Mr. Ambivalent.

April 13, 2011


by kirstyhall

„Mate! Mate! Mate! Mate!“
„Möchtest du Tomate?“
„Ja!“
„Bitte schön.“
Ich reiche dem Sohn ein Stückchen Tomate.

„Nein! Neinneinneinnein! Nich!“
„Doch keine Tomate?“
„Nein! Nich!“
„Okay.“
Ich lege die Tomate auf den Teller zurück.

Dort ist sie noch nicht ganz angekommen, da tönt es von unten: „Mate! Mate! MATEMATEMATE!“

Was ist das denn bitte für eine völlig… ich möchte beinahe sagen idiotische Phase?
Im blödesten Fall geht das so lange hin und her, bis einer frustriert in Tränen ausbricht (er), oder ein anderer die Tomate aus dem Fenster wirft.

„Rein! Rein! Rein!“
„Du willst rein?“
„Ja!“
Ich öffne die Tür, der Mini setzt einen Fuss in den Flur, dreht sich abrupt wieder um und rennt „Raus! Raus! Raus!“ brüllend in den Garten zurück.
Und was geschieht wohl in der Sekunde, in der ich die Tür seufzend wieder schließe?

Dabei ist er ununterbrochen böse auf mich. Weil, egal was ich mache, ich mach’s ja falsch.

So lange wir da aber für ihn keinen Weg finden, gleichzeitig oben und unten, und links und rechts, und drunter und drüber zu sein, werden wir uns derzeit zwei bis dreimal am Tag in den Haaren liegen müssen.

Völlig wahnsinnig macht mich das übrigens vor allem abends, wenn er meine Hand zum Einschlafen gleichzeitig haben und nicht haben will. Mein Geduldslevel bewegt sich dann bereits in Minusbereichen, und wenn er meine Finger eine Weile lang getätschelt, verhätschelt, verstoßen und wüst verflucht hat, entziehe ich ihm irgendwann genervt das Objekt seiner Entscheidungsunlust. Das führt natürlich unmittelbar zur völligen Auflösung und damit einhergehend zu dem Versuch, sich auf meinen Schoss zu hangeln. Wo er dann sofort wieder runter will, wenn ihm das gelingt.

Ist das ein Jungen-Ding?
Verschwindet das wieder?
Wann?
(Jemand hier, der beruhigend „Nächste Woche, allerspätestens“ sagen will?)

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13 Antworten to “Mr. Ambivalent.”

  1. Silberpfeil Says:

    das muss ein Jungensdings sein. Hier genau dasselbe und bei der Tochter war das nie so schlimm. Und auch ich hoffe, dass es schnell vorbei geht mit dieser Phase.

  2. haktyl Says:

    Bei mir noch nicht so akut aktuell (und ich hoffe, daß das auch so bleibt!!) Und falls er doch mal Anstalten macht, bin ich konsequent genug, ihm klipp und klar zu sagen: „Entweder das oder das und wenn du dich nicht entscheiden kannst, dann entscheidet die Mama und basta!“ Er trägst dann nach kurzem Genöle mit Fassung!

  3. sandra Says:

    die krux an der sache ist glaub ich, dass er nicht mehr als „mate“ sagen kann, obwohl er eigentlich meint: mama, ich möchte bitte eine tomate, diese gern gesiebtelt, die haut hälftig abgezogen, in jedem schnitz vier kerne. danke, du bist die beste (o:“

    und du kapierst es halt nicht (o;

  4. Katharina Says:

    Hihihi, der Kommentar von Sandra ist klasse…

    Und ich befürchte, dass Du nicht hören möchtest, dass das bei Cedric fast ein viertel Jahr so ging. Und nahtlos abgelöst wurde von der momentanen „NEIN“-Trotz-Wut-Ärger-Phase, die auch nicht viel besser ist… Ich weiß gar nicht, welche besser / schlechter ist! Aber meine Nerven sind nur noch sehr dünn…

    Bei Caitlin gabs solche Probleme übrigens kaum! Also nur in ganz abgeschwächter Form. Also vermutlich wirklich ein Jungen-Ding 🙂

    Gute Nerven!

  5. Bulgariana Says:

    Wie soll ich es sagen – auch bald 13-jährige haben immer noch diese Phase. (Phase? Lebenseinstellung!)

  6. Désirée Says:

    Kein Jungsding. Hatten/haben hier Beide. Töchterchen als es Junior hatte.

    Was uns hilft und schon beim Grossen half: 1. detailierter Nachfragen (wie oben schon erwähnt wurde: manchmal möchten sie die Tomate einfach anders geschnitten usw.)

    2. wenn ich merke, da geht es nur darum Frust abzulassen (was auch immer sich da wieder angestaut haben mag), bleiben wir bei der letzten Entscheidung die das Kind getroffen hat und ich halte dem Sturm danach stand. Danach habe ich idR. wieder ein „normales“ Mädel 😉

    Hach ja, die Phase dürfte gerne mal vorbei sein 😉

  7. goodytales Says:

    Silberpfeil,
    meine Tochter hatte das nur in Ansätzen.
    Zumindest meine ich mich vage daran zu erinnern.
    Vielleicht verbräme ich da aber auch etwas nostalgisch, so angesichts des Tobsuchtsnickels hier.

    haktyl,
    ach, Du meinst also, mit der simpelsten aller Methoden hätte ich es noch gar nicht versucht, ja? Hier fehlt es nur an Konsequenz, ja?
    *zieht sich zurück, um dem Neffen die wirklich WIRKLICH miese „Schwarz!-Weiß!-Nein!-Doch!“-Phase zu wünschen*

    (Ich freue mich dann auf Tipps von Dir. (o: )

    sandra,
    das klingt nachvollziehbar, doch.
    Könntest Du mir dann bitte auch die Übersetzung für „Ich will raus und gleichzeitig drinnen sein“ sowie für „Ich will auf den Arm und dabei nicht berührt werden“ liefern?
    Und bitte auch für „Ich will aufstehen, aber auch liegenbleiben“, nicht zu vergessen für „Geh weg aber kuschel mich!“
    Ich wäre Dir verbunden.

    Katharina,
    das hast Du nicht gesagt, und ich hab‘ das nicht gehört.

    Bulgariana,
    siehe Katharina.

    Désirée,
    ich würde ja detaillierter nachfragen, wenn ansatzweise die Chance bestünde, eine detailliertere Antwort zu erhalten.
    Das einzige, was Liams Antwort von seiner vorhergehenden unterscheidet, ist jedoch leider die Lautstärke.
    Ja.

    Nichtsdestotrotz freue ich mich zu lesen, dass ich offenbar nicht die Einzige bin, die da an ihre Grenzen kommt, wohl.
    (Aktuell mag er nicht mehr mit der großen Schwester kneten und will aufstehen. Gleichzeitig jedoch möchte er gerne sitzen bleiben und versucht zu verhindern, dass Nathalie die Knete wieder in die Töpfchen füllt. Wenn ich den Tonfall richtig deute, dann geht es der Lieblingstochter gerade ganz ähnlich wie mir… ich geh‘ sie mal retten.)
    (Obwohl – wenn ich noch etwas genauer auf Nathalies Tonfall achte, dann rette ich wohl eher den Mini.)

    • haktyl Says:

      Ich habe nur gesagt, daß Konsequenz bei mir hilft und wahrscheinlich auch zugegebenermaßen nur, weil er (wie gesagt) nicht richtig in dieser Phase steckt und hoffentlich auch nicht reinkommen wird. Falls es aber hin und wieder doch mal passiert, überwinde ich diese kleinen Anfälle auch durch genaues Nachfragen und bin in der glücklichen Lage, daß er mir zunehmend verständlicher antwortet, bevor er sich reinsteigert und die Situation eskaliert.

  8. katharina Says:

    Hier auch. Hier auch. Der Große hatte eine solche Phase gar nicht oder wenn dann nur so dezent, dass ich mich nicht mehr daran erinnere. Der Kleine – naja. (Achtung, jetzt weghören: nicht erst seit gestern, und nicht nur für zwei, drei Wochen..) Aber: es wird immer leichter, rauszufinden, was er will, je besser er spricht. Und ich habe das Gefühl, damit werden diese Anfälle auch kürzer bzw. in ihrer Intensität schwächer.
    Aufstehen und gleichzeitig liegen bleiben haben wir hier aber auch immer noch gerne. Wie auch irgendwas Bestimmtes zu essen haben und gleichzeitig doch nicht haben wollen.
    Das wird schon. Ommmmm.
    Liebe Grüße.


  9. Jungsding, ganz sicher. Weil: hätte ich ein Mädchen, wie gewünscht, dann würde die so was ganz sicher nicht machen. Versteht sich von selbst. Also muss es ein Jungsding sein. Und es geht nächste Woche weg. Ganz plötzlich. Und wenn nicht, dann bleibt es noch eine Weile. Das Mittel der Wahl? Warten. Es bleibt nämlich definitiv nicht für immer.

    (Und gerade diese Phase fand ich zwar außerordentlich nervtötend, aber durchaus nachvollziehbar. Ich habe das praktisch andauernd. So, im Abstand von ein paar (vier) Wochen, oder so. Vielleicht sogar monatlich. Ich will was, aber ich weiß nicht was. Ich will, dass er mich in den Arm nimmt. Aber nicht so. Und eigentlich will ich in Ruhe gelassen werden. Ich will Schokolade, aber diese ist zu süß, und die andere zu bitter und weiße Schokolade ist langweilig. Ich will… irgendwas. Jetzt. Mach mich glücklich, aber sofott.)

  10. goodytales Says:

    katharina,
    ich hab‘ weggehört. (o:

    Frau Löwenkind,

    „Ich will… irgendwas. Jetzt. Mach mich glücklich, aber sofott.“

    Ach, DAVON redet das Kind!
    Vielen Dank – ich fühle mich erleuchtet.
    *kuss*


  11. Ja, genau davon redet das Kind. Ist eigentlich ganz einfach. Oder?

    (Fragen Sie mal meinen Mann. Der darf bei mir daran quasi andauernd verzweifeln. Glücklicherweise ist er ein ziemlich ausgeglichener Mensch. Waage, Aszendet Waage. Er hat jedenfalls noch nicht versucht, sich meinetwegen aus dem Fenster zu stürzen. Und bei mir geht die Phase definitiv nicht nächste Woche vorbei. So viel ist sicher.)

  12. Marta Says:

    Ich vermute eher, daß es ein Zweites-Kind-Ding ist. Unsere Kleine hatte auch zeitweise solche Anwandlungen. Aber viel mehr kenne ich das Verhalten von meiner Katze 😉
    Kopf hoch, es ist nur eine Phase. Hoffentlich eine kurze.
    Im Zweifelsfall setze ihn doch einfach in seinen Kindersitz in den VW-Bus 😉

    Gute Reise!


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