevor sie sich weinend vom Mikrofon wegdrehte.“
(Quelle: Spiegel-Online)

Zu sehen ist ein Mädchen mit verzerrtem Gesicht, drumherum ernst dreinschauende Erwachsene, die es offenbar in Ordnung finden, dass ein Kind gezwungen wird, die Trauer um seinen Vater öffentlich zu zelebrieren. Da darf nicht einfach nur geweint werden, das muss bitteschön vor einem Mikrofon passieren, nicht zu vergessen die ca. 200 Kameras,die alles in Großaufnahme festhalten.

Das ist wirklich zum Heulen.

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10 Antworten to “Keine Schonung für nichts und niemanden.”

  1. ichbinimmerich Says:

    Nachdem ich das Memorial ja nun gesehen und für ziemlich schön, stilvoll und würdig empfunden habe,…,für mich hat sich dieser Moment als ein Moment dargestellt, in dem ein Kind der Welt sagen wollte, dass sein Papa nicht der Freak war, den die Welt aus ihm macht. So hat es gewirkt, so kam es rüber und als solches habe ich es sehr bewegt zur Kenntnis genommen. Was die Medien draus machen ist zugegebener Massen ziemlich unschön, vor allem wenn man bedenkt, dass es MJs ganzes Trachten war, die Kinder aus der Öffentlichkeit raus zu halten.
    Ich kann mein bald 6 jähriges Kind bei strömendem Regen nicht davon überzeugen, Gummistiefel anzuziehen – wie sollte man einer 11 jährigen, deren Vater gestorben ist wohl sagen, dass es nicht sprechen darf?

    Und um meine Meinung zu der Frage nach dem „sollen Kinder bei einer Trauerfeier…“ zu beantworten:
    Als in unserer Familie ein Familienmitglied gestorben ist, das die Kinder sehr geliebt haben, und die Person dann bei der Trauerfeier offen aufgebahrt wurde, waren auch Kinder (4 Jahre und älter) anwesend…

  2. Peter Says:

    ja, kira, und da hast du nur das zeitungsbild gesehen. hättest es mal live im TV sehen müssen!

    ich kann ichbinimmerich überhaupt nicht zustimmen. was da stattgefunden hat war für mich kindesmissbrauch hoch drei. nur um das schmuddelimage, das jackson in bezug auf kleinkinder hat, zu korrigieren, wurde da ein kind von einem halben dutzend erwachsenen vor ein micro gedrängt, um völlig hilflos zwei offensichtlich auswendig gelernte sätze aufzusagen. etwas abstoßenderes habe ich lange nicht gesehen. es war einfach nur unglaublich ekelhaft und widerlich.

    mal abgesehen davon, dass ich finde, beerdigungen sollten in einem eher intimen rahmen stattfinden, und nicht zu einem massenevent werden, mit dem man nochmal ein paar millionen abzockt.

  3. sandra und emilia Says:

    mir geht das ganz ähnlich wie dir, kira. ich habs gesehen und hatte überhaupt nicht den eindruck, dass das kind unbedingt reden wollte. ihm wurde das mikro immer noch näher hingeschoben, es bekam wohl gesagt, es solle lauter sprechen usw. – das einzige, was ich bei diesem „abschied“ von familienseite aus nicht als farce empfand, war die traurigkeit dieses armen mädchens.
    wenn michael jackson scheinbar einen wunsch hatte, dann war es immer der, die kinder nicht öffentlich zu zeigen. ist wirklich sehr respektvoll, wie die familie nach seinem tod mit diesem bedürfnis umgeht. mich schüttelts da.

  4. Bildlilli Says:

    Hm – ich bin heute zufällig über ein Interview mit der Mutter dieser armen Kinder gestolpert, in welchem sie sehr glaubhaft darlegt, dass SIE die jenige war, die als Bedingung dafür, dass die Kinder bei Michael Jackson bleiben dürfen gesagt hat, dass sie aber möchte, dass die Kinder zur Unkenntlichkeit vermummt werden, bis sie alt genug sind, zu entscheiden, ob sie erkannt werden möchten, oder nicht. Michael Jackson selbst sei so stolz und so glücklich über und mit seinen Kindern gewesen, dass er sie gerne gezeigt habe.
    Ich finde es mühsam darüber zu spekulieren, ob das Mädchen nun selbst etwas sagen wollte, weil sie ihrem Papa kindlich zu Hilfe kommen wollte, oder ob sie postum gezwungen wurde, um das Image gerade zu rücken. Allerdings regt sich in mir der Zweifel, ob eine Familie, medienwirksam wie die Jacksons wohl sein mögen, tatsächlich in der Stunde des Ablebens bereits perfide Pläne spinnen, wie sie die Kinder wie instrumentalisieren können.
    Wie abscheulich es jeder finden mag – gesehen hat es offenbar doch so ziemlich jeder und damit das eigene abscheulich kleine Bedürfnis nach Voyeurismus auf das solche Haie, wie diese Familie abzielt, ordentlich befriedigt… (just my 2 cents…)

  5. Peter Says:

    @ Bildlilli:
    „Wie abscheulich es jeder finden mag – gesehen hat es offenbar doch so ziemlich jeder und damit das eigene abscheulich kleine Bedürfnis nach Voyeurismus auf das solche Haie, wie diese Familie abzielt, ordentlich befriedigt… “

    nicht richtig. leider konnte man diesem dreck nicht entgehen, weil es keine nachrichtensendung gab, die nicht der meinung gewesen wäre, dass DIESER ausschnitt der höhepunkt der trauerkultur sei, weshalb sie dieses zeug wieder und wieder zwischen klimagipfel und akw-unfällen gebracht haben.

  6. bildlilli Says:

    Nichts für ungut, aber da befand sich dieser „Dreck“ dann in nicht allzu schlechter Gesellschaft – mir scheint, so wirklich nah an der Wahrheit ist keine dieser Veranstaltungen bzw. Berichterstattungen…

  7. Marlen Says:

    Ich finde es erschreckend, was JETZT im Nachhinein aus dieser Trauerfeier gemacht wurde. Wer sie nicht gesehen hat, kann nicht mitreden, da dass was JETZT überall gezeigt wird lediglich Ausschnitte sind, die von den Medien zurechtgerückt werden um eine skandalträchtige oder bemitleidenswerte Schlagzeile zu haben. Und das ist für mich schon der einzige Skandal. Ob das Kind (und ja, ich fand es rührend) gedrängt wurde dieses Statement abzugeben oder ob es sich freiwillig dazu entschlossen hat, wird wohl nur die Familie und das Kind selber wissen. Und ob Debbie Rowe die Wahrheit sagt, wird auch nur sie selber wissen. Fakt ist: Ich fand die Trauerfeier okay und relativ würdevoll. Ich finde aber das JETZT genug sein sollte. Es sollte reichen als Abschied, es sollte reichen mit den Hinweisen auf dieses Prozess (er wurde freigesprochen) und es sollte reichen mit der Analyse der Kinder. Auf die kommt so noch genug zu (Sorgerechtsberhandlungen) und Michael Jackson selber hat seine letzte Ruhe verdient!

  8. jens Says:

    hm. nachdem ich das hier gelesen habe, musste ich doch mal eben auf youtube gucken, wie mj nun endlich von uns gegangen ist. und ich würde mal sagen: passend. ob seine tochter da nun was sagt oder nicht, und ob sie das selber wollte oder nicht – so what?
    sein leben war showbusiness, damit müssen die menschen in seinem umfeld klarkommen. was ihnen wahrscheinlich im grossen und ganzen auch recht gut gelingt, denn ganz schlecht lebt es sich ja nicht in neverland. der preis dafür ist- z.b. – ein kurzer auftritt im staples center. ich wuerde mal behaupten, besser, auf der beerdigung des vaters eine minute in die kameras heulen als lebenslang im slum zu darben, teppiche zu knuepfen oder mit touristen aus den reichen ländern fuer eine nacht ein zimmer teilen zu müssen – und die familie dabei hungers sterben sehen.

    ein gutes hat das ganze aber: wir werden vom könig der belanglosen melodien ab sofort mit keinem ton mehr belästigt. rip

  9. Coco Says:

    „das ist wirklich zum heulen“ – so sehe ich das auch!

    ich finde es sehr schade das mj nach seinem tod auf noch veröffentlicht wird, koste es was es wolle.
    irgendwann sollte doch ruhe sein.

    vorallem sollten seine kinder ruhe finden dürfen. ich finde das ganz wichtig, gerade wenn eben erst der papa gestorben ist.
    für sie ist es nicht mj sonder papa!

    klar kann mein ein 11 jähriges nicht davon abhlaten auf die trauerfeier von papa zu gehen. es kommt aber darauf an was die familie daraus macht. was da gemacht wurde, finde ich nicht in ordnung.

    mir tut das alles ganz arg leid.
    auch was aus einem menschen gemacht wird, wenn er schon tot ist. da schüttelt es micht.
    naja, gott sei dank ineteresseirt es die toten nicht mehr wie respektlos man mit ihnen umgeht.

    und nach dem letzten absatz meines vorschreibers finde ich das r.i.p. fast schon sarkastisch – auch nich fein der herr!

  10. Lalage Says:

    Hm, hast du die Trauerfeier auf englisch gesehen? Bevor das Kind ans Mikro geht wird gesagt „Janet wants to say sth“. Dann geht aber das Mädchen ans Mikro.

    Dass bei einer Trauerfeier in den USA Ansprachen von nahen und auch nicht so nahen Angehörigen gemacht werden, ist dort eigentlich die Norm. Das hat nichts mit Show zu tun. Und Künstler drücken sich nunmal gern in ihrer Kunst aus.

    Ich denke, die Amerikaner wären entsetzt gewesen, wenn (nach deutschem Modell) nur der Pfarrer gesprochen hätte.


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