Bumerang-Stöckchen

Juli 20, 2009

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by eszter

Einmal mehr sind wir im Supermarkt.
Muss man ja doch immer wieder mal hin.
Überraschenderweise sitzt an der Kasse eine Nachbarin, und wir tauschen die ein oder andere Freundlichkeitsformel aus.
„Wie lange musst Du denn heute noch?“, frage ich.
„Hab‘ gerade angefangen“, sagt sie und verzieht das Gesicht.

Draußen stelle ich beiläufig fest: „Der armen Elke müsste man eigentlich etwas Gutes tun.“
„Wollen wir ihr Blumen kaufen?“, nimmt die Lieblingstochter den Faden auf.
Ich halte inne. Da war was. Wäre das jetzt eine Möglichkeit? Ist es doof, seiner Nachbarin Blumen zu schenken? Fühlt sie sich dann nicht vielleicht verpflichtet für einen Ausgleich zu sorgen? Schließlich sieht man sich doch des öfteren, und vielleicht ist ihr das gar nicht so genehm und…
„Mama?“, unterbricht Nathalie meine Grübelei. „Wollen wir der Elke Blumen schenken?“
„Sie hat ja gar keine Vase“, zaudere ich. „Das ist vielleicht keine so gute Idee.“

„Oder Schokolade?“
Die Tochter teilt meine Bedenken offenbar so gar nicht.
„Hm… vielleicht mag sie gar keine Schokolade, weißt du.“
„Aber Mama“, stellt Nathalie verwundert fest. „JEDER mag doch Schokolade.“

Zurück im Supermarkt entscheidet sich das schenkfreudige Kind für Pralinen in einer pinkfarbenen Schachtel, und wir stellen uns wieder bei der Nachbarin an.
„Da habt ihr wohl was vergessen“, meint die und reicht Nathalie die Schokolade.
„Für dich“, strahlt die Lieblingstochter und zappelt ein bisschen vor Begeisterung.

Kurz und bündig:
Die Nachbarin war sehr erfreut.

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14 Antworten to “Bumerang-Stöckchen”

  1. ichbinimmerich Says:

    Immer diese Selbstbeweihräucherung ;o))))

    Nein, ich finde es großartig, dass Du so nett zu den Menschen bist – und offenbar färbt es ja auch schon ab! Wunderbar!

  2. goodytales Says:

    Ist es möglich, über dieses Thema zu schreiben, ohne selbstbeweihräuchernd zu klingen?

    Sag an, wie.

  3. Blossom Says:

    Ooooch, ich find Selbstbeweihräucherung hin und wieder ganz gut. Man muss sich ja auch selbst toll finden, gell? 😀

  4. Freilandrose Says:

    und offensichtlich hast du wirklich eine bezaubernd schenkfreudige tochter, wie ich erleben durfte, die es liebt, anderen freude zu machen. ich sag nur zahnbürste… dieses zauberding ist immer noch thema nummer eins hier.
    gleichauf mit der fadenspiel-geschichte vom KIKS, um kaffeetasse, segelboot, leuchtturm und kleiderbügel, die meine lieblings-mittelgroßtochter heut im kiga aufgeregt präsentiert hat (*angeb*).

  5. goodytales Says:

    Das mit der Selbstbeweihräucherung hängt mir nach.

    Vor einiger Zeit hab‘ ich einem Friseur, der mir Monate zuvor die Haare komplett verhunzt hatte, und unglückseligerweise vor der Tür in der Sonne stand, als ich an ihm vorbeispazierte, zugerufen: „Wissen Sie eigentlich, dass ich schon bestimmt fünfzig Leuten erzählt habe, dass Sie völlig unfähig sind, wenn’s ums Haareschneiden geht?“
    Das war eher minder nett (wenn es auch der Wahrheit entsprach), und der Friseur war sehr vergrätzt.
    Absolut jeder, dem ich davon erzählte, fand die Aktion klasse.

    Tatsächlich aber ist es so, dass ich mich gar nicht getraut habe, all zu vielen Menschen von verschenkten Blumen oder verschenkter Schokolade zu berichten, da ich selbst dabei ein eher seltsames „Sich-selbst-auf-die-Schulter-klopf-Gefühl“ empfinde.

    Und selbst im Blog kommt’s offenbar „selbstbeweihräuchernd“ rüber, und irgendwie ist das doch sehr schade.

    Warum kann man ungehemmt über Unartigkeiten plaudern, muss aber mit „Guck, das hab‘ ich gut gemacht“-Dingen hinter’m Berg halten?

    In diesen Zusammenhang fällt mir ein, dass ich vor gefühlten hundert Jahren in der Schule das selbstgemalte Bild meiner Banknachbarin bewunderte und ihr dafür mein Lob aussprach.
    „Ich find’s auch klasse“, antwortete sie zufrieden, und ich war völlig konsterniert. Schließlich war das ganz eindeutig ein fettes, unverbrämtes Eigenlob und damit ein absolutes No Go.

    Ist das irgendwie mentalitätsbedingt?
    Oder ist das auch in anderen Kulturen so üblich?
    Muss ich mich mal schlau machen.

    Und, Freilandrose,
    hast Du schon die Pflaster in der Jackentasche Deiner mittelgroßen Tochter entdeckt? 🙂

  6. Freilandrose Says:

    ja, kira 🙂 hab ich andernorts auch schon fröhlich erwähnt. schon im zug hat luise mir das ergebnis des mädchengetuschelkichers gezeigt 😀
    ich fand das alles ja hochgradig zuckersüß.

    leider verträgt die meinige tochter diese sorte pflaster nicht – sie hat zum ersten mal im leben eine kontaktallergie :S und ich hatte so gehofft, dass wir von allergien verschont bleiben. aber das konnte ja keiner vorher wissen. jetzt werden die pflaster halt in eine der unzähligen schatzkisten gehütet.

    übrigens hatte nathalie noch einen weiteren einfluss mit ihrer vorliebe für duftende rosa seifen: meine seife verachtende tochter hat sich noch sonntag abend in der wanne die haare gewaschen – mit einer kompletten 200ml-flasche lillifee-shampoo…

  7. Freilandrose Says:

    *schmeißt ein r hinterher*

  8. goodytales Says:

    200ml für das Blondhaar einer einzigen Tochter?
    Wow.
    Die sind jetzt sauber bis 2011. 🙂

    Und dass meine Tochter auf rosa Duftseifen steht, das wusste ich ja noch gar nicht. Besitzen wir rosa Duftseifen?
    Du redest doch wohl nicht von der Hello-Kitty-Figur, die auf einem rosa Seifenstück sitzt, oder?
    Die ist natürlich nicht als Seife zu sehen, sondern als Deko. *Augenrollsmiley hindenken*

  9. Freilandrose Says:

    nö, aber sie haben auf der sinans-toilette über die dortige rosa duftige flüssigseife gefachsimpelt, die die deine mit begeisterung vor UND nach dem toilettenbesuch verwendete. da war meine noch standhaft – die wandlung kam dann erst daheim 😀

  10. goodytales Says:

    Vor UND nach dem Toilettengang?
    Sauberes, äh, braves Kind. 😀

  11. ichbinimmerich Says:

    Ach Kira, natürlich war das keinesfalls ernst gemeint, sondern sollte eher neckend verstanden werden. Mensch, wenn ich gewusst hätte, dass Dir das so zusetzt, hätte ich damit nicht angefangen…

  12. ichbinimmerich Says:

    …geht sich jetzt mal drüben auch selbstbeweihräuchern ;o))

  13. Katja Says:

    Uff! Gerade erst entdeckt -und schon bin ich völlig perspektivlos. 😦

    Momentan dürfen die Menschen in meiner Umgebung schon froh sein, wenn ich …höflich bin. Aber das zählt nicht. (Mädchenkram…)

    Ich schau mal und berichte dann. Sooo schwer kann das nun auch nicht sein. Eigentlich.

    Arbeit zählt nicht, oder? Da lebe ich mein Helfersyndrom sonst aus. Nee, das wäre unfair. Also irgendwas in der „Freizeit“. <-Wortwitz! Von wegen Vollzeitmami und Freizeit…

    *grübel*

  14. Wiesnkaefer Says:

    Liebe Kira, liebe Nathalie

    Bin besagte Nachbarin aus dem Nebenjob Supermarkt und habe mich mehr als gefreut über die supernette Geste von der kleinen Madame Schröter 🙂 ihr wisst gar nicht, was man sich an so einer Supermarktkasse alles gefallen lassen muß von den Kunden ( man bekommt Euromünzen an den Kopf geschmissen, man wird grundlos angebrüllt, es wird wild mit dem Handy tel. umd ich werde böse angeschaut wenn ich für den Einkauf Geld verlange, die Preise sind grundsätzlich zu hoch, es wird gefeilscht, gemeckert und geschimpft, abgesehen davon daß man einen Mordshunger hat und die leckersten Lebensmittel an einem vorbeidefilieren ohne daß man reinbeißen darf ! )Da ist es ein absolutes Highlight wenn eine knapp 5 Jährige mir strahlend eine Packung gerade gekaufter Pralinen entgegenstreckt und sagt: „Die sind für dich !“

    Einfach klasse 🙂

    Heike


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