Ich geh mal eben mit dem Hund!

September 28, 2016

War ich das eigentlich, die irgendwann mal gesagt hat, mit Kindern käme man nicht mehr vom Fleck?
Das muss gewesen sein, bevor ich mit einem Labrador-Mix-Staubsauger durch die Gegend gestolpert bin.
Im Vergleich zum Hund in Schnupperlaune (also immer) sind sowohl Nathalie als auch Liam im Stechschritt durch die Gegend gerannt.

Und derzeit gibt’s ja auch geradezu unfassbar viel zu entdecken.
Gleich neben dem Gartentor liegt ein halbes Brötchen neben einem abgekauten Liebesapfel, weiter hinten finden sich delikate Zuckerwattehölzchen, und noch ein paar Meter weiter musste jemand gestern Abend offenbar seinen Magen umstülpen, was ja fast noch besser ist.
So aus Hundesicht, nicht, dass wir uns da missverstehen.

Ich schleiche also morgens beim ersten Gang mit einer vor Sinnesfreuden schier überschnappenden Töle durch die Gegend, skandiere dabei mantramäßig ‚Nicht fressen, nicht fressen!‘ und laviere das Tier um die gröbsten Ecken herum, weil ich es nämlich nur echt eklig finde, dem Hund ein angekautes Pommesstäbchen aus dem Hals zu holen, mich aber nicht überwinden könnte, sollte Seal ihre Schnauze in Erbrochenes versenken. (Schöner Satz. Passt bestimmt gut zum ersten Kaffee.)

Dass ich dabei selbst meine Kinder übersehen würde, dürfte klar sein. Mein Blick gilt ja nicht dem Geschehen, das sich ab etwa vierzig Zentimetern Höhe abspielt, sondern ausschließlich dem, was auf dem Boden und auf niedrigen Mauern zu finden ist – hier kommt Kira, die Frau, die jeden Untergrund schneller scannt, als ihr Schatten.
Wenn ich es auch noch schneller könnte als der Hund, wäre das großartig.

Was nicht essbar scheint – Backsteine zum Beispiel – wird endlos lang beschnuppert, am Interessantesten ist dabei natürlich immer das, woran wir eigentlich schon fast vorbeigegangen sind. Zwischendurch muss man sich dann in Zeitlupe an Tauben und Krähen anschleichen (die als echte Stadtbewohner für den tapsigen Hund nur ein müdes Flügelzucken übrig haben) und gleich ganz zu Eis gefriert man, wenn irgendwo ein anderer Hund zu sehen, zu hören oder auch nur zu riechen ist.

Freeze!
In den nun folgenden zwanzig Sekunden jagt vielleicht Folgendes durch den Hundekopf:
Ein Hund! Ist er größer als ich? Schneller? Dicker? Hat er einen Stock, den ich auch haben will? Kommt er rüber auf meine Straßenseite? Soll ich ihm entgegengehen? Oder lieber abwarten? Der Hund ist ziemlich winzig, sollte ich mich vor ihm auf den Bauch werfen, damit er sich nicht ängstigt, wenn ich jetzt gleich von Null auf Hunderachtzig schalte, weil –
Dann fetzt sie los, weil am Ende JEDES Gedankengangs nur ein Wort auftaucht: SPIELEN!

Hoppeln und Hüpfen und Schwanzwedeln und sich Verbeugen – es demotiviert Seal nur Bruchteile von Sekunden, wenn das Gegenüber mal nicht zum Spielen aufgelegt ist, weil zu alt, zu griesgrämig, zu würdevoll oder mit einem spielunwilligen Frauchen/Herrchen am anderen Ende der Leine.
Gibt ja viele Hunde.

Und Roller! Roller sind großartig. Man MUSS stehenbleiben und sie bewundern.
Wenn sie nahe genug herankommen, auch einmal hüpfen.
Oder Flugzeuge!
Mei, Flugzeuge!
Sitzen, sitzen, sitzen und nach oben starren.
Ewig.
Außerdem ist Herbst.
HERABFALLENDE Blätter!
Großartig, herabfallende Blätter.
Man kann nach diesem Blatt schnappen und nach dem und nach diesem hier auch und guck an, liegt da nicht ein halber Maiskolben?

Ist also kein Wunder, dass unsere Morgenrunde sich derzeit etwas zieht.
Wenn wer irgendwo ein Stilleben mit Hund entdeckt (Hund starrt Müllauto an, Frau starrt Hund an), dann bin das vermutlich ich.

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