Sweet dreams.

November 19, 2012


by doegox

Zur Zeit wandern die Kinder nachts gerne herum.
Nein, das trifft es nicht ganz:
Zur Zeit wandern die Kinder nachts gerne in Richtung des elterlichen Schlafzimmers, und sie hören sofort auf zu wandern, wenn sie es sich im großen Bett gemütlich gemacht haben. Meist geschieht dies so früh, dass der Gatte, nachdem er Kiefer Sutherland vier, fünf Folgen lang durch die Serie „24“ begleitet hat, seinen Platz im Bett bereits besetzt vorfindet und sich daraufhin mit einer Wolldecke auf das Sofa im Wohnzimmer zurückzieht, wo er bis zum nächsten Morgen den ungestörten Schlaf der Soloschläfer schläft.

Ich dagegen liege zwischen zwei Kindern wie ein einsames Buch zwischen zwei sehr, sehr anschmiegsamen Buchstützen.
Anschmiegsame, schnarchende, leise seufzende und sich immer wieder hin und her windende Buchstützen.

Das linke Kind zieht mir die Decke weg, das rechte Kind verteilt Tritte.

Das linke Kind liegt plötzlich quer, das rechte Kind rutscht in die Lücke zwischen Wand und Matratze und findet das enorm unspaßig.

Das linke Kind muss auf’s Klo. Das rechte Kind nicht, ist nach dem Klogang aber genauso wach.

Das linke Kind schmettert krachend seinen Schädel gegen meinen Unterkiefer, das rechte Kind setzt sich schlaftrunken auf und sucht, sich auf meinem Oberkörper abstützend, seine Trinkflasche (es hat sie in seinem Zimmer liegen lassen).

Sobald beide Kinder neben mir liegen, empfinde ich zunächst einmal mehrere Minuten lang warmes, allumfassendes Mutterglück, doch.
Dann kriege ich einen steifen Rücken, weil beide Kinder so hingebungsvoll an mich rangekuschelt schlafen, dass ich es nicht über’s Herz bringe, sie aus meinen Armbeugen zu schubsen.
Und wenn mir irgendwann später – wie auch schon in den Nächten davor – endlich klar wird, dass nichts und niemand diese beiden Kinder aus dem Schlaf reißen kann, wenn sie nicht völlig autonom aufzuwachen gedenken, dann geht auch schon das Drehen und Ächzen und Winden und Schieben und Rotieren und Löckchen-in-der-Nase-Gekitzel los.

Wenn ich das allumfassende Mutterglück der ersten Minuten nicht jede Nacht auf’s Neue so genießen würde, und wenn mir nicht klar wäre, dass beide Kinder irgendwann nicht nur in ihren eigenen Betten, sondern zudem auch noch in ihren eigenen Wohnungen schlafen werden, dann wären sie in der ein oder anderen Nacht schon ernsthaft ziemlich gefährdet.
So aber wache ich halt fünf- bis fünfzehnmal auf, entwirre, ordne, schiebe zurück und hole die verflixte Trinkflasche.

(Ich hätte auch nicht vermutet, dass ich es vermissen könnte, morgens gegen halb fünf ein bisschen zu stillen.)

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2 Antworten to “Sweet dreams.”

  1. lotterleben Says:

    Grins – diese genußvollen Minuten voll tiefem Mutterglück (und sogar das „Hach – Stillen…“-Gefühl) – ja, genau. Bis das Mupfel beginnt, Kreisel zu spielen…aber, hach, diese Minuten als wichtigster Mensch auf Erden… ;-). (hier erst seit ein paar Wochen das nächtliche Wandern – allerdings entweder gleich abends oder zu so tollen Uhrzeiten wie 4:30 (da, wo man nicht wieder einschläft weil man die ganze Zeit denkt „Du mußt jetzt ganz dringend wieder einschlafen!“).
    Mitfühlende Grüße!

  2. Jarg Says:

    Kenn ich. Allerdings bin ich dann doch meistens der, der nach drei Stunden hochkannt mit schmerzendem Rücken an der Wand neben u.a. einem ratzend Raum beanspruchenden Kind das Weite sucht und auf die Couch flüchtet. Falls ich nicht neben dem ohne Vater derzeit nur gebremst einschlafenden Sohn abends eingeschlafen bin und meinen Platz Stunden später durch die Zwillingsschwester belegt sehe …
    Alles in allem aber trotzdem schön – Familienleben eben und keiner weiß so recht wo er/sie morgens aufwacht 😉


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