Der 4. Geburtstag.

April 8, 2013

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by Kira

Idee:
Die Kinder kommen gegen 15.00 Uhr und sind in bester Stimmung.

Realität:
Die Kinder kommen zwischen 14.45 Uhr und 15.30 Uhr. Die ersten sind nur mit Fackeln und Peitsche davon abzuhalten, den Geburtstagstisch bereits ohne die fehlende Hälfte der Partygäste zu entern. Einer der Jüngsten will auf gar keinen Fall ohne seinen Papa bleiben. Der Papa ist ein bisschen irritiert und ein bisschen genervt und führt eine halbstündige Diskussion darüber, ob er jetzt geht oder nicht und ob das Kind alleine auf seinem Stuhl sitzen kann oder nicht und ob er seinen Sohn am besten gleich wieder mit nach Hause nimmt oder nicht (Sohn bleibt, alles gut). Ein Junge musste seinen Mittagsschlaf dem Geburtstag zuliebe etwas abkürzen und ist hundemüde.

Idee:
Wir singen „Zum Geburtstag viel Glück“ und lassen das Geburtstagskind anschließend hochleben.

Realität:
Es singen lediglich die Mutter und etwas verschämt vor sich hin brummelnd die beiden anwesenden Väter. Die Kinder beobachten uns fasziniert. Das Geburtstagskind möchte auf gar keinen Fall dreimal hochgehoben werden, weshalb dieser Teil unter den Tisch fällt.

Idee:
Alle Kinder essen gemeinsam Kuchen. Danach werden die Geschenke geöffnet und von allen begeistert bestaunt.

Realität:
Die Kinder schwanken zwischen „Ich hab‘ keinen Hunger“ (das müde Kind) und „Sechs kleine Muffins und ein Stück Kuchen“. Mehrere verlassen den Geburtstagstisch, um schon einmal ein bisschen zu spielen. Liam öffnet seine Geschenke trotzdem. Während er noch mit dem Geschenkpapier kämpft, informieren ihn seine Freunde über den Inhalt. Das Geburtstagskind lässt sich davon überhaupt nicht beirren, lediglich die große Schwester zeigt sich entsetzt. Ein Becher mit Apfelsaftschorle kippt um, tropft aber glücklicherweise niemandem auf die Hosenbeine.

Idee:
Wir spielen „Bello, Bello, Dein Knochen ist weg“ und „Der Drachenschwanz“.

Realität:
Das Geburtstagskind verweigert das zuvor ausdrücklich gewünschte „Bello“-Spiel und überhaupt alle anderen Spiele und will stattdessen lieber in seinem neuen Malbuch malen. Es erlaubt aber nur einem einzigen anderen Kind, mitzumalen. Allen anderen, die jetzt aber auch unbedingt malen wollen, druckt die Mutter in Windeseile Drachen, Dinosaurier und Prinzessin Lillifee-Malvorlagen aus. Alle malen. Die Langeweile der Mutter wird nur durch gelegentliche weitere Malvorlagen-Wünsche und einem weiteren umgekippten Becher unterbrochen.

Idee:
Die Kinder machen eine Schatzsuche.

Realität:
Ein Junge will nicht mitmachen, weil er gerade so schön mit dem Bagger spielt. Liam erhält den ersten Hinweis. Sobald die Kindergruppe realisiert hat, was zu tun ist, spurtet sie los und überfordert damit das Geburtstagskind, welches sich an diesem besonderen Tag eigentlich in der natürlich vorgegebenen Rolle des „Immer-an-der-Spitze-Seienden“ wähnte. Im weiteren Verlauf der Schatzsuche kann man daher Liam inmitten der herumsausenden Kinder beobachten, der zornbebend und sehr frustriert Sätze wie: „ICH MUSS VORNE SEIN!“ und „Ja, ja, ich bin eine lahme Ente!“ schreit. Glücklicherweise finden alle den Schatz, bestehend aus Gummischlangen und Schokogoldmünzen so großartig, dass sogar Liam seinen Groll vergießt.

Idee:
Zum Abendessen gibt es Pommes und Wienerle. Alle freuen sich.

Realität:
Zwei Kinder finden, dass der Rapunzel-Ketchup aber so gar nicht mit dem MacDonalds-Ketchup mithalten kann, essen aber trotzdem. Einer findet die Pommes matschig und isst lieber einen Apfel. Ein Kind will gar nichts essen, sondern spielt lieber im KInderzimmer weiter. Ein Kind lädt sich vier Kilo Pommes auf den Teller, hat dann aber nach wenigen Bissen keinen Hunger mehr (das „Sechs-Muffins“-Kind). Zwei weitere Becher kippen um, in einem ist glücklicherweise nur Sprudelwasser.

Idee:
Gegen 17.30/18.00 Uhr werden alle Kinder abgeholt.
Für jeden gibt es noch ein Mitgebsel-Säckchen. Liam verabschiedet sich nett von seinen Gästen, danach schauen wir uns gemeinsam seine Geschenke an.

Realität:
Gegen 18.30 Uhr erscheint der letzte Vater. Allen abholenden Eltern wird als erstes erklärt, dass man mit was auch immer noch nicht fertig sei. Ein Junge eilt hurtig zu seinen vorher verschmähten Pommes zurück, drei weitere Kinder sind ohnehin noch nicht fertig mit dem Essen. Ein Mädchen zerreißt in seinem Wutanfall darüber, dass es jetzt nach Hause gehen soll, versehentlich sein Mitgebsel-Tütchen, was den Kummer nicht unbedingt beschwichtigt. Liam hat sich mit seiner besten Freundin versteckt, weshalb die Mutter der besten Freundin ziemlich lange nach ihrer Tochter sucht, bevor mir das auffällt und ich sie zu den beliebtesten Verstecken meiner Kinder führen kann. Der von mir erwartete Wutanfall darüber, dass die Freundin jetzt nach Hause geht, bleibt glücklicherweise aus, dafür setzt sich der Sohn nun mit all seinen Geburtstagsgeschenken mitten in den Flur und verabschiedet die ersten abziehenden Gäste mit einem fröhlichen „Tschüs“ über sechs Meter hinweg. Mehrere Kinder werden daher von ihren Eltern aufgefordert, noch einmal zu Liam zu laufen, um ihm die Hand zu geben und sich zu bedanken, was dann bei zwei Kindern dazu führt, dass sie sich zu Liam setzen und mitspielen wollen. Großes Gebrüll, als die Eltern hinterherkommen und ihre Kinder wieder an sich nehmen.
Als die letzten gegangen sind, suchen wir ziemlich lange alle Geschenke zusammen und gucken sie uns gemeinsam an.

Unter’m Strich:
Klasse Geburtstag. Alle glücklich.

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7 Antworten to “Der 4. Geburtstag.”

  1. Sandra Says:

    Du kriegst nen Solidaritätsorden 😀

  2. goodytales Says:

    Ich verlange mindestens einen „Die Ruhe selbst“-Orden.
    (Oder wenigstens einen „Mrs. Flexibel“-Orden.)

  3. nadine Says:

    Ich hab wieder von der ersten bis zur letzten Zeile gelacht!

  4. schrisu Says:

    Ich will ein Kira Buch. Biiiiiiiite

  5. nadine Says:

    Ja, schreib bitte ein Buch!

  6. goodytales Says:

    Ich werde diese Kommentare ausdrucken und potenziellen Verlegern damit nachweisen, dass ich immerhin bereits zwei Abnehmer habe. (o:

  7. Patty Says:

    Ui! Der letzte Satz beruhigt mich sehr!


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