Mütterehrgeiz.

April 20, 2012


by fringefalcon

Neulich waren wir in einer Art Kinderclub.
Unter anderem konnten die Zwei- bis Fünfjährigen dort an langen Tischen mit Papier, Kleister, Farbe, Glitzer und Schnipseln große, klebrige Gebilde fabrizieren, die man zuerst über den grünen Klee lobte und anschließend vorsichtig zusammenrollte, wobei Kleister und Farbe unweigerlich auf den Pullover tropften und Berge von Glitzer und Schnipseln zu Boden rieselten.

Interessanterweise ließen sich dort zwei Müttergruppen ausmachen. Die einen wickelten ihre Kinder in mehrere Stoffbahnen, krempelten ihre Ärmel bis zum Schulterbereich hoch und kreischten ununterbrochen „Vorsicht!“ und „Achtung, die Farbe!“ oder „Pass auf!“.

Die anderen unterhielten sich derweil bestens untereinander und gerieten nur dann in Bewegung, wenn eine „Lucia, dein Ärmel hängt in der Farbe“-Mutter bitterböse Blicke in die Runde schoss, weil Lucias Nachbarin ein Glas Wasser umgestoßen hatte und niemand sich bemüßigt fühlte einzuschreiten.

Falls sich das jemand fragen sollte: ich metamorphierte innerhalb einer Viertelstunde vom Kieks- in das „Nach mir die Sintflut“-Lager, dann nämlich, als ich erkennen musste, dass längst nix mehr zu retten war.

Mit einem Tee in der Hand plauderte ich daher über Kinder und Wetter und führte am Rande weiterhin meine Feldstudie durch, die mich letztlich zu dem Ergebnis brachte, dass ich einen ganz bestimmten Mütterschlag wirklich gefressen habe.

Die nämlich, die zunächst einmal Berge von Glitzer und Schnipseln dem eigenen Kind vor die Nase schaufeln, während die Kinder drumherum sich mit einem kümmerlichen Rest begnügen müssen. Im Anschluss daran führen sie zunächst Alibi-mäßig die Hand des Kindes auf dem Bild herum, begleitet von vermeintlich motivierenden „Guck mal, hier könntest du noch etwas hinkleben“-Sätzen. Im Verlauf werden sie hemmungsloser und kleben munter selbst mit, und alle Zurückhaltung fällt, wenn das Kind den Platz längst missmutig verlassen hat, und die Mutter dem Gemälde hurtig noch ein paar Schnipsel hinzufügt.

Was zum Schluss dabei herauskommt, verdient ganz sicher nicht mehr den Untertitel „Anna, 4 Jahre“, aber für ein ehrliches „Marlies, 37 Jahre“ langt es dann doch nicht.

Liam ertränkte sein Papier übrigens in vier Litern Kleister, faltete alles dann ordentlich zusammen und verschweißte das Ganze mit seiner Hosentasche. Auch ’ne Art Kunstwerk, doch.

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Eine Antwort to “Mütterehrgeiz.”

  1. Eva Says:

    Also doch keine RICHTIGE Foren-Mutti, ich wusste es!! 😀
    Ich finde basteln ja schrecklich. Also selbst basteln, meine ich. Machen lassen ist ok.
    Ich bin sicher, ich muss heute ganz oft an „Marlies, 37 Jahre…“ denken.


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