Heute ein bisschen melodramatisch.

März 23, 2014

Vor einigen Stunden saß ich mit der Lieblingstochter in der Olympiahalle und bewunderte Riverdance.
Ich hätte es vermutlich ein klitzekleines bisschen mehr genießen können, wenn ich derzeit nicht ein wenig vor mich hin schwächeln würde, aber auch mit einem Kopf, der sich anfühlt, als sei er in Watte gepackt, kann man beim Zuschauen der steppenden Großmeister schon etwas euphorisch werden, doch.
(Und bei DEN Ticketpreisen hätte ich schon mindestens ohne Kopf sein müssen, um die Karten verfallen zu lassen.)

Während ich nun so da saß und den Tänzern beim punktgenauen Absatzlanden zusah, derweil ich – man kann es vor diesem Hintergrund gar nicht anders sagen – unbeholfen mit den Füßen im Takt wippte, kam mir das in den Sinn, was mir in solchen Momenten immer in den Sinn kommt:
Wo wäre ich heute, wer wäre ich heute, wenn ich als Kind bereits mit irgendeiner Sportart, einem Instrument, einer Tanzform, mit was auch immer begonnen hätte?

Wie würde es sich anfühlen, in irgendetwas zu den Guten zu gehören, zu den Herausragenden, zu den Allerbesten?
Wie wäre es wohl, etwas, was man liebt, immer wieder ein bisschen mehr für sich zu entdecken, es immer weiter zu vervollkommnen?

Ja, ja, ja, keiner braucht mir jetzt mit all den zähen Stunden des Übens kommen und wie viel lieber man als Kind Fußball gespielt hätte und was weiß ich – mir schwebt bei diesen Gedanken weniger der Tiger-Mom-Drill vor, als das Ausprobieren der eigenen Fähigkeiten, das Entdecken verschiedener Talente, vielleicht sogar das Finden und Bewahren der einen Fähigkeit, die einen mit Freude und Glück und Begeisterung erfüllt.

Trotz fortwährenden Übens.

Als Kind fehlte es immer an Geld, an Zeit, an Menschen, die an meine Ideen geglaubt hätten.

(Ja, ja, JA. Schon gut. Das ist sehr dicht an der Grenze zum weinerlichen Selbstmitleid, aber ich lasse es mir gerade noch so als „Zurückblicken mit einem leisen Unterton von Wehmut“ durchgehen.)

Zu Hause schlage ich etwas verhalten die Klaviertasten an, schubse unwillig ein paar kleine „Das ist doch auch schön“-Gedanken beiseite und nehme mir noch einmal vor, meinen Kindern mehr zu zeigen, mehr zuzutrauen, sie mehr ausprobieren zu lassen. Sollen sie doch tanzen und schreiben und fotografieren und malen und kochen und singen und mit Instrumenten jonglieren und eine Kampfsportart lernen.
Oder nichts von alledem, sondern etwas ganz anderes.
Sie sollen jedoch erleben, welche Möglichkeiten es gibt auf der Welt, Künstler sehen und hören und bestaunen, eigene Erfahrungen sammeln und hoffentlich, vielleicht, es wäre zu schön – auf das stoßen, was sie erfüllt, was sie glücklich macht, was sie wirklich wollen und brauchen und lieben.

(Schubs mich eine, sollte ich dabei versehentlich zur Tiger-Mom mutieren.)

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4 Antworten to “Heute ein bisschen melodramatisch.”

  1. Sandra Says:

    Ähm. Schätzelein, du gehörst zu den besten Schreiberinnen. *schiebt die Watte weg*
    :-*

  2. Kira Says:

    Jetzt hab‘ ich siebenmal angesetzt, und alles klingt entweder pseudo-bescheiden oder gleich großkotzig.
    Ich belasse es daher bei: Danke schön.

  3. Liane W. Says:

    Ja, ich finde auch: schön geschrieben! Meine Eltern hatten auch immer zu wenig Geld 😥. Schön, wenn man es bei den eigenen Kindern zumindest ein klitzekleines bisschen anders macht! Sei lieb gegrüßt, Liane


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