Aufhören!

Juni 2, 2011


by Christian Heindel

Ist es die Gurke? Sind es die Erdbeeren?
Ist es Fisch, ist es Fleisch, kann es das Katzenfutter sein?
Kosmetika, Trinkwasser, vielleicht ein Anschlag?

Was auch immer die Ehec-Erreger auf den Plan gerufen hat:
es ist ein Einschnitt in die Selbstverständlichkeit und in die Leichtigkeit; ein Schlag gegen Genuss, Gefühl und Lebensfreude.

Darf ich das essen?
Darf ich das anfassen?
Muss ich meine Hände desinfizieren, muss ich den halben Inhalt meines Kühlschranks wegwerfen?

Bietet die Mittagsbetreuung weiterhin Rohkost an?
Was ist im Kantinensalat meines Mannes?
Und ich selbst?
Wie gefährdet bin ich wirklich, die ich rein statistisch perfekt ins Opferschema passe?

Ehec-Keime sind nicht nur potenziell tödlich.
Sie zerstören auch mein Vertrauen in meine Umwelt, sie nehmen mir das Gefühl, meine Kinder bestmöglichst zu versorgen – die Ängste, die sie auslösen, sind existenziell.

Ich will Liam wieder unbesorgt Tomaten in die Hände drücken, und ich will, dass Nathalie wieder Erdbeeren pflücken kann.

Ich will nicht bei jedem Bauchgrummeln meinen Herzschlag verdoppeln und ihn bei etwas weicherem Stuhlgang gleich ganz aussetzen lassen.

Ich will in der Zeitung lesen: „Es handelt sich um verdorbenes Geflügel dieser Firma, zu kaufen in diesen Läden und mittlerweile komplett zurückgerufen“.

Ist das denn zu viel verlangt?

Ich will meine Unbeschwertheit beim Essen zurück.

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2 Antworten to “Aufhören!”

  1. Peter Says:

    Also ich habe da dauernd das Bild von winzig kleinen, super listigen Viechern im Kopf, die irgendwo im Untergrund wuseln und ihre Truppen per Mini-Handy koordinieren. Spanisches Gurkenkommando, gute Arbeit, zurück auf Start. Kommando Nummer drei, Einsatzposition einnehmen und ab in die Erdbeeren. Und irgendwie kommt es mir vor, als hätten sie viel Spaß dabei. 🙂

    (Ja: Das finden Hypochonder natürlich gar nicht witzig.)

  2. Doktor Vogl Says:

    „Ich will meine Unbeschwertheit beim Essen zurück.“ Von wem, Verehrteste? Mir geht es übrigens ähnlich. Faste seit 4 Wochen aus Angst vor meinem Spiegelbild und schrecke beim Anblick von Kuchen lustvoll-phobisch zusammen. Bei 64 kg Nettogewicht gönnen ich mir wieder so richtig was. Wann fangen Sie wieder mit Rohkost an? Bei weniger als zehn Ehec-Toten pro Monat? Sie werden sich doch nicht von Bakterien die Lebensführung diktieren lassen? Damit stellen Sie die winzigen Biester ja auf eine Ebene mit so wertvollen Selbstentfaltungsbremsen wie Finanzämtern, Polizei und Lebensabschnittsgefährten. Das haben die Bazillen nicht verdient. Ich ignoriere sie lieber. Das können Sie noch auf mein Grab schreiben: Doc Vogl ignorierte sie. Wird dadurch nicht falscher.


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