Be quiet, please.

Februar 26, 2011


by Kevin Lawver

Derzeit ist der Quinny kuschelig weich und warm mit einem dicken Wintersack ausgerüstet. Ich persönlich vote ja seit Anfang Januar für 23°C, aber irgendwie scheint das niemanden zu interessieren, und deshalb.

Im Allgemeinen sitzt Liam da auch friedlich drin, Reissverschluss zugezogen bis unter’s Kinn und lässt sich eskimolike von seinem Privat-Husky durch München kutschieren.

Gestern allerdings war ihm das nicht genehm. Seiner Ansicht nach besaß er ein klares Anrecht auf mein Mobiltelefon, welches jedoch meiner Meinung nach weitere Stürze auf den Boden nicht unbedingt unbeschadet überstehen würde. Die freundliche Ansage „Nein, das ist mein Telefon“ führte dann zu meiner ersten Erfahrung eines kindlichen Zornanfalls in der Öffentlichkeit.

Schlagartig auf Hundertachtzig bäumte sich der Sohn nach rechts und nach links und verschwand schließlich mit Schaum vor dem Mund im Fußteil des Sitzsacks, der sich daraufhin so weit nach unten dehnte, dass das tobende Knäuel sich direkt auf den Vorderrädern ausbeulte. Leider ließ sich der Wagen so nicht mehr schieben.

Jedes Mal allerdings, wenn ich das vielarmige Brüllkind nach oben zog, glitt es sofort wieder zeternd und geifernd nach unten, um sich dort weiter aufzuführen, als würde es mit einem Stachelschwein kämpfen.

Liam in dieser Stimmung tragen zu wollen wäre nur möglich, wenn man ihn mit schweren Ketten am eigenen Oberkörper befestigen würde, und da waren ja dann außerdem noch der Kinderwagen und eine große Tasche, für die mir zusätzliche Arme fehlten.

Schwitzend und beruhigend-wenn-auch-zunehmend-verbissen vor mich hinmurmelnd manövrierte ich den Sohn ein ums andere Mal in Sitzposition, wich dabei seinen wutentbrannten Fausthieben aus und ignorierte die Passanten um mich herum, von denen einige bereits mehr als eine Grünphase der Fußgängerampel hatten verstreichen lassen, um uns ein bisschen zu betrachten.

Letztlich hängte ich die Tasche an den Wagen, zog mit beiden Händen den sich hin und her windenden und lautstark krakeelenden Sitzsack nach oben und schob den Wagen mit den Hüften vorwärts, um zumindest erst einmal eine etwas weniger belebte Ecke aufzusuchen. Jedes volltrunkene Nilpferd hätte in diesem Moment graziöser gewirkt.

Beenden ließ sich der Zornausbruch erst durch spontanes erschöpftes Einschlafen. Des Sohnes. Natürlich.
Beim behutsamen Versuch, ihn in eine Position zu bringen, die es mir gestatten würde, unbehindert von einem zehn Kilo schweren Sitzsackwulst auf den Rädern weiter zu fahren, brachte er ein letztes „NEI! NEI! NEI!“ in nicht weiter auffälliger Lautstärke hervor und schlief dann sofort weiter.

Jetzt bin ich also um diese Erfahrung reicher.
(Ich würde allerdings nicht soweit gehen behaupten zu wollen, mich dadurch auch bereichert zu fühlen.)

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3 Antworten to “Be quiet, please.”

  1. Bine Says:

    O Gott. Das ist ja fast nur noch zu toppen durch lautes AU! AU! AU! AU! Gebrüll … vorzugsweise auch im belebten Kaufhaus.

  2. Liraluh Says:

    Puhh, dass solche Wutanfälle normal sind brauch ich dir ja nicht zu sagen. Hatten wir glaube ich alle schon erlebt.
    Trotzdem ist das in der Öffentlichkeit sehr unangenehm.
    Ich kann mich auch daran erinnern, wie mein inzwischen 14 jähriger als kreischendes Bündel unter meinen einen Arm hing, im anderen die Einkaufsbeutel…
    Schade, dass diejenigen die extra stehengeblieben sind nicht einfach mal Hilfe angeboten haben!

    lg Liraluh

  3. elbkind Says:

    „Nicht hauen, Mima – Bitte!“
    (Geht immer noch schlimmer.)


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