Perspektivenwechsel II

März 15, 2010


by Mara Ross

„Oh nein!“, schreit die Mama.
Ich sitze vor dem Blumentopf und esse Erde.
„Da“, sage ich freundlich und halte Mama ein Bröckchen hin.
Mama stürzt auf mich zu und entwindet mir nicht nur das Erdklümpchen, sondern beginnt obendrein auch noch, mit einem Finger in meinem Mund herumzustochern.
Das geht schon etwas zu weit, finde ich.

„Au!“, ruft die Mama und zieht hastig die Hand zurück.
Ich schlucke angestrengt.
„Das kann man doch nicht essen!“, schimpft die Mama und versucht durch Druck auf meine Backen meinen Mund zu öffnen. Ich strahle sie an.
„Du hast es runtergeschluckt!“, ruft Mama entsetzt und schüttelt dann resigniert den Kopf.
„Das ist Erde“, sagt sie und sieht mich streng an. „Das ist kein Frühstück.“
„Frühstück!“, rufe ich und mache mich auf den Weg ins Esszimmer.

Mama packt mich und trägt mich ins Bad.
„Nein“, sagt sie dabei etwas gereizt, „jetzt waschen wir erst einmal die Erde aus deinem Gesicht.“
Wusste ich’s doch, dass auch dieser Spaß seine Kehrseite haben muss. Nach einem kleineren Gezeter setzt Mama mich auf den Boden. Beleidigt sehe ich ihr nach, als sie das Bad verlässt. Dann wende ich mich dem Mülleimer zu. Der ist normalerweise durch die hochgeklappten Griffe an den Seiten fest verschlossen. Heute jedoch hat Mama es offenbar etwas eilig gehabt.
Ich öffne den Deckel.

„Oh nein!“, schreit die Mama, als sie Minuten später den Kopf durch die Tür steckt.
Ich wickele gerade das dritte Windelpäckchen aus.
Während Mama schimpfend die Einzelteile zusammensucht, werfe ich einen Blick ins Wohnzimmer. Dort hat Mama einen Stapel Wäsche ordentlich gefaltet auf dem Sofa deponiert. Ich vervollkommne das Ganze schnell, dann krabbele ich in die Küche. Hier steht ein Kasten mit leeren Flaschen, doch während ich noch versuche, eine davon herauszuziehen, steht Mama schon wieder hinter mir.

„Das ist kein Spielzeug, mein Schatz“, sagt sie, löst meine Finger vom Flaschenhals und setzt mich vor die weitaus weniger interessante Kiste mit meinen Bauklötzen. Sie nimmt den Flaschenkasten und trägt ihn zur Tür hinaus.

„Oh nein!“, ruft sie.

Jetzt hat sie wohl die Wäsche entdeckt.

Entschlossen ziehe ich die unterste Küchenschublade auf.
Es gibt soviel zu tun.

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8 Antworten to “Perspektivenwechsel II”

  1. sorgenlos Says:

    Ist das eine Episode von Dir *g*? Mensch bist Du unentspannt *lach*
    LG
    Petra

  2. ami Says:

    ganz ganz großartig!! danke, ich hab heute das erste mal laut und herzlich lachen müssen:)

    (und abgesehen davon: ihre beiträge sind samt und sonders lichtblicke im bloggereinheitsbrei. auch dafür mal ein herzliches dankeschön!)

  3. Frau Nilsson Says:

    So schön! Die neue Rubrik Perspektivenwechsel gefällt mir sehr gut!

  4. Lisa Says:

    Wiefes Kerlchen ! Ganz die Mama 🙂

  5. Frau Bluemel Says:

    *pruuust*

    Herrlich. Bitte mehr!

  6. Kathi Says:

    So toll! Lach!

    LG Kathi

    PS: könnte meiner sein 🙂

  7. Michaela Says:

    Weia… wollte ich bis eben ehrlich noch Kinder? Das könnte ja tatsächlich anstrengend werden! 😉

    Liebe Grüße von einer bislang stillen Mitleserin

  8. anjanamaire Says:

    Mensch Mutter, jetzt sei doch mal ein bissel entspannt und flexibel. Alles ist gut!

    Ich hab grad herzhaft lachen können, und kann mir gut vorstellen, wie es Ihnen so dabei geht. 😉


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