Über jede Schmerzgrenze.

August 13, 2011


by Helico

Gestern Abend habe ich mir „In meinem Himmel“ von Peter Jackson angesehen.

Gibt es eigentlich irgendeine Mutter oder einen Vater, die bzw. der bei diesem Film nicht heulen muss?

Ich weiß gar nicht, was ich erwartet hatte – eine Freundin erzählte mal, dass alles durchaus mit einem humorvollen Unterton dargestellt werden würde. Es sei trotz der schwer verdaulichen Thematik ein leichter, liebevoller Film, in dem es um Versöhnung, Loslassen und Verzeihen gehe.

Wir können unmöglich denselben Film gesehen haben.

In „In meinem Himmel“ wird die Geschichte der vierzehnjährigen Susie erzählt, die von einem Nachbarn in eine Falle gelockt und ermordet wird. Das Wie und das Warum bleiben unbeleuchtet, aber die Szene, in der Susie im schlamm- und blutbeschmierten Badezimmer des Nachbarn steht, derweil der mit einem Waschlappen auf dem Gesicht im braunen Badewasser sitzt, muss kaum noch durch andere Bilder unterstrichen werden.
Und was das „Warum?“ betrifft: hier ist es nicht wichtig und hat auch keine Bedeutung für Susies Eltern, für ihre Geschwister, ihre Freunde oder Susie selbst.

Es braucht keine expliziten Darstellungen, wenn Susies Mörder mit angespanntem, fast schon gebläht wirkendem Gesicht kurz vor der Tat nur noch zu blasigen „Hm! Hm!“s fähig ist, und es interessiert nicht, was ihn antreibt, wenn er Monate später Susies Schwester ins Visier nimmt.

Würde der Film nicht hin und wieder etwas überborden und die Grenzen zum Kitsch überschreiten, wenn es um die Zwischenwelt geht, in der Susie sich nach ihrer Ermordung zunächst aufhält, hätte ich ihn vermutlich gar nicht bis zum Ende ertragen können.

Ich fühle mich nach einer Nacht immer noch etwas neben mir, und man frage mal den Gatten, der sich nachts um halb eins noch mal eben den ersten Teil von „Fluch der Karibik“ ansah, um sein Hirn durchzuspülen.

Da mache ich seit Jahren riesige Umwege um Werke wie „Funny Games“ und „Henry: Portrait of a Serial Killer“, und dann stolpere ich emotional über den „liebevollen und leichten“ Film von Peter Jackson. Hätte ich das geahnt, hätte ich mir vermutlich lieber zum 35. Mal „Herr der Ringe“ angesehen.

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Eine Antwort to “Über jede Schmerzgrenze.”


  1. Ging mir ähnlich. Wobei ich das „cheesy Photoshopping“ für die Himmelsszenen so übertrieben fand, dass es dem ganzen ein bisschen die Spitze genommen hat. Im Urlaub habe ich das Buch gelesen und das ist…. nun ja, es ist natürlich ohne Bilder, dafür fehlt der Kitsch… und die Sprache ist phänomenal…


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