Sieht harmlos aus.

Mai 6, 2014

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by Harald Stuckmann

An Liams Kinderfahrrad ist einer von diesen langen Wimpeln befestigt, und natürlich ist ein Dinosaurier darauf.

Wo auch immer Liam fährt, der Wimpel zeigt wie ein sehr großes Ausrufezeichen an, wo genau er sich gerade befindet, und wenn ich auf der Straße einen Blick auf die parkenden Autos am Bordsteinrand werfe, dann kann ich über deren Dächer hinweg einen orangeroten Dinowimpel gleiten sehen.

So weit, so gut.
Prima Teil, sollte man meinen, nützlich und so.

Blöderweise jedoch hat der Wimpelbauer die Wimpelstange derart biegsam konstruiert, dass leider in schöner Regelmäßigkeit folgendes geschieht:

Liam wird aus irgendeinem Grunde beim Fahren ein kleines bisschen langsamer. Ob ihm ein Überholmanöver nicht so recht gelingen will, oder ob er im Vorbeifahren einen Hund betrachtet spielt keine Rolle. Erst wird er langsamer, und dann wird er wieder schneller.

Und wenn das passiert, dann beginnt die Wimpelstange zu schwingen. Sie schwingt und schwingt und schwingt immer hysterischer nach links und nach rechts, und doch irgendwie heikel wird dies durch die Tatsache, dass oben an der Stangenspitze ein etwa tennisballgroßer Ball befestigt ist, der wie eine Miniaturabrisskugel auf’s allerfröhlichste mitschwingt.

Liam kriegt das natürlich nicht mit.
Unbekümmert radelt er vor sich hin, oft genug laut singend, und würde man nicht den besagten orangefarbenen Wimpel sichten, dann könnte man auch anhand all der eingezogenen Köpfe und rasant zur Seite springender Passanten erraten, wo in etwa der Sohn gerade sein Rad über den Gehweg lenkt.

Hinter diesem Kamikazeball komme dann ich.
Meistens rufe ich Dinge wie „Vorsicht!“ und „Entschuldigung!“ und „Liam, halt mal an!“, um die Gelegenheit zu erhalten, das wildgewordene Perpetuum mobile wieder zur Raison zu bringen.

In meinen Albträumen sehe ich Liam vorneweg fahren, derweil der verflixte Ball links die Schaufenster und rechts die Autoscheiben zu Bruch schlägt.

So lange nun aber mein Vorschlag, den Dinowimpel irgendwo in seinem Zimmer zu installieren, auf wenig Gegenliebe stößt, perfektioniere ich daher mein Wissen über Münchens breiteste Fußgängerzonen und einsamste Schleichwege. Fragt mich, wie man von unserer Haustür nahezu komplett fußgängerfrei zu Liams Kindergarten kommt – mittlerweile bin ich bestens darüber informiert.

(Merke jedoch: Ein leergefegter Fahrradweg verhindert leider nicht, dass man den Hartgummiball bei einem suchenden Blick zurück höchstselbst gegen den Schädel geschmettert bekommt.)
(Au.)

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3 Antworten to “Sieht harmlos aus.”

  1. Nika WillMeer :) Says:

    Ups. Danke, ich bin immer wieder beeindruckt wie man trotz ganz spannenender und in schrecklichen Vorahnungen schwelgender Vorgeschichte am Ende doch oft mal herzlich lachen muss. Das Au in Klammern vollendet diese Geschichte so tadellos dass ist Dich auf der Stelle für nen Grimmepreis nominieren möchte! 🙂

  2. Eva Says:

    So, seit dem Wochenende haben die Zwillingsräder solch Hin-und Herschwenkdinger am Rad. Und IMMER denk ich jetzt an Dich und Deinen Beitrag, wenn diese Schwenkdinger hin und her schwenken. Das haste nun davon. 🙂

  3. Jana Says:

    Abhilfe verschafft ein Kabelbinder, der Stange & Gepäckträger noch ein 2. mal verbindert/stabilisiert oder ein Stückchen Holz an Stange & dann auch an Gepäckträger zum stabilisieren – auf der andeten Seite wir dann das Radfahren mit Junior richtiggehend langweilig …. 🙂


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