Ready, steady – go!

Juni 8, 2016

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by LJWhitmire

Es ist mal wieder soweit.
Mitunter überkommt es mich ja, und ich stürze mich in sportliche Aktivitäten. Aktuell, weil ich nach wie vor sehr groß und auch immer noch sehr dünn bin, trotzdem aber frustrierenderweise seit einigen Monaten zunehmend mehr so aussehe, als hätte ich einen Medizinball verschluckt.

Ich, die ich mich immer auf meine hochgradig hyperaktive Verbrennung verlassen konnte, sehe mich von selbiger schmählich im Stich gelassen und nehme zu.
Ich! Nehme zu!

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mir das eingestehen konnte, aber irgendwann ließ es sich beim besten Willen nicht mehr auf die schlechte Haltung und das gerade genossene feudale Essen schieben, und wie es so meine Art ist, hab‘ ich erst einmal umfassend darüber gelesen, mir dann einen Plan gemacht, und gestern hab‘ ich auch schon angefangen, indem ich eine halbe Stunde durch die Gegend gejoggt bin.

Und, hey, das lief gut.
Mit Beinen aus Gummi, aber hochmotiviert kam ich nach Hause, überprüfte im Spiegel mal eben, ob sich schon was verändert hatte (hatte es nicht) und schritt heute Morgen zum zweiten Akt: Krafttraining.

Nun.
Vorab muss man jetzt vielleicht wissen, dass ich über keinerlei Bauchmuskeln verfüge. Leider.
Schade, aber isso.
Hat schon seinen Grund, warum der ganze Rest einigermaßen zusammenhält, während die Mitte aus dem Leim geht.

Man kann sich also vielleicht vorstellen, wie es so abläuft, wenn ein Mensch ohne Bauchmuskeln sich selbst ein fünfzehnminütiges Bauchmuskeltraining verschreibt.
Genaugenommen hatte ich mir die Übungen nicht selbst zusammengestellt, sondern vertraute da voll und ganz einer App des Gatten, die, je nach Präferierung, ein beinahe individuell zu nennendes Trainingsprogramm ausarbeitet.
Sehr bedürfnisorientiert, eigentlich.

Also, MAN kann sich das vielleicht vorstellen, ICH jedoch war dazu nicht in der Lage.
Hätte ich mir das vorher mal so vorgestellt, hätte ich mich vielleicht nicht voll und ganz auf die trainingsresistente Mitte konzentriert, sondern hin und wieder Übungen eingebaut, die ein zuverlässigeres Erfolgserlebnis versprechen.

Ich meine, wie fühlt man sich denn, wenn der Miniatur-Sportler auf dem Display in der vorgegebenen Zeit etwa zwanzig Wiederholungen hinbekommt, während man selbst es gerade mal mit viel Ächzen und Stöhnen auf zwei bis drei bringt?
Und dabei auch noch die Haltung irgendwie scheiße ist?

Da hopst der kleine Mensch aus dem Liegestütz bis vor zu seinen Händen, schnellt anschließend kerzengerade in die Luft, um sich sofort danach wieder zusammenzufalten und nach hinten in die Ausgangsposition zu springen.
ICH, ja, ich hopse beim ersten Mal viel zu kräftig, was dann dazu führen kann, dass man höchst unelegant mit der Nase zuerst auf’s Parkett kracht.
(Ich habe geschrieben, das kann passieren, selbstverständlich ist mir das nicht passiert.) (Aber fast.)
Im weiteren Verlauf hoppelte ich mit winzigen Kaninchenhüpfern bis ungefähr in Bauchnabelhöhe, schnellte dann immerhin ganz genauso wie mein digitales Vorbild nach oben (verfehlte dabei die Lampe nur knapp) und arbeitete mich anschließend mit vielen Hopserchen wieder zurück.
Is‘ dann kein Wunder, dass der arogante Typ auf fünfzehn Wiederholungen kommt und ich nur auf sieben, aber was macht das mit meinem Ego?

Der kümmerliche Rest, der mir nach guten zwei Dritteln der Trainingseinheit noch geblieben war, wurde endgültig bei der Taschenmesser-Übung zusammengestampft.
Kennt die wer?
Man liegt ganz harmlos auf dem Rücken, und dann, plötzlich und für die Eingeweide unerwartet, knickt man in der Mitte ein, Oberkörper und Beine streben lang ausgestreckt und grazil in die Senkrechte. Für einen kurzen Moment sitzt man nur noch auf seinem angespanntem Hinterteil, dann rollt man geschmeidig ab, und das war’s.

Jetzt ich.
Es sah ja wirklich ganz einfach aus.
Ich hab‘ das nicht auf mich zukommen sehen.
‚Go‘, befahl mir mein Smartphone im autoritärem Ton, und ich klappte Taschenmesser-mäßig nach oben.
Oder nein, das war anders: … wollte Taschenmesser-mäßig nach oben klappen, jetzt stimmt’s.
Was nämlich eigentlich geschah war: Meine Beine hoben sich, der Oberkörper blieb liegen.
Kann doch nicht sein, dachte ich, und versuchte es noch einmal.
Diesmal hob sich auch der obere Teil etwa fünf Zentimer vom Boden weg, dafür bekam ich die Beine nicht mehr hoch, und als ich mich ganz extrem doll verflucht anstrengte, kippte ich plötzlich ungewollt in eine sitzende Position und sah mich verwirrt um.
Für die restliche Dauer dieser Trainingseinheit lag ich rum und fühlte mich angemessen wie ein toter Hund, nur nicht so gelenkig.

Morgen dann wieder Laufen.
Das kann ich immerhin.

2 Antworten to “Ready, steady – go!”

  1. C.D. Says:

    Danke für das fette Grinsten, das mir dein Text grad ins Gesicht gezaubert hat.🙂
    Ich hab bin ja der Überzeugung, dass meine Bauchmuskeln das mit der Rückbildung zu ernst genommen und sich einfach komplett aufgelöst haben.
    Und diese permanente „Frühschwangerschaftskugel“ schieb ich auf Bindegewebe mit Memory-Effekt.
    Und Klappmesser soll für die Bandscheiben ja eh ganz schädlich sein. Ist also sowieso besser, wenn man das gar nicht erst kann. Jawohl !

    • Kira Says:

      Bindegewebe mit Memory-Effekt – das werde ich mir merken.😀
      Irritierend an dieser Klappmessergeschichte finde ich ja trotzdem, dass ich neben mir auf dem Display genau vor Augen habe, dass es GEHT, während mein Körper steif und fest behauptet, es ginge NICHT. Irgendwie fühlt sich mein Hirn dann so, wie ich mich fühle, wenn meine Kinder meine Anweisungen mal wieder völlig ignorieren.


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