Uärgh.

November 6, 2009

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by Kapungo

„Was gibt’s Neues?“, fragt Frau Nilson, und das Allerneueste im Hause Goodytales ist, dass die Tochter in diesem Jahr eine Halloween-Party feiern will. Leider fiel das alljährliche Bauernhofwochenende des Kindergartens auf den 31. Oktober, weshalb wir das Fest kurzerhand um eine Woche verschoben.

Noch viel leiderer hatte ich nicht bedacht, dass die Geschäfte im Umkreis auf diese Tatsache keinerlei Rücksicht nehmen und ihre Halloween-Deko-Artikel pünktlich zum 1. November aus den Regalen räumen würden. Von Montag bis Mittwoch suchte ich mit zunehmend länger werdendem Gesicht nach Lampions, Gespenster-Lichtern und Kürbis-Papptellern, und keinerlei Sätze in Richtung „Ah, Frau Goodytales, da sind sie ja endlich! Wir haben das ein oder andere nette Grusel-Stück für Sie beiseite gelegt!“ halfen mir weiter.

Donnerstag betrachtete ich meine karge Ausbeute und beschloss, es mit dem Halloween Gore Store zu versuchen.

Nun muss man wissen: ich bin für Gegrusel nicht gemacht. Ich hab‘ schon als vergleichsweise vorwitzige Sechzehnjährige Horrorfilme nur mit halbgeschlossenenen bzw. fest zugekniffenen Augenlidern ertragen können und war einige der wenigen, die mit spitzen Schreien und Hände-vor-die-Augen-schlagen nicht kokettierten. Ich träume noch heute ungut, weil ich zwischen einem „Blick-an-die-Decke“ und einem „Schräg-an-dem-Fernseher-vorbei“-Starren grauenvolle Fetzen erhaschen musste, und „Fetzen“ darf man dabei ruhig wörtlich nehmen.

Der Halloween Gore Store nun ist kein Kinderspielplatz. Er bietet natürlich AUCH niedliche Kürbis-Servietten und Hexen-Strohhalme an, nichtsdestotrotz ist das Hauptklientel ganz eindeutig ein anderes Kaliber.

Donnerstagnachmittag jedoch übernahm ich einmal mehr die Hauptrolle in der Serie „Was tut man nicht alles als gute Mutter“ und betrat mit dem Sohn den Laden. Nur wenige Sekunden später zog ich dem Mini die blaue Blaubeerenmütze bis zum Kinn herunter und hastete schnell auf einen Verkäufer zu, um ihn inmitten von Blut, Gedärm und hervorquellenden Augäpfeln nach kindertauglichem Party-Equipment zu befragen.

„Ah“, sprach der gute Mann, „das haben wir alles schon im Keller. Ich kann ihnen aber eine Auswahl hoch holen.“ Er führte mich zu großen Körben voll Gewürm und Spinnengetier und verschwand. Zaghaft ergriff ich eine Gummikakerlake und schüttelte sie vorsichtig. Die dünnen Beine wippten artgerecht und streiften dabei meine Finger, weshalb ich das Ding sofort in den Korb zurück werfen musste.

Nicht viel besser erging es mir mit den Fledermäusen. Als ich sie entdeckte, fühlte ich mich vergleichweise sicher. Gummifledermäuse hatte ich als Kind selbst gehabt. Allerdings waren die fest und knackig, während der Bauch der typischen Halloween Gore Store-Fledermaus bei minimalem Druck gallertartig nachgibt und leise knackende Geräusche macht. Zusätzlich lappten sich die zarten Gummiflügel kalt und gar ekelig um meine Hand, und ein weiteres Tier flog im hohen Bogen durch den Raum.

Als der Verkäufer wiederkam, hatte ich mich für eine Handvoll Fledermaus-Gummiringe entschieden. Dazu Kakerlaken-Taschenlampen, einen Satz Dracula-Vampirzähne und eine Packung Spinnweben, die ich zur Tischdecke umfunktionieren wollte. Dabei hielt ich den Blick die ganze Zeit streng nach unten gerichtet, damit ich meine Träume zukünftig nicht mit… blutigen und… wirklich sehr, sehr, SEHR unschönen und verstörenden… Dingern… Masken und geplatzten Köpfen und herauslaufenden Augen und… ANDEREM belasten musste, während der Sohn sich fast das Genick verrenkte, bei seinem Versuch unter der Mütze hervorzublinzeln.

Nachdem ich mich mit putzigem Happy-Kiddy-Halloween-Schnickschnack eingedeckt hatte (ihr müsstet die Kürbis-Strohhalme sehen und die Geister-Servietten), eilte ich zur Kasse. Beinahe musste ich mich dann dort übergeben, da direkt daneben ein Verkäuferin ein enorm unappetitliches Gedeck aus zerrissenen, blutbespritzten und mit eitrigen Schaum bedeckten Körperteilen zurecht machte. Ruckartig drehte ich mich zur anderen Seite, und was ich dann dort sah will nun wirklich keiner mehr wissen.

Beim Verabschieden hat der Verkäufer dann übrigens gesagt: „Die WIRKLICH heftigen Sachen haben wir hinten.“
Nee, nee, nee. Für derlei Dinge bin ich nicht gemacht.

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6 Antworten to “Uärgh.”

  1. Kathi Says:

    Ach, wie schön, dass sie wieder da sind. Ich habe Tränen gelacht!

    Ich liebe Ihren Schreibstil 🙂

    Liebe Grüße

    Kathi

  2. haktyl Says:

    Mein Männe liegt jetzt noch vor Lachen gekrümmt auf dem Boden – allerdings erst nachdem er sich den Link zum Horror-Shop gegeben hat, um dort voller Begeisterung zwischen Totenkopfmasken, Grabsteinen und blutigen Gruselwaffen hin und her zu klicken. Was für ein Laden!! Schön, endlich mal wieder was von dir zu lesen – ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben! Liebe Grüße und ich hoffe, euer Umzug ist geglückt!

  3. Frau Nilsson Says:

    Ich hab mir die Homepage des Horrorshops angesehen. Äh, ja, nett. Was es da alles gibt!
    Verkleidest du dich auch? So als Kung Fu Panda oder so?
    Davon würde ich dann gern ein Bild sehen!
    Und der kleine Bruder sieht mit den Vampirzähnen wahrscheinlich auch herzallerliebst aus…
    Und das Töchterlein? Geht sie als Gruselprinzessin??

  4. sandra Says:

    oh, schön (o:.
    mein favorite in der kategorie „scherzartikel“: ‚brautpaar mit geköpfter braut‘.
    den „meine mutter ist die beste“ – orden hast du dir damit redlich verdient.

    *geht sich das gehirn mit kernseife auswaschen*


  5. Es muss auf jeden Fall großartig gewesen sein, denn entgegen der sonstigen Gewohnheit wird durchaus Bericht erstattet – das will schon was heissen 😉

  6. goodytales Says:

    Frau Nilson,
    die Tochter war eine Hexe.
    Der Sohn und ich, wir hielten uns verkleidungstechnisch dezent zurück. (Phasenweise verkleidete sich letzterer als „genervtes Baby“, aber das gilt vermutlich nicht.)


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