Also:

Juli 18, 2016

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by renatomitra

Sieben Tage sind rum, Zeit für ein Fazit:
Überraschung – ich bin Internet-süchtig.
Nicht, dass ich das nicht schon vorher geahnt hätte, aber sehr tief in mir drin hegte ich eben doch die nonchalante Überzeugung, vollkommen unabhängig von meinem Rechner zu sein.
Selbstbetrug deluxe, sag ich da nur.

Sobald das erste Kind in der vergangenen Woche mittags die Wohnung betrat, hab‘ ich das Ding pflichtbewusst zugeklappt und weggepackt, aber keiner will wissen, wie oft ich bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit gedacht habe, zumindest die Mails könne man ja mal eben überprüfen. Die kommen ja nicht, wenn man nicht alle halbe Stunde nachsieht. Und ich musste schwer an mich halten, mich nicht selbst zu beschummeln, indem ich zum Mobiltelefon griff.

Schlimmer noch: Ich wusste oft genug rein gar nichts mit den nun freigewordenen Zeitfenstern anzufangen. Früher hab‘ ich in solchen Momenten meistens ein paar Seiten eines Buchs gelesen, aber offenbar brauch‘ ich mittlerweile eine U-Bahn um mich rum, damit das funktioniert.
Stattdessen hab‘ ich für die Kinder völlig überraschend hin und wieder ein Spiel vorgeschlagen, was Sohn und Tochter anfangs annehmen ließ, Aliens hätten den Körper ihrer Mutter okkupiert. Netterweise erbarmten sie sich und spielten gelegentlich mit mir.
Außerdem haben wir es geschafft, den kompletten dritten Band von Harry Potter zusammen zu lesen, und nur ganz, ganz selten hab‘ ich mir heimlich doch das Smartphone gegriffen, mit einem Gefühl, das ich bisher nur vom Schokolade-essen-ohne-Kinder her kenne.

Immerhin hab‘ ich’s trotzdem einigermaßen durchgezogen, bis auf die Abende, an denen ich gehofft habe, der Gatte möge beim Gute-Nacht-Sagen einschlafen, damit ich endlich den Rechner an mich reißen kann.
Fieserweise hatte er den Blogeintrag gelesen und blieb meistens wach.
Aber gut, dann unterhält man sich eben mal wieder. Ist ja auch ganz interessant, über das übliche organisatorische Gedöns hinweg das ein oder andere vom Seelenleben des Menschen mitzukriegen, mit dem man immerhin verheiratet ist.

Das wird jetzt hart.
Das wird jetzt hart, denn ich muss jetzt natürlich dranbleiben.
Wo ich doch Zeit meines Lebens so stolz darauf war, mich nie in irgendwelche Abhängigkeiten begeben zu haben (abgesehen von den Wochen, in denen im im Simon-the-Sorcerer-Universum versank) (die Tetris-Sucht noch zu erwähnen) (oder wie ich einmal einen kompletten Urlaub hindurch das Nintendo der Tochter nicht mehr aus der Hand gelegt habe, um mal eben Harvest Moon durchzuspielen).

Ähm.

Ich erweitere das Experiment über die Sommerferien hinweg.
Ich kann das schaffen.
(Sicherheitshalber hab‘ ich mir geschworen, das Telefon sofort in der Toilette zu versenken, sollte ich versehentlich Pokemon Go installieren.)

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