Eben gerade, in der U-Bahn:

Juni 2, 2016

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by joe.moore

„Du, Mama“, sagt der Sohn und zeigt auf den Aufkleber mit dem Kreuz neben den Sitzen, „was bedeutet das?“
„Das ist ein Zeichen dafür, dass hier für alte Leute der Platz freigehalten werden soll …“, beginne ich, „… oder für Menschen, die nicht mehr so gut laufen können, weil sie krank sind oder schwanger oder … oder …“
Die Mittfünfzigerin, die uns auf besagtem Platz gegenübersitzt, hat bei dem Wort ‚alt‘ empört aufgesehen.
„… oder die irgendwie sonst nicht so gut zu Fuß sind“, schließe ich lahm.

Der Sohn mustert die Frau, die seinen Blick ausdruckslos erwidert. Dann wendet er sich wieder mir zu.
„Leute, die behindert sind?“
„Genau“, sage ich ergeben.
„Zum Beispiel, die nur ein Bein haben?“
„Ja.“
„Oder welche, die gar nicht laufen können?“
„Mhm.“
„Aha“, sagt der Sohn.
Vor uns wird verbissen aus dem Fenster gestarrt.

(Man muss sehr lange tiefschwarze U-Bahntunnel anschauen, wenn der Falkenblick eines Siebenjährigen einen drei Stationen lang auf körperliche Gebrechen hin taxiert.)
(Ich hab‘ die ganze Zeit gehofft, er möge die Dame nicht bitten, kurz mal aufzustehen, damit er überprüfen kann, wie mobil sie noch ist.)

2 Antworten to “Eben gerade, in der U-Bahn:”

  1. Freilandrose Says:

    Die Frau wäre BESTIMMT aufgestanden, wenn jemand gekommen wäre, der nicht gut zu Fuß ist.
    (Ich setze mich auch manchmal auf diese Plätze, halte die Augen offen und steh dann auch tatsächlich auf).


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