Archive for the 'Alltägliches' Category

Feeling dumb.

Februar 24, 2017

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by kira

Heute vor der Schule habe ich einmal mehr im Leben mit Pokerface und rasendem Puls ein Glas über Tarantula gestülpt, und es sogar noch einmal kurz angelüpft, weil die Kinder der Ansicht waren, ein armes Spinnenbein sei eingeklemmt.
Aus sicherer Entfernung wurde das Tier anschließend von zwei Paar Kinderaugen begutachtet.

„Bringst du die Spinne jetzt raus, Mama?“, fragte der Sohn.
„Gleich“, erwiderte ich, darauf hoffend, der Gatte möge sich mit dem Duschen beeilen.
„Aber die Spinne erstickt sonst“, insistierte das Kind.
„So schnell geht das nicht.“
„Wieso nicht?“
„Weil sie halt sehr klein –“, hob ich an, wurde jedoch von der großen Schwester unterbrochen:

„Weißt du, wenn man einatmet, dann ist nur 21% des Eingeatmeten Sauerstoff. Und davon verbrauchst du dann nur 4%, den Rest atmest du wieder aus. Und da die Spinne ja sehr winzig ist“ – (auf einmal) – „reicht die Luft in dem Glas bestimmt zwei bis drei Stunden.“

(Ich beschränke mich dann demnächst einfach nur auf’s Brotzeitzubereiten.)

The dog …

Februar 16, 2017

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by joycevalenza

Ich müsste eigentlich den Hund mal duschen.
Aber ich trau mich nicht.

Tja.

Januar 25, 2017

„Schau mal, Mama, das spielen wir gerade im Schulorchester!“
„Oh“, sage ich bei 4:04, „das Stück haben Gun’n Roses auch gecovert.“
„Wer?“
„Gun’n Roses.“
„Nein, das ist ein James Bond Song. Der ist von Paul McCartney.“
„Ja, aber Gun’n Roses …“
„Ist das der, der immer in Unterhosen singt?“
„Ach, vergiss es.“

(Nachdem ich von zu Hause ausgezogen bin, dachte ich ja, solche Diskussionen müsste ich nie wieder führen.)

Es gibt kein Entkommen.

Januar 21, 2017

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n Frank, Jr.

Sie sind überall.
In Ecken und Winkeln, hinter den Türen, unter Tischen und Stühlen, im Wohnzimmer, im Esszimmer, in den Kinderzimmern und im Bad. Sie sammeln sich unter dem Regal in der Küche, sie schweben in der Luft, sie machen aus der Hundedecke ein verdammtes Pelzkisten – denn natürlich geht es um Hundehaare, genaugenommen um hundelose Hundehaare.

Neulich fand ich eins in der Marmelade, die sich zuvor ungeöffnet in der Vorratskammer befand – ich nehme an, dass sich eines der schwebend verharrenden Exemplare just den Moment zum Herabfallen aussuchte, als ich den Löffel in die Konfitüre tunkte.

Über den Besen können sie nur lachen. Aufgewirbelt werden sie dadurch und ansonsten nur geringfügig in ihrer Präsenz gestört – nach dem Fegen haben sieben Millionen Hundehaaare ihre Position gewechselt, und den aufgekehrten 23.000.000 Haaren weinen sie keine Träne nach.

Auch der Staubsauger tut sich hart. Man saugt und saugt und saugt, man geht unzählige Male über die gleiche Stelle des Teppichs, in der Hoffnung das verflixte Hundehhaar endlich zu erwischen, man muss die Haare förmlich einzeln in den Sauger komplimentieren, um ihrer habhaft zu werden.

Kein Wunder also, dass es gefühlte Stunden dauert, bis man ansatzweise das Gefühl hat, JETZT ist man fertig, JETZT hat man sie alle erwischt.
Man hat dann nicht nur den Boden und alle Ecken, sondern auch die Socken der Kinder abgesaugt, Stuhlritzen, Sofaspalten und Fensterbänke.

Erschöpft aber zufrieden lässt man dann das Staubsaugerrohr sinken, wischt sich den Schweiß von der Stirn und hält den Atem an, wenn man sieht, wie der Hund sich im güldenen Sonnenlicht von seiner Matratze erhebt.

Dorthin hat er sich den halben Tag verkrochen, bevor es der Irren mit dem Staubsauger noch einfallen könnte, ihn gleich mit abzusaugen. Jetzt tänzelt er leichtfüßig herbei, und weil das Fell vom langen Liegen ein klitzekleines bisschen gedrückt ist, muss sich das Tier nur einmal, nur ganz kurz schütteln … eine Armada neuer Haare steigt auf, sie fliegen, sie fliegen weit, sie leuchten in den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster fallen.

(Danach hat man zwei Möglichkeiten: Man bekommt einen Schreikrampf, oder man weint ein bisschen.)
(ODER man packt den Staubsauger zur Seite und beschließt, Hundehaare irgendwie auch heimelig zu finden.)

Psst.

Januar 17, 2017

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by Kira

Der Hund schläft.
Tief und fest.
Ich tapse vorsichtig an ihm vorbei, lehne die Tür zum Esszimmer an, schleiche auf Zehenspitzen durch den Flur in die Küche, schließe die Tür beinahe ganz, greife nach einem Messer und schneide einen Apfel auf.

Drei Sekunden später bin ich nicht mehr alleine.
Der Hund liebt Äpfel.

Daran werde ich denken, wenn ich das nächste Mal SEEEEEEAL! quer über die Theresienwiese brülle, und mein friedfertiges Hirn mir einreden will, der olle Köter habe mich bestimmt nur nicht gehört.

Gestern, im Perlacher Forst.

Oktober 27, 2016

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Prüfend guckt die mir entgegenkommende Frau erst auf Seal, dann zu mir.
„Haben Sie keinen Ball dabei?“, fragt sie.

Hä?, denke ich, wieso soll ich denn einen Ball dabei haben?
Und überhaupt, was geht die das an? Ist doch wohl ganz allein meine Sache, ob ich der Töle einen Ball mitnehme! Im Wald braucht sowieso kein Hund einen Ball! Wie anmaßend! Wie diese anderen Mütter immer, die beim kleinsten Kieks meines Kindes vorwurfsvoll in meine Richtung irgendetwas in Richtung ‚Oh, du Armes, du hast bestimmt Hunger‘ flöteten.

„Nein“, sage ich ein wenig indigniert, nichtsdestotrotz freundlich. „Ich nehme eigentlich nie Spielzeug mit in den Wald.“

Beide gucken wir uns verwirrt-zurückhaltend an.
Dann erwidert die Frau vorsichtig:
„Ich fragte, ist da ein Kangal dabei?“

Ähm.

Geh allein, ich bin noch müde.

Oktober 17, 2016

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Missmutig und steifbeinig schlappt der Hund, den ich für den frühmorgendlichen Gang gerade von seinem Kissen haben werfen müssen, hinter mir her.

„Naaaaa“, sagt ein älterer Herr teilnehmend, „dreizehn Jahre?“

Merke: Auch sechs Monate alte Hunde sehen morgens so aus, wie sie sich fühlen.

Huch.

Oktober 15, 2016

In der vollbesetzten S-Bahn gelangweilt mal eben online gehen und plötzlich im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stehen, weil Ian Gillan mit aller Kraft ‚Smoke on the water‘ durchs Abteil röhrt.

Den Leuten nicht erklären können, dass man am Tag zuvor auf dem Heimweg vom Gitarrenunterricht nach diesem Song suchen musste, um dem Sohn zu beweisen, dass die Band noch immer Musik macht, und die Fenster der U-Bahn waren auf und es ratterte und knatterte, und deshalb musste man die Lautstärke eben ganz hoch … ach egal.

Erst warf ich das Telefon schockiert in die Tasche, was an dem Geräuschpegel kaum etwas änderte, dann schaltete ich auf ’stumm‘, wodurch Youtube auch nicht wirklich beeinträchtigt wurde, und dann kam ich gefühlte Jahre später auch schon auf die Idee, das Video einfach zu beenden. Es setzte ein bei 1:08 und kam immerhin bis 1:27 – lange Sekunden, sag ich da nur, lange Sekunden.

Unerwartet.

September 17, 2016

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by Kira

Gestern bin ich auf die brillante Idee gekommen, den Hund mit dem Roller rauszulassen.
Also, ich fuhr den Roller. Nicht der Hund.
In Rekordzeit tobten wir um die Wiesn, hielten nur mal hier und da, um Blätter/Gras/Bäume/andere Hunde/Undefinierbares zu beschnuppern – also der Hund. Nicht ich – und kamen schließlich bei Liams Schule an, um den Sohn abzuholen.

Völlig erledigt hechelte Seal in Schräglage neben mir, die ich auf einer niedrigen Metallumfassung Platz genommen hatte, und ich dachte gerade darüber nach, wie gut es doch ist, dass die Schule nur wenige Gehminuten von unserem Zuhause entfernt liegt, da begrüßte mich die Nachbarin mit dem putzigen braunweißen Hund von nebenan.

Ich hob den Kopf, gewillt den Gruß zu erwidern, sprang aber stattdessen auf, stolperte eine Satz vorwärts, bevor ich mich zur Seite riss und einen weiteren Hopser machte, um dann endlich das, was auf dem obigen Bild ganz harmlos am Strand liegt, wieder unter Kontrolle zu bringen. Ganz offenbar hatte die Töle ihre letzten Energiereserven zusammengekratzt, um den Hundekollegen angemessen zu begrüßen.

Bisher hab‘ ich ja immer heimlich vor mich hingegrinst, wenn ich eine andere Nachbarin morgens auf dem Weg zur Schule gesehen habe, die hinter dem ausgewachsenen Familienlabrador herwehte.
Seal ist jetzt fünf Monate alt.
Ich muss mehr Krafttraining machen.

Schwer zu ertragen.

September 13, 2016

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by foxy97

Hab‘ ich mal erwähnt, wie mich diese Leute stressen, die Sätze sagen wie „Das ist ein Radweg!“, wenn man sich am äußersten Rand weit nach vorne beugt, um zwischen den parkenden Autos hindurch einen Blick auf die Fahrbahn zu erhaschen, wahlweise „Das ist ein Fußweg!“, wenn man es wagt, die sieben Meter zwischen Hofausfahrt und Bordsteinkante bereits auf dem Sattel zu sitzen?

Diese langen Gesichter, der griesgrämige Tonfall, die vorwurfsvollen Blicke – „EntschuldiGUNG!“, sagen solche Leute, wenn man sie im Tumult am Bäckertresen übersehen und sich (vermutlich) versehentlich vorgedrängelt hat. Diese Menschen tragen das Elend der Welt auf ihren Schultern, und sie hassen jeden, der ihr Leid auch nur minimal vergrößert.

Es sind dieselben, die niemals auch nur einen Zentimeter nach rechts oder links scheren, sollten sie dir mal entgegenkommen, und wage es, sie mit deinem Jackenzipfel zu streifen, und die Hölle bricht über dich herein.

Jede Konfrontation wird dankbar angenommen, für jeden potenziellen Fight stehen sie bereits im Ring, und es ist völlig egal, worum es geht, den das ist ein RADweg, nein, ein FUSSweg, und überhaupt ist es völlig egal, du bist schon allein deshalb im Unrecht, weil du atmest, oder wenigstens, weil du nicht sie bist, EntschuldiGUNG!

Bitte, bitte, bitte, lass mich niemals so ein missvergnügter, freudloser, grämlicher, mürrischer Korinthenkacker werden, bitte.
Rüttel mich wer, wenn ich Tendenzen zeige.