Schlaf, Mütterlein, schlaf – nicht.

Februar 21, 2015

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by wackystuff

Vor zwei Wochen durfte ich mein Wissen über potenzielle Krankheiten auf dieser Erde um die Diagnose „Wundrose“ erweitern.
Wenn man zum Hautarzt läuft, und auf den Weg dorthin am Hadern über die vermeintliche Tatsache ist, dass man bestimmt eine fiese Kortisoncreme wegen dieser seltsamen Rötung entlang des Kieferknochens verordnet bekommt, und dann mit einer 10-Tage-Packung Hammer-Antibiotika und der strikten Auflage, sich möglichst kaum noch zu bewegen, weil es nämlich sonst mindestens zu einer Sepsis, wenn nicht sogar zu einer Meningitis kommen könne, nach Hause läuft, dann ist das für jeden halbwegs anständigen Hypochonder schon ein ziemlicher Super-GAU.

In den nächsten zehn Tagen nahm ich also brav das AB, schonte mich wie verrückt und wartete auf potenzielle Nebenwirkungen.
Dankenswerterweise passierte gar nichts, außer, dass die Rötung im Gesicht und auch die damit verbundene Schwellung sehr, sehr langsam zurückwichen.
Bei einem Kontrollbesuch beim Arzt erfuhr ich dann noch, dass er schon überlegt habe, mich kurzerhand in die Klinik einweisen zu lassen, um mir das AB intravenös zu verabreichen, da doch sehr nah am Hirn und überhaupt, aber nein, hahaha, ist ja alles gut gegangen.

Vorgestern nahm ich die letzte Tablette.
Heute Nacht stand der Sohn an meinem Bett, da es ihm mitunter unmöglich scheint, ohne mich das Badezimmer aufzusuchen, meistens so gegen Eins.
Schlaftrunken schlurfte ich also hinter ihm her, reichte Toilettenpapier und schob ihn zum Waschbecken, wo ich einen trägen Blick in den Spiegel warf.
Der komplette Bereich über dem Kieferknochen war knallrot.
Hellwach in 0,003 Sekunden, großartig.
Um ein Haar wäre mir entgangen, dass der Sohn immer noch mit zufallenden Augen am Händewaschen war, doch direkt, nachdem ich ihn wieder ins Bett verfrachtet hatte, eilte ich zurück zum Spiegel.

Oh nein! Oh nein, oh nein, oh nein!
Klinik!
Sepsis!
Meningitis!
Die Geburtstage meiner Kinder im nächsten Monat – wer soll sie vorbereiten? (So sind Mütter)

Nach sehr langen Minuten gestand ich mir irgendwann ein, dass ich in dieser Sekunde so überhaupt nichts unternehmen konnte.
Morgen würde ich zum Notdienst fahren. Klar, das so etwas am Wochenende passieren muss.
Und wie soll ich dann noch diesen Text fertig bekommen, der bis Mitte März abgeschlossen sein muss?
Und die Geburtstage?
Mit Meningitis?
In der Klinik?
Na ja, was man halt so denkt, nachts um halb zwei, wenn man so ein bisschen eine ungesunde Disposition diesbezüglich hat.

Unnötig zu sagen, dass ich kaum ein Auge mehr zutat, immer wieder hochschreckte und besorgt den Kiefernbogen abtastete – fühlte es sich schon sehr geschwollen an?
Vielleicht war es ja grob fahrlässig von mir, bis zum nächsten Morgen warten zu wollen?

Heute früh dann im Spiegel war nichts mehr zu sehen.
Muss wohl irgendwie blöd gelegen haben.
(Ich bin sicher: Wenn ich mir EINMAL keine Sorgen mache, dann wird es mein sicherer Tod sein.)

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Eine Antwort to “Schlaf, Mütterlein, schlaf – nicht.”

  1. Lisa Says:

    Oh wow, Wundrose sieht nicht gut aus. Gott sei Dank geht es Euch jetzt wieder besser. Aber ich kann Dich gut verstehen. Diese Ängste sind existentiell.


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