Zwischenbericht.

Juni 25, 2016

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by blachswan

Inzwischen krieg‘ ich meine Hände beim Dehnen flach auf den Boden, statt sie steifbeinig etwa in Kniehöhe herabbaumeln zu lassen, die Crunches-Durchgänge schaff‘ ich, ohne bedenklich rot zu werden, und das seitliche Planking sieht nicht mehr so aus, als würde man ein schlaffes Seil an einem Ende anheben.

Über diese Klappmesserübung schweigen wir aber besser stille – derzeit ist noch gar nicht daran zu denken, die gestreckten Beine anzuheben, während ich flach auf den Rücken liege. Das ist eigentlich ziemlich erstaunlich, und meine Hirnzellen berufen auch unmittelbar danach immer einen Runden Tisch ein – immerhin haben sie gerade einen direkten Befehl erteilt, und meine Beine verharren trotzdem ungerührt in einer Art lethargischen Extrem-Stoizismus. Ich schieb‘ das auf die Erdanziehungskraft.

Nach dem Laufen habe ich jetzt keine Gummibeine mehr. Was ein bisschen schade ist, selten fühle ich mich so sportlich, wie wenn ich nach dem Joggen herumrenne wie ein Seemann auf Landgang. Ich denke, demnächst werde ich die Laufstrecke einfach mal erweitern.
Dann hab‘ ich auch mehr Zeit, die anderen Läufer heimlich zu mustern, als solche gut zu erkennen durch ihren funktional durchdachten und häufig elektronisch aufgepimpten Sportlerdress.
Da gibt es welche, die überhole sogar ich, wenn man uns beide jedoch im Stillstand miteinander vergleichen würde, käme kein unbeteiligter Beobachter auf die Idee, mit dem Finger auf mich zu zeigen und zu sagen: Diese da ist die Joggerin.

Was daran liegt, dass ich es nicht wirklich einsehe, mich für die morgendliche Laufrunde in sauteure, eng anliegende Läuferklamotten zu werfen. Ganz davon abgesehen, dass ich das Ganze ja durchziehe, um enganliegendes Zeug mit gutem Gewissen wieder tragen zu können, lege ich auch nicht ganz so viel Wert darauf, für meine Mitmenschen beim Rundendrehen die eigenen Problemzonen in Neonfarben zu verdeutlichen.
Jogginghose und Shirt müssen also herhalten, aber ich hatte ja auch schon immer Probleme, wenn’s beim Sporteln um gewisse Kleidercodes geht.

Nichtsdestotrotz – ob in Pink oder in Neongrün, mit Pulsmesser oder ohne, in Nikes oder in Addidas – die meisten Jogger überholen derzeit mich. Das wird sich ändern.
Und dann wird es irgendwann so sein wie früher, wenn die Hobby-Strampler auf ihren aluglänzenden Leichtrennrädern mich und mein unscheinbares Uraltfahrrad am Horizont verschwinden sahen.
Vorfreude.

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