Sticky Fingers

Oktober 25, 2011


by m.prinke

Heute morgen gegen acht saß ich einmal mehr auf dem Zaharztstuhl und wartete auf den Kieferchirurgen meines Vertrauens.
Da es sich nur um eine kurze Überprüfung der letzten im wahrsten Sinne des Wortes nervenzerfetzenden OP handelte, saß ich da sogar ansatzweise entspannt.

Jedenfalls so lange, bis mein Blick zu meinem schwarzen Rollkragenpullover glitt, der grell bestrahlt plötzlich ein ziemlich klägliches Bild abgab.

Im Schulterbereich befanden sich Rotzspuren (der Sohn), weiter unten klebte eindeutig Zahnpasta (die Tochter), und absolut überall sträubten sich weiße Minifluseln (der Wohnzimmerteppich), was mir so insgesamt einmal mehr bewusst machte, dass es unklug ist, sich den Kindern zu nähern, wenn man bereits ausgehfein ist. Und niemals sollte man sich auf dem Wollteppich im Wohnzimmer von ihnen verabschieden, wenn man nicht hektisch an eingetrockneten Flecken kratzend und Flusen abzupfend vom Zahnarzt überrascht werden möchte.

Während ich effizient zu Hause vor mich hin rotiere, fällt mir so etwas beinahe nie auf. Wenn überhaupt, dann in dem Moment, in dem ich bereits leicht verspätet aus der Tür stürze. Dann sehe ich auch, dass sich Rotz und Zahnpasta auch noch an Nasen und Lippen der unbekümmerten Kinder neben mir befinden, und dass, obwohl ich beschwören kann, dass beide durch meine bewaschhandschuhten Hände gingen.

In der Regel bearbeite ich dann schnell noch Kind Nummer Eins, dann Kind Nummer Zwei, fahre mit dem Lappen eilig über die Schmutzspuren auf meiner Jeans wahlweise Jacke, wodurch selbige unter einem dunklen, nassen Fleck verschwinden, um dann eine halbe Stunde später quasi unbeschadet wieder zum Vorschein zu treten.

So lange ich mich in Bewegung befinde, finde ich das nicht einmal wirklich tragisch.
(Das zuzugeben kostet mich einiges. Vor sieben Jahren ungefähr wäre ein solcher Satz nie in die bewussten Sphären meines Hirns gerutscht.)

Unter der gnadenlosen Schmutzflecken-Schwarzlicht-Lampe des Arztes wird’s dann aber doch ziemlich unangenehm. Zumal wenn die Zahnarzthelferin nichts weiter zu tun hat, als mich anzustarren.

Das nächste Mal gönne ich mir dann doch lieber noch einen Extra-Blick in den Spiegel.
(Entweder das, oder ich hülle mich ganz autonom in mehrere Schichten Spritzschutzgaze.)

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